Diversity In Dreamteams gehören Alt und Jung

von Julia Wittenhagen
Freitag, 23. Juni 2017
Interaktive Ausstellung: Mercedes-Benz lädt dazu ein, eigene Potentiale zu entdecken und sich in keine Schublade stecken zu lassen.
Daimler AG
Interaktive Ausstellung: Mercedes-Benz lädt dazu ein, eigene Potentiale zu entdecken und sich in keine Schublade stecken zu lassen.
Das Demographie Netzwerk und Mercedes-Benz öffnen den Blick für erfolgreiches Generationenmanagement mit einer Veranstaltung in Stuttgart.

Mit geänderter Wortwahl und Einstellung fangen viele Paradigmenwechsel an. "Unsere Mitarbeiter haben das Durchschnittsalter von Julia Roberts", brachte Heino Niederhausen, Personalleiter im Mercedes-Benz-Werk Bremen, als Beispiel für eine positive Herangehensweise an ein Durchschnittsalter von 48 Jahren. Gleichzeitig räumte er ein, dass die derzeit 67 Sekunden Montagezeit pro Auto mit einer immer älter werdenden Belegschaft schwer zu halten sein werden. "Wir lassen jedes Jahr aufs Neue die Personaldaten für die Zehn-Jahres-Planung durchlaufen", sagte er. Das öffne einem die Augen für die zukünftigen Mitarbeiterressourcen.

Der Autokonzern war nicht ohne Grund Gastgeber der Veranstaltung "Generationenbilder und Digitalisierung" in Kooperation mit dem Demographie-Netzwerk (ddn): Konzernweit sensibilisiert derzeit das Programm "YES - young and experienced = successful" 2 050 Führungskräfte dafür, wie man dem demographischen Faktor bei der Personal- und Karriereplanung, bei Teamaufbau und Wissensvermittlung Rechnung trägt. Niederhausen ist Projektleiter. Ziel ist es, die faktische Diskriminierung älterer Mitarbeiter bei Trainings, Beförderungen und Bewertungen zu beenden. Schließlich hängen weder Kreativität noch Leistungskraft vom Alter ab, konnte Jan Oltmanns, ebenfalls Mercedes-Benz, aus der Wissenschaft berichten.

Die öffentliche Begleitausstellung "EY Alter", die bis Ende Juni noch im Mercedes-Benz Museum Stuttgart läuft, dann in Berlin, hat das Ziel, bewusst zu machen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Stärken und Schwächen haben, die sich im Team ergänzen.

Handdruck testen: Muss mit 50 Jahren nicht schlechter als mit 20 sein.
Daimler AG
Handdruck testen: Muss mit 50 Jahren nicht schlechter als mit 20 sein.

Zu den Besuchern der Veranstaltung gehörte Rewe-Personaler Herrmann Josef Schmitt. Auch er sieht Handlungsbedarf im Demographiemanagement. Schließlich habe er im Logistikbereich schon vor fünf Jahren vorgerechnet, welche Personallücken sich auftun, wenn bestimmte Jahrgänge das Rentenalter erreichen. "Es fehlt an Nachwuchs etwa bei den LKW-Fahrern, die wir früher bei der Bundeswehr rekrutiert haben." Daher müsse man Rahmenbedingungen schaffen für altersgerechtes Arbeiten und neue Maßnahmen anbieten wie das Arbeiten jenseits der 67. "70-Jährige sind aus der Familienphase raus und ergänzen daher super jüngere Kollegen, die am Wochenende unbedingt bei ihren Kindern sein wollen", nannte er als Beispiel. Im Rahmen der Veranstaltung präsentierte die "Initiative neue Qualität der Arbeit" den rund 150 Besuchern ihre Angebote zur Hilfestellung: Mit dem INQA-Check Diversity können Unternehmen ihren Umgang mit Diversity analysieren, Handlungsbedarf erkennen und mit Hilfe vieler Informationen, Methoden und Praxisbeispielen Verbesserungen anstoßen. Das INQA-Projekt "SoViel" zielt darauf ab, unterschiedlichste Hintergründe innerhalb der Belegschaft produktiv nutzen zu lernen und Diversity strategisch im Unternehmen zu verankern. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollen hier Anregung und Gelegenheit zum Austausch mit anderen Betrieben bekommen.

"Noch nie haben sich Mitarbeitergenerationen so stark unterschieden wie heute", räumte Rudolf Kast von INQA/ddn ein. Darauf könne man sich mit individualisierbaren Arbeitszeiten, Lernformen und Gesundheitsprogrammen einstellen.

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