Online-Handel E-Commerce-Kaufmann als neuer Beruf

von Redaktion LZ
Donnerstag, 18. Juni 2015
Schnittstelle online-offline: Die Kunden bestellen im Internet bei Rewe-Drive. Mitarbeiter des Marktes kommissionieren die Ware im Markt.
Thomas Fedra
Schnittstelle online-offline: Die Kunden bestellen im Internet bei Rewe-Drive. Mitarbeiter des Marktes kommissionieren die Ware im Markt.
LZnet/Silke Biester. Der Boom des Online-Verkaufs sorgt im Handel für neue Aufgaben. Die Branche will die zusätzlichen Anforderungen in der Ausbildung verankern. Neben einem speziellen Beruf zum Kaufmann für E-Commerce und einer Aufstiegsfortbildung soll es ein neues Wahlfach auch für klassische Kaufleute geben.
In der kaufmännischen Ausbildung findet sich die rasante Veränderung des Einkaufsverhaltens bisher nicht wieder. Virtuelle Shops werden größtenteils von akademisch qualifizierten Mitarbeitern entwickelt und gepflegt. Doch das soll sich bald ändern. Personalverantwortliche der Branche wünschen sich eine duale Berufsausbildung mit kaufmännischem Basiswissen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat jüngst ein Konzept vorgelegt.

Positive Reaktionen aus dem Handel

Bei Galeria Kaufhof wird der Vorschlag begrüßt: "Als Multichannel-Warenhaus stellen wir in der beruflichen Praxis fest, wie sehr sich die Anforderungen durch neue Technik und Medien verändert haben", erläutert Theodora Franke, Abteilungsleiterin Berufsausbildung. Auch die Bedürfnisse der Kunden, die verstärkt online einkaufen, seien häufig andere als die der Filialkunden. "Bisher bildet dies kein bestehendes Berufsbild ganzheitlich ab", kritisiert Franke.

"Dieser Beruf ist längst überfällig", urteilt Nicole Heinrich, Leiterin Ausbildung und Personalmarketing bei Otto. Sie würde die ersten Azubis "am liebsten sofort" einstellen. "Um die Digitalisierung weiter voranzubringen, ist der neue Ausbildungsberuf ein wichtiger Meilenstein." Einsatzbereiche für die neuen Fachkräfte sieht sie etwa im Shop-Management, im Online-Marketing und in den Category-Einkaufsbereichen.

 

Auch Hannelie Bohnes drängt: "Wir können uns nicht mehr zwanzig Jahre Zeit lassen, um die Ausbildungsinhalte zu aktualisieren", stellt de Hauptabteilungsleiterin Personalentwicklung bei Real klar. "Mein Wunsch wäre es, dass wir 2017 Azubis zum E-Commerce-Kaufmann einstellen können."

Wahlqualifikation für Kaufleute

Da der Online-Verkauf bei Food noch eine kleinere Rolle spielt, ist das Interesse an dem neuen Beruf im LEH etwas geringer. Doch auch hier wird zusätzliche Kompetenz gefordert. Die Schnittstelle zwischen online und offline kann mitten im Markt stattfinden und von den Mitarbeitern auf der Fläche bearbeitet werden.

"Bei Real kommen die Online-Bestellungen unserer Kunden in den vier sogenannten Master-Stores an", beschreibt Bohnes den Ablauf bei Real. Von diesen Drehkreuzen beliefert das SB-Warenhaus bundesweit die Kunden. "Deshalb brauchen wir auch eine Wahlqualifikation E-Commerce in der Ausbildung für Kaufleute", findet Bohnes.

 

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterstützt den Plan. Es empfiehlt, die Wahlqualifikation "IT-Anwendungen" zu überarbeiten und neu zu profilieren. Das soll "die Anschlussfähigkeit im Umfeld des Einzelhandels verbessern", heißt es im Abschlussbericht zur Neuordnung des Berufs Kaufmann im Einzelhandel. "Dabei sollte der Technikaspekt zugunsten einer stärkeren Ausrichtung auf den E-Commerce vermindert werden." Davon verspricht man sich nicht zuletzt ein Imageplus.

Das Ausbildungsprofil Am Ende der Lehrzeit soll ein Kaufmann im E-Commerce laut HDE-Konzept folgendes können: ein Shopmanagementsystem betreiben und weiterentwickeln Shop-Bewirtschaftung Produktbilder und Wareninformation verkaufsfördernd präsentieren das Sortiment strukturieren den Wareneinkauf organisieren den Kundendialog pflegen inkl. Social-Media-Nutzung Retourenmanagement stützen Online-Marketing einsetzen und weiterentwickeln Sicherheit und Wirtschaftlichkeit von Bezahlsystemen beurteilen Instrumente des Controlling einsetzen und Verbesserungsvorschläge entwickeln den Auftritt von Wettbewerbern bewerten und Vorschläge für den eigenen Marktauftritt erarbeiten die Vernetzung der Funktionsbereiche entlang der Wertschöpfungskette berücksichtigen Verknüpfung von stationärem und Online-Handel berücksichtigen rechtliche Anforderung beachten Datenschutz und -Sicherheit beachten.



 

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