Fachkräftemangel verschärft sich

von Judit Hillemeyer
Freitag, 23. Januar 2009
Trotz Wirtschaftskrise, die für viele Branchen einen Unsicherheitsfaktor mit sich bringt, erwartet die Lebensmittelindustrie keine massiven Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt.



Auf Basis von knapp 100 besetzten Stellen im Jahr 2008 schätzt die Rau Consultants GmbH, Wörthsee, den Trend auf dem Arbeitsmarkt in der Lebensmittelindustrie, je nach Wirtschaftszweig, differenziert ein.

Der Maschinen- und Anlagenbau für die Lebensmittelindustrie werde voraussichtlich die äußerst positive Entwicklung der vergangenen zwei Jahre so nicht fortsetzen können, prognostiziert die Personalberatung.

In der Milchwirtschaft sei von weiteren Unternehmenszusammenschlüssen auszugehen, wie sie sich bereits Ende vergangenen Jahres angedeutet haben. Die damit einhergehenden Umstrukturierungen würden zu einer Bewegung innerhalb des Bewerbermarktes führen.

Insgesamt befinde sich der Arbeitsmarkt in einer paradoxen Situation: Einerseits haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, qualifizierte Stellen zu besetzen, andererseits finden viele Bewerber nur schwer einen neuen Arbeitgeber. Die Gründe dafür seien auf beiden Seiten zu suchen.

Die allgemeine, von der internationalen Wirtschaftslage hervorgerufene "Krisenstimmung" verunsichere Arbeitnehmer, erhöhe die Sicherheitsorientierung und setze den Willen, aktiv nach einer neuen Stelle zu suchen, deutlich herab.

Das heißt, die Risikobereitschaft seitens der Job-Wechsler sinkt. Außerdem erschwere die häufig nur eingeschränkte Mobilität der Bewerber Stellenbesetzungen.

Gleichzeitig erhöhten viele Unternehmen ihre Qualifikationsanforderungen. Treffe ein Kandidat das Stellenprofil nicht zu 100 Prozent, werde er nicht eingestellt.

Neuen Mitarbeitern wird wenig Einarbeitungszeit zugestanden, heißt es bei Rau: "Es werden insgesamt einsatzfertige Leute gesucht". Die Bereitschaft für "Experimente" sinke bei den Arbeitgebern. Dadurch erhöhe sich die Notwendigkeit einer professionellen Personalauswahl.

In diesem Jahr setzt sich der Wettbewerb um spezialisierte Fachkräfte fort und verschärft sich. Besonders nachgefragte Positionen sind beispielsweise Projekt-/Verfahrensingenieure und leitende Positionen im Vertrieb, insbesondere im B-to-B-Bereich.

Der Bedarf an Innovationen und neuen Produkten scheint hoch. Dadurch würden die Segmente Forschung und Entwicklung sowie Qualität gestärkt, so dass eine Zunahme an Stellenangeboten zu erwarten ist.

Es werden meist Kandidaten mit zumindest zwei bis drei Jahren Berufserfahrung gesucht, die relativ schnell einsatzbereit sind. Absolventen ohne nennenswerte praktische Erfahrungen finden nur schwer einen Einstieg.

Bereits im Studium solle daher gezielt im Rahmen mehrerer, qualifizierter Praktika auf Praxiserfahrung und eine gewisse Spezialisierung hingearbeitet werden. (juh)

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