Im Dialog mit der Forschung

von Judit Hillemeyer
Freitag, 27. November 2009
Europrofession
Europrofession
Wissenschaft und Wirtschaft haben sich angenähert. Davon profitieren Personalabteilungen im Handel ebenso wie Softwarehäuser. Darüber wurde kürzlich auf dem Forum der Stiftung Europrofession im saarländischen Dreiländereck diskutiert.



"Die Angst des Personalmanagers vor lügenden Bewerbern ist groß", sagt Frank Spinath, Professor für Differentielle Psychologie und psychologische Diagnostik an der Universität des Saarlandes. Zur Personalauswahl gibt es verschiedene Methoden der Eignungsdiagnostik. Dazu gehören Accessment Center, Intelligenztests, Arbeitsproben und strukturierte Vorstellungsgespräche.

Arbeitgeber sollten im vorhinein wissen, was sie prüfen wollen und was sie von künftigen Mitarbeitern erwarten. Mit der Integration eines kognitiven Tests in ein AC erhöhe sich die Validität, betont Spinath. In Deutschland gibt es Vorbehalte, doch wer diese Verfahren anwende, müsse sie den Bewerben transparent machen, um nicht das Arbeitgeberimage zu gefährden. Graphologische Gutachten seien aus wissenschaftlicher Sicht völlig wertlos, betont der Referent gegenüber den rund 100 Teilnehmern des Forums.


Konzentriert: Rund 100 Teilnehmer informieren sich auf dem Forum Europrofession über wissenschaftliche Ansätze in der Personalpolitik.

Neben kognitiver und fachlicher Eignung ist auch soziale Kompetenz gefragt. Menschen arbeiten vernetzt im Team zusammen. "Wenn Menschen scheitern, dann häufiger aufgrund sozialer Defizite oder weil sie in ein Unternehmen nicht passen und weniger aus fachlichen Gründen", ergänzt Rudolf Schäfer, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung. Doch soziale Kompetenz kann bislang kaum valide getestet werden, so Spinath.

Arbeitgeber wollen möglichst viel über Bewerber in Erfahrung bringen. Sie wollen Sicherheit im Auswahlverfahren. Berufseinsteiger wie Hochschulabsolventen wissen aufgrund mangelnder Berufserfahrung häufig selbst nicht, ob sie sich für diese oder jene Berufssparte eignen. Unter dieser Prämisse hat die Universität ein Self-Accessment-Center entwickelt. Ein solches Projekt könne branchenspezifisch zugeschnitten werden, damit Studierende ihre berufliche Weichenstellungen überprüfen können.

Nicht nur wissenschaftliche Testverfahren haben Einfluss auf Wirtschaftsunternehmen. "Es bestehen uns erdrutschartige Veränderungen der Personalarbeit bevor", sagt Rolf Karges, Geschäftsführer der TOP Trainings-, Organisations- und Personalentwicklungsgesellschaft. Wissen ist flüchtig. Deshalb werde das Wissensmanagement künftig eine wesentliche Rolle spielen.

Veränderte gesellschaftliche Werte und Verhaltensweisen zwingen Unternehmen zu Strategieänderungen. Denn schon heute nehme die Bereitschaft zur Mobilität ab, während die Bildungsbereitschaft zunimmt. Sicherheit, Teamgeist, Fairness, Selbstverwirklichung sowie Beteiligung an Entscheidungsprozessen gewinnen für Arbeitnehmer an Priorität. Das sind wichtige Faktoren bei der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften. Kommunikation werde künftig hierarchieübergreifend funktionieren müssen. I

nternetforen dienen dem informellen Informationsaustausch. Die Marketing und PE-Abteilung rücken enger zusammen, betont Karges. So soll beispielsweise bei Hagebau die PE-Abteilung Kundenbefragungen verantworten, um danach ihre Weiterbildungsstrategie auszurichten.

"Es gibt einen Konflikt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Vermarktung", weiß Prof. Christine Arend-Fuchs von SAP. Ziel müsse es sein, einen Kompromiss zu erzielen im interdisziplinären Austausch. Die Strategie des Softwarehauses sieht den gezielten Kontakt zu Hochschulen und Studierenden vor, um die Innovationsfähigkeit des Unternehmenzustärken. Zur Verbindung von Theorie und Praxis hat SAP das "Future Trading Center" in der Schweiz zur Ausbildung von Master-Studenten eingerichtet. (juh)

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