HR-Trendstudie Fachkräftemangel macht Personaler erfinderisch

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 11. September 2014
Demografischer Wandel und Fachkräftemangel zwingen die Personaler zum Handeln. Sie setzen dabei vor allem auf Employer Branding, gefolgt von verbesserter Führungs- und Managementqualität. Das zeigt die HR-Trendstudie von Kienbaum.
Das wichtigste Ziel deutscher Personalchefs ist in diesem Jahr, ihr Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver zu machen: Bei 37 Prozent der HR-Entscheider steht diese Aufgabe ganz oben auf der Agenda. Auch außerhalb der Personalabteilung genießt das Thema bereits bei 39 Prozent der Entscheider eine hohe Priorität.

Das zeigt die HR-Trendstudie, für die die Managementberatung Kienbaum 190 Personalverantwortliche befragt hat. An zweiter Stelle der HR-Prioritätenliste steht die Verbesserung der Führungs- und Managementqualität. 2013 war dieses Thema noch die wichtigste Aufgabe. Auf Platz drei rangiert das Thema Change-Management.

Der Fachkräftemangel hat in vielen Unternehmen bereits deutliche Spuren hinterlassen Die Anzahl der eingehenden Bewerbungen und deren Qualität wird geringer. Kandidaten entscheiden sich weniger oft tatsächlich für den angebotenen Job. Die Vergütung bei den gefragten Profilen steigt. Gleichzeitig verzeichnen viele Personaler eine höhere Fluktuation bei den bestehenden Mitarbeitern.

Besonders Fachkräfte und Spezialisten fehlen

Besonderes hohen Rekrutierungsbedarf melden die Befragten für Fachkräfte und Spezialisten (79 Prozent), gefolgt von Hochschulabsolventen (48 Prozent) und Führungskräften (34 Prozent). Bei den Auszubildenden zeigt sich die Lage ein wenig entspannter: Hier melden 24 Prozent besonderen Bedarf. Bei den gewerblichen Mitarbeitern sind es 12 Prozent.

Schwierig zu rekrutieren sind vor allem Ingenieure, wie 38 Prozent der Personaler zu Protokoll geben. Auch die Suche nach Fachleuten für die Bereiche Vertrieb und Kundenbetreuung (36 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (33 Prozent) ist oft mühsam. Nur geringfügig einfacher sind Mitarbeiter für die IT zu finden. Hier melden drei von zehn Personalern Rekrutierungsprobleme. Immerhin noch 14 Prozent finden es schwierig, Talente für Logistik und Transport zu gewinnen. Vergleichsweise unproblematisch hingegen ist die Personalbeschaffung noch in Produktion, Finanzen/Controlling, Personal/Recht, Einkauf und Marketing.

Unternehmen verstärken die Ausbildung

Um auf den Fachkräftemangel zu reagieren, ziehen die Unternehmen alle Register. Viele verstärken ihre eigenen Ausbildungsaktivitäten und füllen damit ihre Talent-Pipeline systematisch. Das Thema Employer Branding genießt hohe Aufmerksamkeit.

An der Arbeitgeberattraktivität wird nach außen wie nach innen gefeilt. Recruiting-Prozesse und -Instrumente werden überarbeitet. Auch digitale Maßnahmen kommen zum Einsatz. So beziehen Personaler häufig Bewerberdatenbanken mit ein. Weniger verbreitet sind die Mitarbeitersuche im Ausland oder die Nutzung von Shared-Service-Center-Rekrutierung.

Die am häufigsten ergriffenen Maßnahmen, um den demografischen Veränderungen personalwirtschaftlich zu begegnen, sind eine langfristige Nachfolge- und Karriereplanung sowie ein professionelles Gesundheitsmanagement. Die Unternehmen registrieren bereits heute erhebliche Auswirkungen des demografischen Wandels: 56 Prozent der Personalentscheider bemerken einen Wertewandel in der jungen Arbeitnehmergeneration und ein geringeres Angebot an qualifizierten Arbeitskräften auf dem Markt.

(cd)

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