Edeka entdeckt Ältere als Azubis

von Redaktion LZ
Freitag, 20. Mai 2011
Motiviert: Das Wir-Gefühl unter den Senior-Azubis stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen.
K & U
Motiviert: Das Wir-Gefühl unter den Senior-Azubis stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen.
LZnet. Als Antwort auf den demografischen Wandel bilden die K&U-Bäckereien gezielt ältere Mitarbeiter aus. 2010 startete eine Klasse mit 22 Personen.
In einer Filiale der K&U-Bäckerei stehen Mutter und Sohn gemeinsam an der Verkaufstheke. Auch in der Berufsschule tauschen Sie sich aus. Beide sind Azubis. Im Sommer 2012 werden sie gemeinsam den Abschluss zum "Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk" machen.

Der Sohn allerdings hat dann drei Jahre Lehrzeit hinter sich, während die Mutter bereits nach zwei Jahren die Prüfung abgelegt. Sie hatte als ungelernte Mitarbeiterin bereits praktische Erfahrung, die ihr bei der späten Ausbildung zugutekommt.

Im Oktober vergangenen Jahres hat K&U erstmals eine Klasse Auszubildende im Alter bis zu 53 Jahren aus der Region zusammengeholt und wochenweise im Wohnheim der eigenen Akademie in Emmendingen einquartiert. Das Pilotprojekt findet in Kooperation mit der Berufschule Kehl statt.

Kooperation mit Berufsschule Kehl

Es basiert auf dem neuen Ausbildungskonzept für Erwachsene des Bundesinstituts für Berufsbildung. Bei jedem Teilnehmer wurde vorab der Wissenstand geprüft und mit dem komprimierten Ausbildungslehrplan abgeglichen.

"Durch die Anwesenheit der Senior-Azubis wurden auch die Junioren positiv beeinflusst", stellt Winfried Fletschinger, Leiter Marketing und Vertrieb bei der K&U-Bäckerei, fest. Er beschreibt ein rücksichtsvolles soziales Miteinander und einen augenzwinkernden Wettbewerb der Generationen um die besten Noten. Auffällig sei darüber hinaus die hohe Motivation der älteren Azubis, die das gesamte Team anstecke.

Qualifizierung sichert Fachkräfte im Handel

Qualifizierung sichert Fachkräfte im Handel

2025 werden voraussichtlich 6,5 Millionen weniger erwerbsfähige Menschen für den deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Insbesondere die Zahl der Jungendlichen könnte sich in manchen Regionen sogar halbieren, zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Das Potenzial für künftige Auszubildende sinkt dramatisch.

Die Bundesregierung diskutiert aktuell unter anderem, inwiefern der Bedarf verstärkt durch Ältere gedeckt werden kann. Dazu gehört auch die späte Qualifizierung. Wilfried Malcher vom Handelsverband Deutschland (HDE) sieht darin für den Handel eine Chance, langfristig dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. "Der Ansatz ist neu und zukunftsweisend", sagt der Branchenkenner. "Er wird die Personalstrategien der Branche zunehmend beeinflussen."


Ihnen winkt nach bestandener Prüfung eine tarifliche Eingruppierung als gelernte Kraft und damit ein besseres Gehalt. Abgesehen davon investiert der Arbeitgeber in die Ausbildung durch Ausfallkosten während der Berufschulzeit.

Investition in die Zukunft

"Um den langfristigen Erfolg des Unternehmens gewährleisten zu können, benötigen wir unabhängig vom Alter motivierte und qualifizierte Mitarbeiter mit einer starken Identifikation zu Beruf und Unternehmen", benennt Fletschinger die Beweggründe seines Hauses.

Für K&U steht fest, dass das Konzept fortgeführt und erweitert wird: Im Herbst gehen zwei weitere Senior-Klassen an den Start. Die späte Qualifikation soll zudem auch für Bäcker und Konditoren umgesetzt werden. Im Mutterunternehmen wird das Projekt mit großem Interesse beobachtet.

Personalchefin Susanne Pfunder denkt bereits darüber nach, wie sich der Ansatz erfolgreich auf das Ausbildungskonzept der Edeka Südwest übertragen lässt.

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