Kinder und Beruf kaum vereinbar

von Judit Hillemeyer
Freitag, 24. November 2006
Für die Mehrheit der berufstätigen Bundesbürger sind Job und Familie in Deutschland nur schwer vereinbar. Wichtigster Grund ist die mangelnde Kinderbetreuung. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das Marktforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des Software-Anbieters Webex durchgeführt hat.

Laut der Umfrage unter 1 600 erwerbstätigen Deutschen sind 86 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Job und Familie in Deutschland "eher schwierig" oder "sehr schwierig" vereinbaren lassen. Schuld daran sind nach ihrer Ansicht Politik und Wirtschaft.

So sind 80 Prozent der Umfrageteilnehmer, die nicht zu Hause arbeiten, der Überzeugung, ihr Arbeitgeber sei wenig flexibel und würde Heimarbeit erst gar nicht erlauben. Und 59 Prozent der Erwerbstätigen erwarten, dass Unternehmen Mitarbeitern mit Kindern auch in Zukunft nicht mehr entgegenkommen werden.

Auch gesetzlichen Regelungen stehen die Befragten skeptisch gegenüber. Dabei vertreten 58 Prozent der deutschen Erwerbstätigen die Meinung, die dreijährige Elternzeit erschwere den Wiedereinstieg von Frauen in das Berufsleben. 42 Prozent davon sind der Meinung, nach drei Jahren sei man zu lange aus dem Beruf heraus.

Trotzdem sind viele der Betroffenen gezwungen, die vollen drei Jahre in Anspruch zu nehmen, weil die Kinderbetreuung zu teuer ist oder schlicht fehlt. So ist denn auch die mangelnde Kinderbetreuung für nahezu jeden zweiten (47 Prozent) berufstätigen Bundesbürger der Hauptgrund für die Unvereinbarkeit von Job und Familie.

9 Prozent der Befragten müssen ihren geplanten Erziehungsurlaub sogar verlängern, weil die Betreuungsmöglichkeiten fehlen. Wie schwer sich Job und Familie vereinbaren lassen, zeigt auch, dass nur 15 Prozent der Befragten nach der Geburt ihres Kindes flexiblere Arbeitszeiten von ihrem Arbeitgeber zugestanden bekommen.

Nur eine verschwindend kleine Zahl von Arbeitnehmern mit Nachwuchs (4 Prozent) kann vom Home-Office aus arbeiten - und das, obwohl die Vorteile moderner Technologien wie Internet oder Webkonferenzen Arbeitgebern hinlänglich bekannt sind.

Jedenfalls ist die überwältigende Mehrheit der Befragten überzeugt, dass ihnen die neuen Technologien helfen würden, Arbeit und Familie besser zu vereinbaren. Mit 78 Prozent beweisen Frauen sogar mehr Technik-Affinität als Männer. (juh)

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