Einzelhandel hält Zahl der Lehrstellen stabil

von Redaktion LZ
Freitag, 24. Juli 2009
LZ|NET. Sinkende Schülerzahlen, schwache Konjunktur, Fachkräftemangel - das aktuelle Ausbildungsjahr stellt alle Akteure vor besondere Herausforderungen. Das Engagement des LEH zeigt sich in der Krise beständig.



"Diese Branche ist ein Stabilisator auf dem deutschen Ausbildungsmarkt", betont Wilfried Malcher, bildungspolitischer Experte des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Berlin. Ihr Ausbildungsengagement ist in diesem Jahr jedoch unterschiedlich gewichtet.

Edeka will "voraussichtlich 7 000 neue Ausbildungsplätze anbieten". Im Jahr 2008 waren es 5 000. Mit insgesamt 13 000 Lehrlingen gehört die Handelsgruppe zu den großen Ausbildern Deutschlands. Auch der expandierende dm-Drogeriemarkt hat Mitarbeiterbedarf. Das Unternehmen will 1 000 neue Verträge abschließen - 200 mehr als im Vorjahr, so Helga Weiß, verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung.

Rewe erhöht das Angebot an Ausbildungsplätzen nur leicht - im Vergleich zum Vorjahr. 2008 gab es zu Beginn des Ausbildungsjahres auf Konzernebene rund 4 000 - in der Rewe Group insgesamt etwa 7 000 Auszubildende. Metro nimmt zurück#/ZT# Dagegen korrigiert Metro ihre Planzahl nach unten. Die Vertriebslinien und Querschnittsgesellschaften werden im laufenden Jahr bundesweit rund 2 500 neue Auszubildende einstellen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das gut 500 Ausbildungsplätze (19 Prozent) weniger.

Der Konzern hat seit Einführung des Ausbildungspaktes im Jahr 2004 seine Azubi-Neueinstellungen "kontinuierlich um jeweils 3 bis 5 Prozent jährlich gesteigert", sagt ein Unternehmenssprecher. Das führte zu einer Ausbildungsquote von derzeit 8,7 Prozent.

In den Jahren der hohen Jugendarbeitslosigkeit hieß die Devise: Qualifizierung geht vor Übernahme. Nun will der Konzern unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung seine Ausbildungszahlen stärker am betrieblichen Bedarf ausrichten. Das soll langfristig zu einer höheren Übernahmequote führen.

Bedarfsanpassung

Die Strategie der Bedarfsanpassung entspricht auch der Douglas Holding. Deren aktuelle Planzahl liegt mit rund 450 Stellen "leicht unter dem Niveau von 2008". Auch hier orientiert man sich am tatsächlichen Bedarf. Kaiser's Tengelmann hält mit 480 Neuverträgen seinen bisherigen Status quo.

Personalentwickler Klaus Kayser ist zuversichtlich, bis September alle Stellen qualifiziert besetzen zu können. Ebenso ist die Situation bei Aldi Süd. Das Niveau ist - im Vergleich zu 2008 - mit 1 500 neuen Auszubildenden gleichgeblieben.

Der demographische Wandel ist da, allerdings regional unterschiedlich spürbar. Kaiser's Tengelmann verzeichnet insgesamt sogar 13 Prozent mehr Bewerbungen als im Vorjahr, mit deutlich regionalen Schwankungen. Süddeutschland scheint für viele Einzelhändler besonders schwierig zu sein.

"In München ist die Schieflage am größten", heißt es bei Metro. Allein an diesem Standort hätten die Vertriebslinien im vergangenen Jahr eine dreistellige Anzahl von Lehrlingen einstellen können. Problematisch sind außerdem Ballungsräume wie Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg und Berlin, was schon 2008 virulent war.

Osten ist schwierig

Die demographische Entwicklung ist vor allem im Osten spürbar. Das beweist das Beispiel Konsum Leipzig. "In diesem Jahr haben wir wieder 22 Kandidaten unter 300 Bewerbern ausgesucht", erläutert die Personalleiterin Brigitte Diener. Zuvor hatten sich bis zu 1 500 Schulabgänger um Lehrstellen bei der Genossenschaft bemüht.

Bei Tegut zeigte sich der Bewerbereingang unerwartet stabil. "Wir hatten mit spürbar schwächeren Eingängen gerechnet", erzählt Eva-Maria Eckart, Leiterin des Bereichs Bildung und Förderung. Doch der Bewerbereinbruch blieb aus.

Tegut wird in diesem Jahr wieder rund 320 Lehrstellen besetzen. Noch ist der Auswahlprozess in vollem Gang. "85 Prozent der Ausbildungsverträge sind bereits abgeschlossen", sagt Eckart. Auch Aldi Süd registriert bezüglich der demographischen Entwicklung "noch keine Veränderung".

Die Zeugnisqualität verändere sich nicht positiv, heißt es bei dem Discounter. Nahezu alle Personalverantwortlichen bemängeln eine unzureichende Qualifikation der Bewerber. Kritisiert werden schlechte Rechenleistungen sowie eine ungenügende Allgemeinbildung.

Bei Kaiser's Tengelmann stieg in diesem Jahr gar die Zahl der Absagen um 16 Prozent. Doch die gewünschten Abiturienten blieben in der Region Rhein-Main-Neckar aus, bedauert Kayser. Ob die zur Verfügung gestellten Ausbildungsstellen mit geeigneten Kandidaten besetzt werden können, ist bei den meisten Arbeitgebern noch offen.

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