Mitarbeitersuche Discount wirbt mit Geld und Sicherheit

von Redaktion LZ
Donnerstag, 04. Dezember 2014
Heimspiel am Rhein: Auf ihrer Fläche zeigt die Rewe Group alle Facetten des Handels- und Touristikkonzerns.
Heimspiel am Rhein: Auf ihrer Fläche zeigt die Rewe Group alle Facetten des Handels- und Touristikkonzerns.
Auf dem Absolventenkongress in Köln zeigte der Lebensmittelhandel in diesem Jahr wieder massiv Präsenz. Vor allem die Discounter nutzten Deutschlands größte Jobmesse, um für ihre Arbeitgeberqualitäten zu werben.
Aldi Süd, Lidl, Kaufland: Wer sich für die drei Discount-Flaggschiffe interessiert, muss in Halle 8 des Kölner Messegeländes keine weiten Wege zurücklegen. Mit ihren repräsentativen Ständen sind die drei Unternehmen unmittelbare Nachbarn beim Absolventenkongress.

Kaufland verspricht "Traumjobs" in seinem ganz in rot gehaltenen Ambiente, Aldi wirbt mit "Verantwortung statt Vorurteilen", und bei Lidl sollen sich nicht nur Angebote, sondern auch Einstiegschancen für Akademiker lohnen.

Zu den Stammgästen zählt auch die Rewe Group mit einem voluminösen Stand. Globus dagegen hat nur wenige Quadratmeter angemietet. Für die St. Wendeler ist es der erste Auftritt bei Deutschlands größter Jobmesse. "Noch bekommen wir genügend Bewerber.

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Aber wir müssen etwas dafür tun, dass dies so bleibt", begründet der für Mitarbeiter zuständige Geschäftsführer Olaf Schomaker das Engagement seines Unternehmens. Er lässt es sich nicht nehmen, den Interessenten am Stand persönlich Rede und Antwort zu stehen. Schon nach wenigen Stunden verzeichnet er "viele interessante Gespräche und Kontakte". Nächstes Jahr will er mehr Standpersonal mitbringen und eine größere Fläche mieten.

Für Fachvorträge und Unternehmenspräsentationen schickt der Handel hochkarätige Manager ins Rennen. Beispiel Rewe Group: Vorstand Lionel Souque schildert die Herausforderungen der digitalen Welt und die Jobchancen, die die Kölner in diesem Bereich geschaffen haben.

Kein Händler könne es sich leisten, das Online-Geschäft zu ignorieren, so seine Botschaft – selbst wenn das Geschäft mit E-Food hierzulande bekanntermaßen schwierig sei. "Ich kannibalisiere mich lieber ein bisschen, als dass ich ganz gefressen werde", bringt Souque es auf den Punkt.

Dennis Kollmann, Geschäftsführer Einkauf Marke bei Lidl, rührt die Werbetrommel für die internationale Beschaffung im Neckarsulmer Discount-Imperium. "Der Einkäufer ist bei uns ein Generalunternehmer", beschreibt er den großen Gestaltungsspielraum.

Geballte Discountmacht: Lidl, Kaufland und Aldi Süd buhlen um Bewerber. Die Absolventen zeigen reges Interesse.
C. Düthmann
Langeweile sei ein Fremdwort in dem Job. Lidl-Einkäufer seien derart begeistert von ihren Produkten, "dass sie sich gar nicht von ihnen losreißen können und sogar nachts davon träumen". Was einige der Zuhörer mit einem Schmunzeln quittieren.

Auffallend viele Referenten unterstreichen in diesem Jahr die Sicherheit von Handelsjobs. Dass Absolventen von heute auf diesen Aspekt besonders großen Wert legen, hat sich in der Branche offensichtlich herumgesprochen.

"Wir bieten Ihnen ein unbefristetes und krisensicheres Arbeitsverhältnis und die Sozialleistungen eines Großkonzerns", verspricht Lidl-Manager Kollmann. Der für Personalentwicklung verantwortliche Kaufland-Geschäftsbereichsleiter Norbert Dörschner bringt dieses Argument ebenfalls an.

Auch bei den formalen Kriterien ist er sich mit seinem Lidl-Kollegen einig. "Ob Bachelor oder Master, das spielt für den Einstieg bei uns keine Rolle."

Werbewirksam erscheint den Vortragenden überdies das hohe Einstiegsgehalt im Discount. "Im Branchenvergleich werden Sie bei uns von Anfang an sehr gut bezahlt – plus Firmenwagen", heißt es bei Lidl. Personalexperte Dörschner lockt das Auditorium mit 52.000 Euro: So hoch ist das Kaufland Management Programm dotiert.

Henning Hutmacher, Geschäftsführer der Aldi-Süd-Regionalgesellschaft Sankt Augustin, wird noch deutlicher und nennt bereits die ab 1. Januar 2015 geltenden Gehälter für die akademische Einstiegsposition "Regionalverkaufsleiter" (65.000 Euro) sowie duale Master-Studenten in Zusammenarbeit mit der ESB Business School Reutlingen (39.000 Euro). Wer das Unternehmen in einem vierwöchigen Praktikum kennenlernt, erhält 950 Euro.

Neuzugang: Globus präsentiert sich erstmals mit einem Stand. Personalchef Olaf Schomaker ist mit der Resonanz zufrieden.
Alle drei Discounter rekrutieren den überwiegenden Teil ihrer Führungskräfte aus den eigenen Reihen. Bei Aldi-Süd stammen sogar alle Manager "aus dem Pool der Regionalverkaufsleiter", sagt Hutmacher. Die wenigsten springen während der Einarbeitung ab.

Und wenn, dann liege das meist an falschen Erwartungen der Kandidaten. "Der Handel ist kein 9-bis-17-Uhr-Job mit 37 Wochenstunden", so der Manager. Im Durchschnitt komme man auf eine Arbeitszeit von 50 Stunden pro Woche – und müsse gerade in der ersten Zeit auch mal mit einer Sechs-Tage-Woche rechnen.

Was denn aus den vielen Einsteigern bei Aldi Süd werde, die nicht Chef werden, will ein Zuhörer wissen. Schließlich seien die Hierarchien im Handel flach, und an der Spitze gebe es ja nicht für alle Platz. Man könne durchaus auch auf dem Job bleiben, antwortet Hutmacher. "In der Endstufe verdient ein Regionalverkaufsleiter bei uns 110.000 Euro."

(C. Düthmann)

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