Europa will Bildungslücken schließen

von Redaktion LZ
Freitag, 10. Dezember 2010
LZnet. Gut ausgebildete Mitarbeiter sind für den Handel unverzichtbar. In Brüssel berieten Verbände, Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter sowie Experten über Standards in der Qualifizierung.
Wenn es um Bildungsfragen geht, ist Prof. Bernd Hallier in seinem Element. Anhand aktueller Studienergebnisse schilderte der langjährige Geschäftsführer des Europäischen Handelsinstituts (EHI), der für die European Retail Academy verantwortlich ist, Ausbildungsstandards und Weiterbildungsbedarf der Handelsbranche insgesamt. Er ging zudem auf die besonderen Bedürfnisse kleinerer und mittlerer Unternehmen ein.

"Gerade hier fehlt es an Zeit und Geld", sagte Hallier und betonte die Wichtigkeit moderner Lernprozesse, zum Beispiel E-Learning. "Diese Unternehmen können ihre Mitarbeiter nicht wochenlang auf Seminare schicken." Kleinere Marktteilnehmer litten außerdem am stärksten unter dem schlechten Arbeitgeberimage des Handels. Qualifizierung müsse daher auch dazu beitragen, die Bindung der Angestellten an die Unternehmen zu verstärken, damit die gut Ausgebildeten ihrem Brötchengeber nicht postwendend den Rücken kehren.

Vergleichbarkeit der Ausbildung erwünscht

Die Arbeitgebersicht schilderten Personalfachleute von Rewe und Saturn. Beide plädierten für mehr Standardisierung und Vergleichbarkeit von Ausbildungsgängen innerhalb der EU, damit zum Beispiel Zeugnisse einfacher anerkannt werden können. Zudem müsse gerade für die Personalentwicklung der Angestellten auf der Fläche mehr getan werden.

"Sonst wird die gute Erstausbildung, die wir haben, über die Jahre wertlos und wir vergeuden Potenzial", sagte Christian Meister, HR-Chef der Rewe International AG. Deshalb haben die Wiener unter dem Namen "B-Best" eigene Ausbildungsstandards für die Prozesse im Verkauf implementiert. Seit vergangenem Jahr werden alle neuen Mitarbeiter entsprechend geschult.

Ein Junior Trainee Programm soll Nachwuchskräfte ab 2011 auf Führungsaufgaben vorbereiten. Klaus Ennen, Ausbildungsleiter von vier Saturn-Märkten in Köln, setzt ebenfalls auf Eigeninitiative. "Saturn macht Schule" heißt sein Konzept, das auf der engen Kooperation mit Berufsschulen basiert.

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