Streik bei Edeka hinterlässt Spuren

von Jan Mende
Freitag, 27. Mai 2011
Nach einem turbulenten Streik läuft die Belieferung bei Edeka Nordbayern wieder geregelt ab. Edeka und die Gewerkschaft Verdi haben sich geeinigt. Der Kompromiss geht über die vereinbarten Tariferhöhungen hinaus.
Der heftige Streik in den Lagern der Edeka-Großhandlung Nordbayern wurde nach fünf Tagen beendet, der Warenfluss ist seit Anfang der Woche wieder hergestellt. Die Gewerkschaft Verdi und Edeka haben sich auf einen Zuschlag von 15 Euro auf die für Bayern und Sachsen noch zu vereinbarenden Großhandelstarife geeinigt.

Bis zum Abschluss der Tarifverhandlungen werden die 15 Euro zunächst auf jene 3 Prozent Plus aufgeschlagen, auf die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Baden-Württemberg geeinigt haben. Ursprünglich hatten die Beschäftigten der Edeka-Großhandlung Nordbayern eine Erhöhung von 3 Prozent plus 55 Euro gefordert.

Die Arbeitnehmerseite fühlt sich dennoch als Gewinner des Konflikts. Im Durchschnitt bekämen die in den fünf Lagern der Regionalgesellschaft Beschäftigten nun 3,8 Prozent mehr, sagt ein führender Gewerkschafter. "Damit liegen wir deutlich über dem, was in Baden-Württemberg vereinbart wurde." Edeka legt Wert darauf, dass sich "der Unterschiedsbetrag zu dem abzuschließenden Tarif auf einen niedrigen sechsstelligen Betrag pro Jahr beläuft".

Unabhängig von der Interpretation der erzielten Einigung herrscht in einem Punkt Übereinstimmung: Beide Seiten sind froh, dass der Streik beendet ist. Es sei ein äußerst harter Arbeitskampf gewesen, heißt es. Teilweise drohte er dem Vernehmen nach zu eskalieren. Um die Belieferung einigermaßen sicherzustellen, waren Mitarbeiter anderer Unternehmen der Edeka-Gruppe eingesetzt worden. Dabei sei es zum Teil zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Streikenden gekommen.

"Wir waren von der Wucht des Streiks überrascht", ist aus Edeka- und Verdi-Kreisen zu hören. Im Lager der Arbeitnehmer wird das auch auf den "Konfrontationskurs" zurückgeführt, den das Management der Region in den vergangenen zwei Jahren gegenüber Beschäftigten und Betriebsräten gefahren sei: "Da hat sich viel Wut und Frust aufgestaut."

Um die Wogen zu glätten, hatte nach LZ-Informationen auch Edeka-Vorstandschef Markus Mosa eingegriffen und Verdi auf Bundesebene kontaktiert. Viel länger, so ist von Edeka-Kaufleuten zu hören, hätte die Blockade auch nicht mehr dauern dürfen. Teilweise fuhren sie selbst in die Lager, um Ware zu kommissionieren. Trotz dieses Einsatzes beklagen die Selbstständigen nach fünf Tagen Streik erhebliche Umsatzverluste – und fürchten Folgeschäden. (men)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats