EU-Kommissar plant neue Gesetze

von Redaktion LZ
Freitag, 27. Juli 2007
LZ|NET. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen verdienen deutsche Frauen in Europa besonders wenig. Das möchte die EU-Kommission künftig ändern.



Dass die Gehaltszettel von Männern und Frauen in gleichen Positionen unterschiedlich ausfallen, ist seit langem bekannt. Jetzt möchte Vladimir Spidla gegensteuern. Erste Gesetzesvorschläge könnten nächstes Jahr auf den Tisch kommen, kündigte der Brüsseler EU-Arbeitskommissar kürzlich an. Dabei beruft er sich auf das Europäische Gesetz, das seit 1957 die Gleichbehandlung und -bezahlung beider Geschlechter vorschreibt. Konkrete Schritte nannte Spidla jedoch vorerst nicht, stellte aber verschiedene Optionen in den Raum.

Eine Möglichkeit wäre etwa, vorbildliche Konzerne, die Frauen in der Bezahlung gleichstellten, durch ein Logo auszuzeichnen. Eine weitergehende könnte sein, einen verbindlichen Vaterschaftsurlaub einzuführen. Schließlich seien Frauen oft in schlechter bezahlten Funktionen tätig, weil Kinder ihre Karriere unterbrechen, wenn nicht sogar völlig stoppen. Darüber hinaus plant Spidla, die Arbeitnehmerinnen stärker über ihre Rechte zu informieren.

Bei seinen Ausführungen hat der Europa-Politiker vor allem Deutschland im Blick. Denn zwischen München und Flensburg ist das Lohngefälle besonders groß. Das untermauert die EU-Kommission mit einer eigenen Studie. Demnach verdienen deutsche Frauen pro Stunde durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das europäische Mittel liegt bei 15 Prozent. Nur in Zypern, Estland und der Slowakei stehen Frauen noch schlechter da. Dafür spielen diverse Gründe eine Rolle. Generell sind die Unterschiede in den Staaten besonders eklatant, wo die Frauenerwerbsquote wie in Deutschland niedrig ausfällt und weniger Vollzeit gearbeitet wird. Laut EU-Untersuchung ist hierzulande mit 45 Prozent die Teilzeitquote der weiblichen Beschäftigten - nach den Niederlanden - am höchsten.

Dies erklärt Spidla unter anderem mit häufigen Brüchen im Lebenslauf - nicht zuletzt durch die ungleiche Aufgabenverteilung bei Familien mit Kindern. Als Mütter verdienen Frauen deutlich weniger. So beträgt der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern in der Altersgruppe unter 30 Jahren gerade mal 7 Prozent. Dagegen ist die Differenz bei 30- bis 39-Jährigen dreimal so hoch.

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