Deutsche verplempern ihr Potenzial

von Judit Hillemeyer
Freitag, 21. November 2008
Peter Ascher, Leiter der Proudfood Consulting
Peter Ascher, Leiter der Proudfood Consulting
Der Anteil verschwendeter Arbeitszeit ist weltweit auf über ein Drittel gestiegen. Hauptursachen sind schlechte Führung und mangelnde Kommunikation, analysiert eine globale Produktivitätsstudie von Proudfoot Consulting.



"Deutsche Manager sitzen immer noch im Elfenbeinturm. Sie verschenken dadurch die Hälfte des Produktivitätspotenzials der eigenen Firmen," sagt Peter Ascher, Deutschland-Chef von Proudfoot. 2007 sank die weltweite Produktivität gegenüber dem Vorjahr von 67,9 auf 65,7 Prozent. In Deutschland liegt der Anteil produktiver Zeit bei nur 59,8 Prozent. Das heißt: In deutschen Unternehmen werden zwei Arbeitstage pro Woche unproduktiv verbracht.

Nur noch Südafrikas Unternehmen schneiden schlechter ab. Eine realistische Produktivitätseinschätzung liegt bei 80 bis 85 Prozent, erläutert Ascher. Die achte "Globale Produktivitätsstudie" der Unternehmensberatung beruht auf einer internationalen Umfrage unter mehr als 1000 Führungskräften. Die Produktivität wurde anhand des Quotienten aus Umsatz und Personalaufwand gemessen.

Angesichts der Finanzkrise und einer möglichen Rezession sieht Ascher die Unternehmen vor einer großen Herausforderung: "Das Potenzial ist da, aber es muss so schnell wie möglich gehoben werden, damit die Unternehmen auf dem bewegten Markt flexibel und handlungsfähig sind."

Die Führungskräfte in Deutschland werden nach eigener Schätzung nur 57 Prozent der möglichen Produktivitätsgewinne erreichen. In China, Brasilien, Indien und Russland werden die Manager deutlich über 80 Prozent des Potenzials nutzen.

Die Probleme sind hausgemacht. Die Gründe für verschwendete Arbeitszeit liegen zum größten Teil in den Unternehmen selbst. Es sind Mängel in der Führung, der Mitarbeiterqualifikation sowie der Kommunikation. "Deutsche kommunizieren miserabel. Schweigen gilt als ein unausgesprochenes Lob. Sie delegieren zudem schlecht", so Ascher. Außerdem schlägt der Fachkräftemangel bereits auf die Produktivität durch. Auf Liquidität und Produktivität müsse in Deutschland besonders die Lebensmittelbranche achten, um in der Rezension auf Reserven zurückgreifen zu können.

Viele Unternehmen haben die Bedeutung von Führungskräfte- und Mitarbeiterentwicklung erkannt. Rund 80 Prozent wollen hier investieren. Dagegen sehen nur 58 Prozent IT-Investitionen als Lösung.

Gerade deutsche Führungskräfte kommen weltweit am seltensten in den Genuss von Schulungen. Nur 5,4 Tage pro Jahr bilden sie sich auf Schulungen weiter, das ist in etwa halb so viel wie der internationale Durchschnitt. "Training, Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung sind wichtige Ansatzpunkte.

Um schnell, aber auch nachhaltig Produktivitätssteigerungen zu etablieren, müssen Unternehmen mehr tun: Sie müssen eine Produktivitätskultur etablieren" rät Ascher. Dieses Konzept werde in den Unternehmen verstärkt angenommen: weltweit wollen 56 Prozent der Unternehmen ein Change-Programm umsetzen. (juh)

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