Studie "Employer Branding ist Chefsache"

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 23. Oktober 2014
Personalbeschaffung wird in den nächsten Jahren zum zentralen HR-Thema in der Nahrungsmittelindustrie. Gerade der Mittelstand hat noch Nachholbedarf. Das zeigt eine aktuelle Branchenanalyse von Topos Personalberatung und Fachhochschule Erfurt, die der LZ exklusiv vorliegt.
Der Fachkräftemangel und der demografische Wandel führen mit 82,8 beziehungsweise 77,5 Prozent die Liste der HR-Themen an, die für die Foodbranche besondere Relevanz haben. Auch veränderte Werte und Employer Branding (62,1 beziehungsweise 56,9 Prozent) beschäftigen die Personaler intensiv.

Sie feilen an ihren Arbeitgebermarken und versuchen, ihre Unternehmen auf den enger werdenden Märkten für High Potentials und Spezialisten attraktiv zu positionieren. Wie weit sie damit sind, hat die Personalberatung Topos gemeinsam mit der FH Erfurt in ihrer Studie "Recruiting 3.0 – War for Talents in der Lebensmittelbranche" untersucht.

Arbeitgebermarketing gewinnt an Bedeutung

Sieben von zehn Unternehmen sind der Ansicht, dass die Bedeutung des Arbeitgebermarketings zukünftig sehr stark oder stark wachsen wird. Employer Branding steht auf der Liste der entscheidenden Themen ganz oben, dicht gefolgt von "Active Sourcing", also der direkten Suche nach passenden Profilen in Datenbanken und sozialen Netzwerken.

Über eine ganzheitliche Strategie für die Personalbeschaffung verfügen 44,8 Prozent der Teilnehmer. Allerdings fehlt es an praktischen Konsequenzen: Jedes zweite Unternehmen, das nach eigenen Angaben eine Recruiting-Strategie hat, setzt diese nur bis zu einem Viertel um. Weitere 31 Prozent schaffen eine Umsetzungsquote von bis zu 50 Prozent. Bis zu drei Viertel ihrer Strategie können 15 Prozent in die Praxis übertragen. Einen Umsetzungsgrad von 75 bis 100 Prozent erreichen nur 4 Prozent.

Recruiting wird eher kurzfristig geplant

Die Planung des Recruitings erfolgt in der Lebensmittelbranche überwiegend kurzfristig. Beinahe neun von zehn Unternehmen geben einen Zeitraum von null bis drei Jahren an. Über drei bis fünf Jahre planen 8 Prozent ihre Personalbeschaffung. Auf mehr als fünf Jahre ist diese nur bei 2 Prozent angelegt.

Die favorisierten Maßnahmen im Recruiting-Prozess sind auf die Ansprache von qualifizierten Nachwuchskräften wie beispielsweise Studenten ausgerichtet. Praktikantenprogramme, die Vergabe von Abschlussarbeiten sowie Auftritte auf Messen halten die Personaler dabei für besonders vielversprechend. Bei den bevorzugten Instrumenten liegt die eigene Karriere-Website vorn: 90 Prozent nutzen diese "immer" oder "regelmäßig" im Rahmen der Rekrutierung. Auf dem zweiten Platz folgen Online-Jobbörsen mit 70 Prozent.

Große Potenziale in kleinen Unternehmen

Gerade in kleineren Unternehmen mit hundert bis 500 Mitarbeitern schlummern noch erhebliche Potenziale in Sachen Employer Branding und Rekrutierung, ist der Initiator der Studie, Carl Christian Müller von der Personalberatung Topos, überzeugt. Und diese zu heben, sei Chefsache.

"Nicht nur die Personaler, auch die Inhaber und Geschäftsführer müssen sich darüber Gedanken machen", sagt Müller. "Denn es ist wichtig, bei diesen strategischen Themen die Weichen richtig zu stellen."

Mittelständler sollten ihre Vorteile in die Waagschale werfen. Sie können zum Beispiel mit ihrer Unternehmenskultur punkten. Müller empfiehlt zudem, die eigenen Mitarbeiter als Botschafter für die Arbeitgebermarke einzusetzen. Bei kleinen Unternehmen könne das ganz konkret die Frage nach einem Bekannten oder Freund beinhalten, der sich vielleicht für eine bestimmte Vakanz eignet. "Das funktioniert vom Azubi bis zum Spezialisten", so Müller.

Größere Betriebe können Kollegen darüber hinaus als Testimonials in Videos, Blogs oder gar Werbekampagnen einsetzen. Ein gutes Drittel der Lebensmittelhersteller macht damit bereits Erfahrungen. In Erwägung ziehen es 41 Prozent. "Nein" antwortet jeder Fünfte auf die Frage, ob er seine Beschäftigten in die Unternehmenswerbung einbezieht.

(cd)

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