Einheit in der Vielfalt

von Judit Hillemeyer
Freitag, 16. Februar 2007
Die Kölner European Retail Academy ist eine Alma Mater, die den wissenschaftlichen Austausch unter den Wirtschaftsinstituten europäischer Hochschulen nährt und fördert. Sie fungiert als Kontaktbörse zwischen derzeit 78 Lehrstühlen in 32 Ländern.



Obwohl das Beziehungsgeflecht der European Retail Academy (ERA) mittlerweile fünf Kontinente umspannt, liegt der Schwerpunkt eindeutig in Europa. Vor zwei Jahren rief Bernd Hallier, Geschäftsführer des EHI Retail Institutes, mit 21 Mitgliedern die Akademie ins Leben.

Die Initiative fungiert als Bindeglied zwischen Studenten, Hochschulabsolventen, Wissenschaftlern und Hochschullehrern. Thematisch steht die Handelspraxis und die institutionelle Forschung im Mittelpunkt aller Bemühungen.

"Ziel ist es, das Wissen um den globalisierten Handel zu fördern", sagt Hallier. In dieser Funktion hat die ERA eine Querschnittsaufgabe. "Wir suchen den interdisziplinären Austausch nach der Devise Einheit in der Vielfalt." Über die virtuelle Plattform können auch Handelsmanager mit Wissenschaftlern in einen direkten Dialog treten.

Mit der Einrichtung wird einerseits die Handelsforschung, die lange Zeit als betriebswirtschaftliches Stiefkind an den Hochschulen behandelt wurde, vorangetrieben und zum anderen der akademische Führungsnachwuchs besser auf die Anforderungen dieser internationalen Branche besser vorbereitet.

Während viele europäische Hochschulen eine ERA-Mitgliedschaft anstreben, tun sich die Praktiker, sprich die Handelsunternehmen, damit noch schwer. "Der große Durchbruch seitens des deutschen Einzelhandels ist bislang ausgeblieben", beklagt der ERA-Gründer, auch wenn es erste Ansätze gibt.

Als die Initiative 2005 zur Euroshop ins Leben gerufen wurde, nahmen viele Einzelhändler die Einrichtung mit Interesse zur Kenntnis, aber ein größeres Engagement blieb aus. "Dabei könnte ich derzeit ad hoc 20 Praktikanten im In- und Ausland vermitteln."

International agierende Einzelhandelsfilialisten haben Bedarf an hochqualifiziertem akademischem Nachwuchs. Dies bestätigte auch eine entsprechende Studie des EHI.

Als Arbeitgeber fordern sie eine fundierte theoretische Hochschulausbildung mit hohem Praxisbezug. Doch für letzteres brauchen Studenten und Hochschulabsolventen Übungsplätze. Natürlich bieten Handelsunternehmen und Discounter, neuerdings auch Aldi, Praktikantenplätze an. Sie suchen allerdings immer die Abgrenzung zum Wettbewerb.

Hallier versucht, Wissenschaftler und Handelsmanager zusammenzubringen, Gastprofessuren einzurichten und den Studentenaustausch zu fördern. Summercamps dienen dem informellen Gespräch, dem persönlichen Kennenlernen. Langfristig will der Initiator die European Retail Academy mit einem Kongress in die Fachmesse Euroshop integrieren. Weiterhin wirbt er um weitere Partnerschaften und Mäzene im In- und Ausland. "Es enttäuscht mich nicht, noch viel vorzuhaben." (juh)

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