Wertschöpfung und Werte bilden

von Judit Hillemeyer
Freitag, 16. Juni 2006
Unter dem Motto "Menschen stärken, Wert(e) bilden" veranstaltete der DGFP vergangene Woche seinen 14. Kongress. Der Branchentreff mit 800 Gästen wurde von einer Messe und zahlreichen Vorträgen flankiert.



Ein breitgefächertes Themenspektrum stand auf der Agenda des zweitägigen Kongresses. Qualitätskriterien von HR-Managern, Demographie, Wissens- und Kompetenzmanagement sowie strategische Personalpolitik. "Wertschöpfung und Werte bilden" durchzog als roter Faden den Kongress.

"Ein effizientes Personalmanagement, das in die Unternehmensstrategie integriert wird, entscheidet auch über den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens", leitete Dr. Dieter Zetsche, Personalvorstand der DaimlerChrysler AG, die Veranstaltung ein. Talente dürfe keine Firma im eigenen Interesse "versauern" lassen.

Dass das nicht nur für Konzerne, sondern genauso für den Mittelstand gilt, erläuterte Dr. Rüdiger Goyk, Personalmanager der Unternehmensgruppe Theo Müller. Der Molkereiproduktehersteller führte systematisch ein integriertes Kompetenzmanagement ein. Methodik, Evaluierung und Nachhaltigkeit seien hier entscheidende Elemente.

Erster Schritt war die Einführung eines Zielvereinbarkeitssystems. Ergänzt wurde es durch Stellenbeschreibungen für eine längerfristige Leistungsvereinbarung. Im gewerblichen Bereich sind beispielsweise Kommissionierraten messbar.

Diese Kennzahlen können für Entgeltstrukturen genutzt werden. Bei der Förderung von Fach- und Führungskräften setzen die Aretsrieder auf "Stärkenmotivation". Eingeführt wurden Jahres- und Entwicklungsgespräche.

Das Handelsunternehmen Tchibo fördert in seiner Personalpolitik den "Unternehmer im Unternehmen". Das sei im Angestelltenverhältnis kein Paradoxon. Dieser Persönlichkeitstypus, so die Referentin Annika Farin, Head of Corporate HR bei Tchibo, "handelt intuitiv, ist risikobereit und übernimmt Verantwortung".

Damit eben jene Fähigkeiten zum Tragen kommen, müssen Strukturen geschaffen werden, in denen die Autonomie der Mitarbeiter, die über sie verfügen, gefördert wird. Dabei sollte das Management selbstbewusst und selbstreflektiert agieren. Nach solchen Persönlichkeiten wird auch beim Nachwuchs gesucht.

Vor dem Hintergrund der demoskopischen Entwicklung in Deutschland könne der "Nachwuchs" nicht nur aus jungen Menschen bestehen, warnte Dr. Frank Schirrmacher, FAZ-Herausgeber. Die nächste Generation hat eine Lebenserwartung von rund 100 Jahren.

So gesehen brauchen auch über 50-Jährige berufliche Perspektiven. Es sei ein völliger Irrglaube, dass ältere Menschen weniger leistungsfähig seien als junge, sagte Schirrmacher und erzählte folgende Anekdote.

"Kürzlich stürmte der über 80-jährige Marcel Reich-Ranicki in mein Büro: "Das Jüdische Museum will zu meinem Geburtstag meine gesamten Werke ausstellen." - "Zu welchem Geburtstag?" - "Zu meinem 100. Werden Sie kommen?" - Ich bin verdutzt. Reich-Ranicki pariert: "Sie wissen nicht, ob Sie kommen können? Ich werde ganz bestimmt dasein!" (juh)

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