Eine Kündigung kann teuer werden

von Redaktion LZ
Freitag, 16. April 2010
LZnet. Fehlbesetzungen können Unternehmen teuer zu stehen kommen. Mit welchen Kosten man rechnen muss, fasst Dr. Tim Rau, Geschäftsführer von Rau Consultants, in einem Autorenbeitrag zusammen.


Eine Fehlbesetzung kostet 1,5 bis drei Jahresgehälter. Doch tatsächlich liegen die finanziellen Folgen oft um ein Vielfaches höher. Je nach Größe und Position kann eine einzige Fehlbesetzung ein ganzes Unternehmen ruinieren. Die Beispielrechnung (s. Tabelle) für den Vertriebsleiter eines Mittelständlers mit einem Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe zeigt, welche Kosten auftreten. Er ist seit zwei Jahren beschäftigt und verdient 140 000 Euro.

Zu den direkten Kosten gehören die Abfindung - mindestens ein Monatsgehalt pro Jahr - und eventuelle Rechtskosten, die überraschende Höhen erreichen können. Bei der Einstellung des neuen Mitarbeiters fallen für externe Personalberater Honorare von etwa 30 Prozent des Jahresgehalts plus Nebenkosten an. Oft wird bei der Nachbesserung einer Fehlbesetzung ein signifikanter Gehaltsaufschlag erforderlich. Hinzu kommen Schulungen in der Einarbeitung. Selbst bei vorsichtiger Schätzung summieren sich die direkten Kosten somit bereits auf zwei Drittel des Jahresgehalts. Das ist den Unternehmen meist bewusst.

Indirekte Kosten häufig übersehen

Indirekte Kosten dagegen werden häufig übersehen. Sowohl in der Austritts- als auch in der Einarbeitungsphase entstehen Produktivitätsverluste. Denn der Vorgänger wird zwischen Kündigung und Ausscheiden sicherlich nicht mehr hundert Prozent seiner Leistung bringen. Und bei einer Fehlbesetzung ist ohnehin davon auszugehen, dass seine hundert Prozent bereits auf einem zu niedrigen Niveau für das Unternehmen lagen. Der Nachfolger braucht dann bis zu einem Jahr, um seine volle Produktivität zu erreichen.

In dieser Übergangsphase muss der Vorgesetzte oft einen Großteil seiner eigenen - noch teureren - Kapazität einbringen: als kommissarischer Stelleninhaber und Mentor. Bei Führungspositionen multipliziert sich der Produktivitätsverlust im Team mit der Anzahl der Mitarbeiter, die während dieser Zeit ohne Führung oder Motivation sind. Zudem zieht eine Fehlbesetzung häufig einen Anstieg der Fluktuation nach sich. Das ist besonders schmerzlich, wenn ganze Teams zur Konkurrenz wechseln. Am Beispiel des Vertriebsleiters summieren sich die indirekten Kosten, vor allem aufgrund seiner Führungsverantwortung, auf knapp drei Jahresgehälter.

Opportunitätskosten für entgangene Chancen

Opportunitätskosten schließlich fallen für entgangene Chancen an. Sie sind besonders schwierig zu erkennen und finanziell zu bewerten, doch bei strategischen Positionen sehr real und meist mit Abstand der größte Kostenblock. Dazu zählt etwa, dass ein verärgerter Kunde zur Konkurrenz abwandert, dass Image- und Vertrauensverlust Druck auf Absatz und Preise ausüben oder dass sich Leistungsträger aus dem Team nach Jobs im Wettbewerbsumfeld umschauen.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dieser Effekte, die sich teilweise über mehrere Jahre auswirken und schnell auf ein zehnfaches Jahresgehalt summieren können. Im Rechenbeispiel wirkt sich der relativ große Ergebnisbeitrag des Vertriebsleiters verstärkend aus.

Man sollte sich deshalb gerade bei der Besetzung wichtiger Positionen nicht unter Zeitdruck setzen und auch auf seinen Bauch hören. So lässt sich verhindern, dass ein Bewerber aus fachlichen Gründen eingestellt, bald darauf jedoch aus persönlichen Gründen wieder entlassen wird.

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