Hohes Engagement für Familien

von Redaktion LZ
Freitag, 21. Januar 2011
LZnet. Erstmals dokumentiert eine Studie Einstellung und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in einigen wichtigen Ländern Europas.
Mit dem überraschend stabilen Aufschwung spüren viele Unternehmen bereits jetzt, dass Fachkräfte rar werden. Und weil der begehrten jungen Klientel an Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt, gewinnen Maßnahmen, die das erleichtern, an Gewicht.

Mitte Dezember veröffentlichte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) den Europäischen Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit. Er liefert Erkenntnisse über den Stellenwert dieses Themas in mehr als 5000 Unternehmen. Und zwar in Großbritannien, Frankreich, Polen, Italien, Schweden und Deutschland.

Thema hat überall hohen Stellenwert

Erstmals liegen damit vergleichbare und repräsentative Daten über die Verbreitung von familienfreundlichen Maßnahmen vor. Die Bedeutung des Themas wird demnach hoch eingeschätzt: Acht von zehn Geschäftsleitungen messen ihm eine wichtige Rolle für das Wohlergehen der Firma bei. Der Studie zufolge können sich 38 Prozent der deutschen Unternehmen als familienfreundlich bezeichnen.

In ihnen haben "Mitarbeiter mit und ohne Familienpflichten die gleichen Entwicklungschancen" und es "herrscht ein angemessener Dialog zwischen Geschäftsführung und Beschäftigten über eine entsprechende Personalpolitik". Damit liegen die Deutschen noch vor dem Vereinigten Königreich. Spitzenreiter ist Schweden mit 62 Prozent.

Dort bieten Firmen vergleichsweise die meisten Maßnahmen an, um die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf zu fördern. Doch auch deutsche und britische Betriebe schneiden dabei nicht schlecht ab, während das Engagement französischer, italienischer und polnischer Unternehmen schwächer beurteilt wird.

Flexible Arbeitszeiten sind das wichtigste Mittel

Als wichtigstes Instrument der Familienpolitik wird überall die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsorganisation genannt. Das bedeutet in der Regel Teilzeitbeschäftigung und individuell ausgehandelte Zeiten.

Eine umfangreiche Förderung während der Elternzeit hingegen ist nur in drei Ländern die Regel, und zwar in Schweden, Großbritannien und Deutschland. Viele schwedische und britische Geschäftsleitungen stellen Müttern oder Vätern während der Auszeit Paten zur Seite und ermuntern zudem die männlichen Beschäftigten, Elternzeit in Anspruch zu nehmen oder in Teilzeit zu arbeiten. In Frankreich, Italien oder Polen ist man da etwas verhaltener.

Länder im Vergleich

Länder im Vergleich

Der Europäische Unternehmensmonitor basiert auf der Befragung von Geschäftsführern und Personalverantwortlichen aus insgesamt 5000 Unternehmen. Sie wurden gebeten, die Bedeutung des Themas Familienfreundlichkeit einzuschätzen und anzugeben, welche Maßnahmen in ihrem Betrieb angeboten werden.


Zudem ist in diesen Ländern der Anteil der Firmen, die wenige oder keine Maßnahmen anbieten noch relativ hoch. Die Kinderbetreuung indes ist in allen beteiligten Nationen noch ausbaufähig, stellt die Studie klar.

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