Unternehmen brauchen keine Fachidioten

von Silke Biester
Freitag, 18. März 2011
Erwartungen an Master-Studiengänge
LZ-Grafik
Erwartungen an Master-Studiengänge
Die Wirtschaft wünscht sich Hochschulabsolventen mit Praxisbezug. Eine Studie des DIHK legt Kritik am Reformprozess offen.
Erwartungen an Master-Studiengänge

Eine Umfrage des Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK) hat ergeben, dass zwei Drittel der Unternehmen mit den neuen Bachelor- und Masterabschlüssen zufrieden sind. Allerdings ist dieser Wert gegenüber 2007 gesunken. Viele bemängeln die unzureichende Umsetzung der Fachkenntnisse in die Praxis. Fehlende praktische Erfahrung ist bei 15 Prozent der Bachelor- und 11 Prozent der Masterabsolventen der Hauptgrund für nichterfüllte Erwartungen. Hinzu kommen mangelnde soziale und persönliche Kompetenz und sogar zu geringes Fachwissen oder eingeschränkte Forschungskompetenz.

Der DIHK wertet das Ergebnis als Warnsignal. Die Hochschulreform zeige keine Fortschritte mehr. Präsident Hans-Heinrich Driftmann appeliert deshalb an die Hochschulen, die Anforderungen des Arbeitsmarktes ernst zu nehmen. Studierende sollten besser auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet werden, schließlich strebe nicht jeder eine wissenschaftliche Laufbahn an.

Von Masterstudenten erwarten die 2200 Teilnehmer der Umfrage vor allen Dingen eine höhere Anwendungsorientierung. Es werden aber auch bessere Führungskompetenzen und ins Studium integrierte Praktika gewünscht.

Jeder vierte Arbeitgeber hat sich schon einmal in der Probezeit von Absolventen getrennt. Probleme bei der Umsetzung des Wissens im Arbeitsalltag oder Selbstüberschätzung des Mitarbeiters sind bei jeder zweiten Beendigung des Arbeitsverhältnisses die Ursache. Fachwissen wird bei Mitarbeitern mit Studienabschluss als selbstverständlich vorausgesetzt. Darüber hinaus erwarten Arbeitgeber von Berufseinsteigern Einsatzbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, selbstständiges Arbeiten, Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist. Auslandserfahrung dagegen wird zwar gern gesehen, ist aber nur für international tätige Unternehmen wesentlich.

Etliche Befragte reagieren auf den fehlenden Praxisbezug, indem sie auf duale Studiengänge setzen. 38 Prozent der Personaler rekrutieren so bereits einen Teil ihrer Fachkräfte. 41 Prozent der Unternehmen geben an, Probleme bei der Stellenbesetzung zu haben. 2007 lag der Wert mit 33 Prozent deutlich niedriger. Fehlende Bewerber, unzureichende Qualifikation oder überzogene Gehaltsvorstellungen sind die Hauptgründe. (sb)

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