Die Chemie muss stimmen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 11. Februar 2005
Bewerber werden nicht nach rein fachlichem Können ausgewählt - auch nicht bei Diageo. Für den Spirituosenhändler muss die Chemie stimmen. Um grundsätzlich ein harmonisches Arbeitsklima zu gestalten, zieht die deutsche Vertriebsgesellschaft auch cross-funktionale Mitarbeiter mit in den Rekrutierungsprozess ein.

"Ich will mit Leuten zusammenarbeiten, die Veränderungen positiv ansehen," sagt Uwe Schneider, Diageo-Geschäftsführer in Rüdesheim. Funktionales Wissen sei eine Grundvoraussetzung, die jedoch Hand in Hand mit einer bestimmten Persönlichkeit gehen sollte.

Fachliches Können ist aus den Bewerbungsunterlagen ersichtlich. Schwieriger wird die persönliche Beurteilung von Bewerbungskandidaten. Gefragt sind bei Diageo Offenheit, Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Ziel ist es, den passenden Kandidaten zu finden.

"Unsere Mitarbeiter sind im Schnitt neun Jahre bei Diageo Deutschland beschäftigt", sagt Schneider, trotz aller Veränderungsprozesse, die das Unternehmen seit 1989 erlebt hat.

Die britische Muttergesellschaft Diageo plc London ist ein international führendes Unternehmen und bietet Spirituosen, Bier, Wein und alkoholische Mixgetränken an. Die deutsche Niederlassung entstand aus der Verschmelzung der Asbach GmbH mit "Weltmarken", Wiesbaden. Am Standort Rüdesheim wird das Spirituosen- und Biergeschäft der Briten gebündelt.

Gefragte Persönlichkeit

Der Entscheidungsprozess bei Stellenbesetzungen ist bei der Rüdesheimer Gesellschaft auf mehrere Stufen und Schultern verteilt. Im ersten Gespräch stehe die Persönlichkeit des Kandidaten im Vordergrund, so der Geschäftsführer.

Im zweiten Gespräch greift der Spirituosenvertreiber zu cross-funktionalen Interviews - Kollegen aus angrenzenden Abteilungen unterhalten sich mit dem Stellenbewerber. So suchen Mitarbeiter aus dem Bereich Logistik und dem Marketing ein Gespräch mit dem Kandidaten.

Diese Interviews werden nicht vom Vorgesetzten oder HR-Manager gestaltet. "Kollegen aus anderen Abteilungen haben häufig einen eigenen Blick", findet Schneider. Sie lernen Kandidaten aus einer anderen Perspektive kennen.

Im darauffolgenden Schritt findet ein Einzelgespräch mit einem externen Psychologen statt. Durch diesen Prozess sind alle gegangen, Mitarbeiter ebenso wie Führungskräfte. "Dabei wollen wir niemanden gut oder schlecht beurteilen, sondern schauen, ob er zu uns passt."

Rekrutiert wird an Universitäten. Im Kern werden Dipolmanden bei ihren Examensarbeiten unterstützt. Vergeben werden auch sechsmonatige Praktikumsplätze. Diese Absolventen können zum engeren Bewerberkreis gehören, so Schneider.

Interne Stellenbesetzung

Der Staat Irland vergibt außerdem Stipendien an irische Studenten, die Berufserfahrungen im Ausland sammeln wollen. "Aus diesem Kreis haben wir bereits sehr gute Leute rekrutiert", so der Geschäftsführer.

Der berufliche Auslandsaufenthalt läuft in der Regel zwei Jahre - eine Phase, in der sich die Mitarbeiter gut einarbeiten. So wurden bislang sechs Iren in Deutschland fest angestellt. Insgesamt sind bei dem Unternehmen Mitarbeiter aus zehn verschiedenen Nationen beschäftigt.

Vakanzen werden bei Diageo auch intern besetzt. Dabei können neue berufliche Perspektiven auf dem Plan stehen. Schneider berichtet von der HR-Direktorin, die zuvor als Marketingmanagerin arbeitete. "Das sind nicht nur persönlich bereichernde, sondern auch interessante Erfahrungen für das Unternehmen." Vor allem bei Rekrutierungsgesprächen sei das hilfreich.

Prinzipiell geschehe diese Art des Positionswechsels nur auf eigenen Wunsch. Ein Erfolg müsse sich für beide Seiten, Mitarbeiter und Unternehmen, abzeichnen. Spezifische Karriereentwicklungspläne werden bei Diageo jedoch nur limitiert für High Potentials erstellt.

(juh)

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