Virtuelle Didaktik erfordert ein Lernmanagement

von Redaktion LZ
Mittwoch, 14. April 2004
LZ|NET. Der Einsatz von elektronisch unterstütztem Lernen wird zu einem strategischen Instrument in der Personalentwicklung. Noch steckt das multimediale Instrument in den Kinderschuhen.



In einem Workshop auf der Fachmesse Learntec wurden die Erfolgsziele und Inhalte für die Integration des digitalen Wissenstransfers speziell für den Handel definiert.

Das elektronisch unterstützte Lernen am Arbeitsplatz wird zunehmend als Integrationsbestandteil modernen Bildungsmanagements diskutiert. Vorteil des digitalen Wissenstransfers ist seine Zeit- und Ortsunabhängigkeit.

Das System erlaubt es, Mitarbeiter an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Wissensständen gleichermaßen zu erreichen. Dabei dient die Lösung als Ergänzung zum herkömmlichen Schulungs- und Trainingsprogramm.

Voraussetzung für das E-Learning ist ein Management des Lernens. Es muss strategisch in das Bildungskonzept integriert werden.

Die Anforderungen an Technologie, Didaktik und Ökonomie diskutierten Vertreter aus dem Einzelhandel, aus Berufsschulen und Akademien sowie Softwarehäusern im - allerdings nur schwach besuchten - Arbeitskreis "E-Learning im Handel", der auf der diesjährigen Fachmesse "Learntec" in Karlsruhe stattfand.

Weniger verfügen über Erfahrungen

Bislang verfügen nur wenige Handelsunternehmen über Erfahrungen mit dem Einsatz des elektronischen Lernens. Das Potenzial dieses Mediums und seine Grenzen sind noch nicht ausgelotet. Kaiser's Tengelmann gehört zu den Einzelhandelsfilialisten, die bereits erste Gehversuche unternommen haben.

Seit wenigen Monaten unterrichtet der Filialist seine Auszubildenden ergänzend virtuell am Computer.

Auch Hugo Boss setzt auf elektronisches Lernen und installierte das Online-Projekt "University" für seine Mitarbeiter. Das System versteht sich als Blending Learning.

Neben den Präsenzseminaren könne sich jeder Mitarbeiter online Kompetenz und Wissen in den Bereichen Marketing, Produkte und Verkauf erarbeiten.

Ein solches Projekt sollte an erster Stelle in die Bildungs- und Unternehmensstrategie integriert werden. Diesen ersten Schritt "versäumen 90 bis 95 Prozent der Unternehmen, die sich mit dem E-Learning beschäftigen", so Moderator Prof. Peter Bosch vom Center of Competence in Ramsen.

Seiner Ansicht nach wird auf Grund einer fehlenden Bildungsstrategie unnötig Geld "verschleudert". Dass die Unterstützung der Geschäftsleitung unerlässlich sei, bestätigte Michael Brand, zuständig für das E-Learning und Fachtrainer in der Personalentwicklung bei Kaiser's Tengelmann.

Qualifizierung steht im Vordergrund

Ohne das Ziel einer "Optimierung der Trainingskosten" aus den Augen zu verlieren, stand für das Handelshaus vor allem die Qualifizierung der Mitarbeiter im Vordergrund.

Kaiser's Tengelmann hat in seinen 739 Filialen Computer installiert - auf einen Internetzugang jedoch verzichtet, deshalb schied eine Online-Plattform aus. Gewählt wurde die CD-ROM als Medium.

Um Akzeptanz bei den Mitarbeitern herzustellen, sollten die Zielgruppe, Ausbilder und Trainer sowie das Softwarehaus frühzeitig in das Projekt integriert werden. Ziel müsse es sein, so die Diskutierenden, das elektronische Lernen als integralen Bestandteil einer Bildungsoffensive zu verstehen und zu nutzen.

Vor Projektstart müssen Lernziele sowie ein didaktisches und ein methodisches Konzept erarbeitet werden. Bei der didaktischen Umsetzung sollte die Darstellung unterhaltsam und praxisnah sein. Eine doppelte Lernkontrolle sei unverzichtbar, hieß es.

Zum einen sollten die Lernenden ihre eigenen Lernerfolge messen können, zum anderen müsse die Personalabteilung Zugriff auf das absolvierte Arbeitspensum erhalten. Hier sollte es nicht versäumt werden, den Betriebsrat in das Prozedere zu involvieren.

Bosch riet den Teilnehmern, grundsätzlich mit kleinen überschaubaren Projekten zu beginnen. Im LEH biete sich beispielsweise der Frischebereich an, denn durch den richtigen Umgang der Mitarbeiter mit der Ware könne der Warenverlust reduziert werden, was unmittelbar ökonomische Vorteile bringe.

Neben der Wirtschaftlichkeit solcher Projekte, sollte auch eine Qualitätskontrolle in dem Projekt fest verankert sein. Dabei forderten die Teilnehmer des Arbeitskreises, dass das System leicht verständlich und einfach zu bedienen sei. Trotzdem müsse, so Brand, intern geregelt sein, wer bei technischen Fragen ansprechbar ist.

Inhaltliche Änderungen müssen ohne Umwege in dem System vorgenommen werden können. Vor allem bei Händlern mit schnell wechselndem Sortiment sollte darauf bei der Systementwicklung geachtet werden.

Branchenlösung nicht geeignet

Unter dem Aspekt der vielschichtigen Anforderungen einzelner Handelsunternehmen kommt eine allgemeine Branchenlösung nicht in Frage, so ein weiteres Ergebnis des Arbeitskreises.

Dafür sind die Bedürfnisse der einzelnen Handelsunternehmen zu unterschiedlich, was am Beispiel des Themas Hygiene festgemacht wurde, welches nur für den LEH von Interesse ist. Die Vertreter von Systemhäusern, die an dem Workshop teilnahmen, regten jedoch einen Standard an, auf dessen Basis Branchenlösungen aufsetzen könnten.

Trotz zahlreicher technischer Möglichkeiten steckt die elektronische Fortbildung noch in den Anfängen. Vor allem im Bereich der Didaktik scheint es noch Nachholbedarf zu geben.

Obwohl die ersten Anfangsschwierigkeiten überwunden sind, zeigen Handelunternehmen sowie berufsbildende Schulen und Akademien Zurückhaltung beim Einsatz der elektronischen Lernhilfe. Marktanalysen deuten jedoch darauf hin, dass die Budgets für das E-Learning um mehr als 20 Prozent pro Jahr anwachsen werden.

Unter dieser Prämisse soll der Workshop "E-Learning im Handel" künftig als Branchentreff alljährlich auf der Learntec integriert werden.

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