Interview "Die Azubi-Suche im Handel wird deutlich schwieriger"

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 14. August 2014
In diesen Wochen startet das neue Ausbildungsjahr. Der Handel hat teilweise massive Probleme bei der Besetzung seiner Lehrstellen. Und das, obwohl die Unternehmen alle Register ziehen, um sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. HDE-Geschäftsführer Wilfried Malcher rechnet zum Ende der Einstellungsperiode mit Vakanzen im fünfstelligen Bereich.
Herr Malcher, wie ist die Lage am Ausbildungsmarkt?

Für die Unternehmen ist die Besetzung ihrer Ausbildungsplätze deutlich schwieriger geworden. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit, wonach Ende Juli noch rund 23.000 Stellen in den Kernberufen des Einzelhandels – Verkäufer sowie Einzelhandelskaufmann – nicht besetzt waren. Das sind etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr.





 

Ist das Recruiting-Problem im Handel größer als in anderen Branchen?

Dieser Zuwachs geht deutlich über den der Gesamtwirtschaft bei den nicht besetzten Stellen hinaus und ist ein Signal dafür, dass der Handel 2014 deutliche Probleme haben wird, um für seine Ausbildungsplätze Bewerber zu finden. Vor allem im Süden der Republik spitzt sich die Lage zu – da muss man die potenziellen Lehrlinge fast schon "mit dem Lasso einfangen".



 

Worauf führen Sie das zurück?

Viele Jugendliche verspüren den Drang, über das Abitur den vermeintlichen Königsweg "Studium" zu wählen. Sie berücksichtigen dabei oft nicht, dass fast ein Drittel aller Studienanfänger ihr Studium abbricht – vor allem in den wichtigen MINT-Fächern. Offensichtlich findet in den Schulen, insbesondere an den Gymnasien, noch immer keine ausreichende und adäquate Berufsorientierung statt.



 

Was können die Händler tun um gegenzusteuern?

Die Unternehmen sind doch schon schwer aktiv. Viele haben Schulpartnerschaften ins Leben gerufen, gehen in die Schulen und informieren die Jugendlichen dort über Ausbildungs-, Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten. Auch auf Ausbildungsmessen und anderen Recruiting-Veranstaltungen sowie in den sozialen Medien ist die Branche gut vertreten. Mit anderen Worten: Ohne all diese Aktivitäten wäre die Lage noch weitaus dramatischer.



 

Warum haben viele Unternehmen trotzdem schlechte Karten bei den Youngsters?

Die Konkurrenz um kaufmännische Auszubildende im Dienstleistungsbereich ist heftig. Im Vergleich zu Banken und Versicherungen beispielsweise hat der Handel einen schweren Stand. Und das, obwohl er gerade mit seinen Abiturientenprogrammen, guten Fortbildungsangeboten und besten Karriereperspektiven bis in die Top-Etage hinein deutlich mehr bietet als manch andere Branche.



 

Mit wie vielen verbleibenden Azubi-Vakanzen rechnen Sie?

Ich denke, dass diese sich bis Ende September um die Hälfte verringern werden. Aber die Zahl wird auf jeden Fall über der des Vorjahres im fünfstelligen Bereich liegen.

(cd)

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