Exklusive Studienauswertung für die LZ Schüler sehen LEH eher skeptisch

von Silke Biester
Freitag, 26. August 2016
Blick in die Zukunft: Schüler suchen Identifikation und nette Kollegen.
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Blick in die Zukunft: Schüler suchen Identifikation und nette Kollegen.
Der Lebensmittelhandel tut sich schwer, die Jugend für sich zu gewinnen. Eine Sonderauswertung des Trendence Schülerbarometers für die LZ zeigt die beliebtesten Arbeitgeber derjenigen Schüler, die grundsätzlich eine Ausbildung im Bereich Handel, Vertrieb, Verkauf in Erwägung ziehen.

Der Einzelhandel ist als Branche zwar der Ausbilder Nummer eins und bietet die beliebtesten Berufe, doch das Image als Arbeitgeber hinkt hinter dem Angebot hinterher. Insbesondere der Lebensmittelhandel schafft es nicht nach oben im Ranking der Wunscharbeitgeber des Nachwuchses.

Im allgemeinen Trendence Schülerbarometer, für das bundesweit 17.000 Schüler an 700 Schulen befragt wurden, zählt der Handel zusammen mit Banken, Medien und Maschinenbau zu den Verlierer-Branchen während die Automobilindustrie, der öffentliche Sektor sowie Konsumgüterhersteller Sympathien gewinnen konnten.

Bei der Aufforderung, drei Unternehmen zu nennen, bei denen sich der Befragte am ehesten bewerben würde, geben 3 Prozent Douglas und 2,9 Prozent dm-Drogeriemarkt als Wunscharbeitgeber an. Diese erreichen im Gesamtranking Platz 24 und 25. Erster Food-Filialist ist Aldi Süd (Rang 47) gefolgt von Lidl (64), Edeka (69), Metro Group (69), Kaufland (75) und Rewe Group (87).

Und selbst in der Gruppe der besonders branchenaffinen Jugendlichen, mit ausgesprochenem Ausbildungswunsch "Handel, Vertrieb, Verkauf", wird das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber von BMW, Adidas, Audi, Polizei, Porsche, Daimler und der Bundeswehr angeführt. Erst auf der achten Position taucht mit dm-Drogerie der erste Händler auf, es folgt der Modefilialist H&M auf Rang 9 und Douglas auf zwölfter Position.

Discount beliebter als Vollsortiment

Der bestplatzierte Lebensmittelhändler ist Aldi Süd (20) gefolgt von Lidl (25), Edeka (26), Metro und Kaufland (beide 30) und der Rewe Group auf Rang 34. Somit wollen 6,9 Prozent dieser branchenaffinen Schüler sich bei dm bewerben, aber nur 2 Prozent bei der Rewe Group.

In diese Sonderauswertung für die LZ sind mehr als 900 Antworten der Trendence-Befragung eingeflossen. Das Ergebnis ist allerdings nicht direkt mit den Spezial-Auswertungen der Vorjahre zu vergleichen, da die Abfrage ein wenig geändert wurde: Der zuvor anzukreuzende Ausbildungswunsch "Handel" wurde zu "Handel, Vertrieb, Verkauf".

In dieser Gruppe ist die Identifikation mit dem Produkt bzw. der Dienstleistung des Unternehmens besonders wichtig: Für 56,2 Prozent der Befragten kommt ein Ausbildungsbetrieb infrage, wenn sie sein Angebot gut finden. Sie wünschen sich von einem Arbeitgeber vor allem nette Kollegen, eine gute Betreuung während der Ausbildung und gute Übernahmechancen.


Im Schnitt schreiben die handelsorientierten Schüler 12,6 Bewerbungen und damit 2,3 mehr als der Durchschnitt. Sie wünschen sich bei der Berufsorientierung noch mehr Unterstützung seitens der Schule und stehen Veranstaltungen von Unternehmen sehr aufgeschlossen gegenüber. Drei Viertel wissen von derartigen Veranstaltungen an ihren Schulen – und vier von fünf Schülern nehmen auch daran teil. Allerdings gehen die Veranstaltungen an ihren Bedürfnissen vorbei: Nicht einmal der Hälfte der Schüler haben sie bei ihrer Berufswahl geholfen.

Schüler möchten die Aufgaben der Ausbildung gern selbst ausprobieren, sich also nicht nur über Videos und Broschüren informieren. Und sie wollen von den Inhalten lieber von anderen Azubis erfahren als etwa vom Ausbildungsbetreuer.

Mehr als 40 Prozent der Schüler mit Ausbildungswunsch Handel, Vertrieb, Verkauf möchte explizit nicht per Whats-App über Ausbildungsangebote informiert werden – 22 Prozent würden es begrüßen. Mit dem Bewerbungsprozess sind zwar 75 Prozent zufrieden, jedoch kritisieren viele, dass Absagen nicht begründet werden oder Rückmeldungen ganz unterbleiben.

Zwei Drittel blicken positiv in die Zukunft. Doch geht jeder fünfte davon aus, dass es durch ankommende Flüchtlinge schwieriger wird, einen Ausbildungsplatz zu finden.

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