Rezepte gegen den Fachkräftemangel

von Redaktion LZ
Freitag, 22. Oktober 2010
Zuwanderung aus aller Welt
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Zuwanderung aus aller Welt
LZnet. Fachkräftemangel lässt sich nur beheben, wenn gut ausgebildete Zuwanderer ins Land kommen – und die Potenziale der hier Lebenden aktiviert werden. Strategien dazu diskutierten die Teilnehmer der Bildungskonferenz 2010.
"Deutschland hat eine ausgeglichene Wanderungsbilanz", sagte Dr. Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Bildung auf der Tagung, die am Montag und Dienstag dieser Woche mehr als 500 Teilnehmer nach Berlin lockte.

Herkunftsländer der Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Das bedeutet: Es kommen ebenso viele Neuzugänge her, wie sich aus Deutschland verabschieden. Mit Blick auf die Türkei sei der Migrationssaldo sogar negativ: Es wandern also mehr Menschen aus Deutschland in die Türkei zurück, als von dort zuziehen. Damit bringt Fincke Sachargumente in die derzeit zum Teil sehr emotional geführte Diskussion um Zuwanderung und Integration.

Ausgeglichene Wanderungsbilanz

Angesichts des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels werde jedoch ein Zuzug von jährlich 100.000 bis 200.000 Menschen aus anderen Ländern dringend benötigt, so die Expertin. Es müsse deshalb dringend mehr unternommen werden, um qualifizierte Arbeitnehmer anzulocken.

Viele Migranten ohne Abschluss
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Qualifikationsniveau der Bevölkerung von 25 bis 65 Jahren

"Denn die stehen nicht gerade an unseren Grenzen Schlange." Zumal der Wettbewerb um die besten Köpfe international ausgetragen werde. Deutschland müsse seine Anwerbestrategie daher zukünftig verändern, ist die Migrationsfachfrau sicher – und kann sich sogar ein Zurück zu Anwerbebüros in den Herkunftsländern vorstellen, wie es sie in den sechziger Jahren für "Gastarbeiter" gab.

Als Lenkungsmechanismus favorisiert der Sachverständigenrat ein Punktesystem. Ähnliches nutzt zum Beispiel Kanada zur Anwerbung der begehrten Fachkräfte seit langem.

Qualifikation der hier lebenden Migranten

Zuwanderung allein werde allerdings auch bei optimistischsten Annahmen die Fachkräftemisere nicht beheben. Es führe kein Weg daran vorbei, diejenigen zu qualifizieren, die schon bei uns sind. "Verglichen mit anderen Ländern haben hiesige Zuwanderer die geringste schulische Bildung", zitiert sie eine Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Wegen der "Vererbbarkeit von Bildungsabschlüssen" werde sich das – wenn überhaupt – auch nur langsam ändern. Mit dem Begriff umschreibt die Referentin die Tatsache, dass der Bildungsabschluss der Eltern in vielen Fällen den ihrer Kinder determiniert. Und will das auch als Gegenargument in der Debatte um die vermeintliche Vererbbarkeit von Intelligenz verstanden wissen.

Schulen und Betriebe gefordert

Während von den Deutschen ohne Migrationshintergrund nur 1,6 Prozent die Schule ohne Abschluss verlassen, sind es bei den Migranten der ersten Generation 14,3 Prozent, bei denen der zweiten Generation 5,7 Prozent. Handlungsmöglichkeiten sieht Fincke in Schule wie Betrieb.

Dabei gehe es in erster Linie um Sprachförderung, aber beispielsweise auch um die Steigerung der Mobilität bei den jungen Leuten, passende Ausbildungsangebote und die Verringerung von Diskriminierung.

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