Das Werben um Bewerber

von Judit Hillemeyer
Freitag, 15. Februar 2008
Markus Eicher
Markus Eicher
Zwei Informationskanäle nutzen Bewerber bei der Arbeitgeberwahl: Medien und das Internet. Unter der Prämisse des Fachkräftemangels und Demoskopieproblemen gilt es für Arbeitgeber, ihre Karriere-Webseite attraktiv zu gestalten.



Drei Dimensionen spielen bei der Gestaltung einer Karriereseite eine Rolle: Inhalt, Funktionalität, Wirkungsprinzipien. Die Agentur wbpr in Unterföhring setzt hier auf einen integrativen Ansatz im Sinne eines umfassenden Employer Branding. Ziel ist es, dem virtuellen Besucher ein überzeugendes Bild des Arbeitgebers zu vermitteln.

Dabei gilt es Emotionen zu wecken. "Nur abgestimmt über alle Informationskanäle hinweg dringt die Arbeitgebermarke zu Jobsuchenden durch", sagt wbpr-Geschäftsführer Markus Eicher. Zu seinen Kunden zählen Unternehmen aus dem Einzelhandel und der Lebensmittelindustrie.

Personalmarketing muss durchgängig penetriert werden. Denn die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für Unternehmen schwieriger denn je geworden: Der Aufwand der Personalabteilungen, bestimmte Positionen zu besetzen, steigt. Rund 20 Mrd. Euro gehen der deutschen Wirtschaft jährlich durch den Mangel an Fachkräften verloren, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Diese Situation dürfte sich absehbar verschärfen. Bei abnehmender Bewerberquantität muss die Qualität steigen.

"Um das zu erreichen, muss die HR-Kommunikation die Perspektive des Bewerbers einnehmen", rät Eicher. Allein die Angabe von Einstiegsgehältern reiche bei Weitem nicht aus. Wer mit Einstiegsgehältern wirbt, sollte Gehaltsstrukturen offen legen. Aber es geht um mehr als ums Geld. Bewerber wünschen sich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Freizeit, Möglichkeiten der Weiterbildung, eine individuelle Karriereplanung, ein angenehmes Arbeitsklima und Arbeitsplatzsicherheit.

Und sie wollen wissen, wie die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist und der Arbeitsalltag aussieht. "All diese Informationen müssen glaubwürdig dargestellt werden", so Eicher. Erklärungen zum Unternehmen werden derzeit fast ausschließlich über Mitarbeiter-Testimonials transportiert. Sie vermitteln jedoch wenig Kollegialität, kritisiert der Experte. Zentrale Aussagen wie "flache Hierarchien", "Kollegialität" oder "flexible Aufstiegschancen", wenn sie im Kern das Unternehmen bestimmen, gehören zentral auf der Webseite positioniert. Auch die Unternehmenskultur ist Bestandteil der Informationspolitik.

Eine gelungene Karriere-Website zeichnet ein unverwechselbares Bild des Arbeitgebers, erklärt Eicher das Idealbild. Übergeordnete Botschaften sind dabei auf den Punkt gebracht.

In der Lebensmittelbranche führe die Selbstdarstellung im Internet häufig zur Nabelschau. "Eine Aneinanderreihung von Plattitüden birgt die Gefahr eines Negativimage mit der Folge, dass sich der virtuelle Besucher einfach wegklickt."

Arbeitgeber sollten klar und deutlich formulieren, welcher Mensch in welcher Job-Korrelation zum Unternehmen passt. Technisch möglich sein sollten außerdem Initiativbewerbungen. So entstehe ein Pool potenzieller Mitarbeiter von morgen.



Käufige Fehler



Allerweltsfloskeln

Aussagen wie beispielsweise "flache Hierarchien", "leistungsorientierte Kultur" und "vielfäl- tige Karrieremöglichkeiten" sind austauschbar.

Fade Eigendarstellung

Bewerber wollen wissen, ob das Unternehmen Zukunft hat, die Arbeit spannend ist und Mitarbeiter mit Stolz erfüllt. Es feh- len oft Aussagen zum unternehmerischen Erfolg und zur Produktfaszination.

Wenig Information

Bewerber wollen auch Einblick in das Betriebsklima, die Perso- nalentwicklung, Work-Life-Balance, Jobsicherheit.

Bilderwelten

Viele Karriereseiten ähneln sich. Sie vermitteln weder einen Ein- druck vom Unternehmen noch von der Arbeitswelt. Einige wecken gar negative Emotionen.





Tipps für Karriereseiten



Erster Eindruck zählt

Auf eine ansprechende und übersichtliche Gestaltung achten. In- halte lesefreundlich präsentieren; Bewerber und Besucher durch die Seite führen.

Auf den Punkt kommen

Einen Leitsatz (Claim) und Kernaussagen formulieren, die sich durch alle Karriereseiten ziehen. Zentrale Aussagen sollten dem Bewerber, wenn er die Seite verlässt, samt Unternehmen im Gedächtnis bleiben.

Bewerben beim Bewerber

Jobsuchende in den Mittelpunkt der Ansprache rücken: "Wir bieten" statt "wir suchen". Versetzen Sie sich in die Lage des Bewerbers.

Schnell zum Ziel

Zentral Ansprechpartner und vollständige Kontaktdaten für Bewerber positionieren. Notwendig ist auch ein Zeitfenster zur Kontaktaufnahme außerhalb der Geschäftszeiten. (juh)

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