Interview "Die Qualität der Bewerber sinkt"

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 14. August 2014
Ausbildungsfachmann: Benjamin Brähler
Tegut
Ausbildungsfachmann: Benjamin Brähler
Auch Tegut befürchtet, in diesem Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen zu können. Benjamin Brähler, Teamleiter Ausbildung, schildert die Lage bei dem regionalen Filialisten.




Herr Brähler, wie stellt sich die Azubi-Situation zu Beginn des neuen Lehrjahres bei Tegut dar?

Aktuell bilden wir 784 Lernende in elf verschiedenen Ausbildungsberufen und Studiengängen aus. In diesem Jahr bieten wir rund zehn Prozent mehr Ausbildungsplätze an als 2013. Unser Ziel ist es, rund 320 Lernende zu gewinnen. Zurzeit sind an verschiedenen Standorten noch einige "Last-Minute-Plätze" zu vergeben. Wir gehen wie schon in den vergangenen Jahren davon aus, dass wir nicht alle Plätze besetzen können.



Woran liegt das?

Zum einen gibt es hinsichtlich der Wohnorte der Bewerber und unseren Ausbildungsstandorten keine Passung. Zum anderen sind teilweise keine geeigneten Kandidaten für unsere Ausschreibungen vorhanden. Wir erwarten im Laufe der kommenden Wochen aber weitere Bewerbungen.



Wie machen sich die doppelten Abiturjahrgänge durch G8 und G9 bemerkbar?

Die hohe Studierneigung hält weiter an, und so haben wir im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht überdurchschnittlich von den doppelten Abiturjahrgängen profitieren können. Aus der Gruppe der Studienabbrecher hingegen kommen deutlich mehr Bewerber.



Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität der Bewerber?

Die Qualität sinkt von Jahr zu Jahr. Wir verzeichnen seit mehreren Jahren einen Leistungsrückgang in nahezu allen Kompetenzbereichen. Dabei geht die Schere zwischen sehr guten und schwächeren Bewerbern immer weiter auseinander.



 

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten vermissen Sie besonders?

Im persönlichen Bereich wünschen wir uns vor allem beim Thema Verbindlichkeit und Selbstorganisation wieder mehr Verlässlichkeit. Viele Bewerber gehen mit der Einstellung ran, dass alles, auch die Wahl des Berufes, noch in letzter Sekunde zu- oder abgesagt werden kann. Dies stellt Betriebe und Berufsschulen organisatorisch vor große Herausforderungen.



Was tun Sie, um Mängel auszugleichen?

Intern bieten wir mit gezielter Prüfungsvorbereitung Unterstützung an. Fallweise setzen wir Entwicklungsmaßnahmen ein, um einzelne Lernende zu unterstützen. Darüber hinaus wollen wir das Thema "Betreuung" in den kommenden Jahren deutlich ausbauen.



Machen sich die veränderten Werte der "Generation Y" auch bei Azubis bemerkbar?

Manche Bewerber bringen einen ausgearbeiteten Fragenkatalog zum Vorstellungsgespräch mit. Wir werten das als Interesse an unserem Unternehmen und dem Beruf. Viele haben eine große Portion Selbstbewusstsein und wissen, dass sie als junge Menschen bereits zum "knappen Gut" gehören. Fragen nach persönlichen Perspektiven und dem, was das Unternehmen bieten kann, sind keine Seltenheit mehr und auch nur zu selbstverständlich.

(cd)

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