Ferrero: Trainiert Manager kreativ

von Redaktion LZ
Freitag, 06. Mai 2005
Cristina Agostinelli, Foto:Ferrero
Cristina Agostinelli, Foto:Ferrero
Der italienische Markenartikler Ferrero will sich vom nationalen zum multinationalen Unternehmen entwickeln. Die dafür notwendigen Anforderungen lernt das Topmanagement in der Ferrero Corporate University in Luxembourg.



Jedes Jahr treffen sich 80 Topmanager von Ferrero zur zweitägigen Jahreskonferenz in Luxembourg, um sich auf die ständig ändernden Anforderungen vorzubereiten. "Hier stoßen wir dem Topmanagement ein Fenster zur Welt auf", erklärt Cristina Agostinelli, zuständig für die Personalentwicklung bei Ferrero.

Basis dafür ist das Business-Modell des Markenartiklers: Ferrero möchte unabhängig bleiben, deshalb gibt es keine Akquisitionen. Das Produkt, Qualität, Frische und Innovation stehen im Fokus. Charakteristisch, so Cristina Agostinelli, sei vor allem der Experimentier-Prozess. So bringt das italienische Familienunternehmen mit Hauptsitz in Alba bei Turin/Italien nur Produkte auf den Markt, die durch starke technologische Barrieren nicht kopiert werden können.

Bis heute ist das tatsächlich noch niemandem gelungen. Damit das so bleibt und die oberste Führungsriege auf Veränderungen im Markt durch Konsumenten, Rationalisierungen und Rabatte im Handel sowie die Globalisierung erfolgreich reagieren kann, ist das Schulungsinstitut ins Leben gerufen worden.

Die Ferrero Corporate University wurde im Jahr 2000 von Michele Ferrero, dem Eigentümer des Unternehmens, gegründet. Der Patron einer Familiendynastie, bekannt dafür, keine Informationen, weder über das Unternehmen noch über Privates, nach außen dringen zu lassen, hat vor über 30 Jahren das Überraschungsei erfunden, wie einst sein Vater Nutella kreierte.

Emotionen ändern Verhalten

Die Manager und Direktoren werden an der Ferrero Corporate University allerdings nicht im eigentlichen Sinne geschult, stellte Cristina Agostinelli auf dem IIR Kongress Muwit klar. Vielmehr ist Improvisations-Theater das Instrument der Wahl, um die Unternehmenswerte kontinuierlich erlebbar zu machen und den Teil der Management-Aufgaben zu präsentieren, die sich verändert haben und kontinuierlich verändern. "Wir bedienen uns der Emotionen, um Verhalten zu ändern."

Titel des Theaterstücks der letzten Jahreskonferenz war "Koronare Herzerkrankungen". Gerade ein wissenschaftliches Thema eigne sich, weil das Management zum einen sehr analytisch arbeite. Zum anderen reflektierten und lernten die Teilnehmer durch Emotionen, den Bezug zum Stoff und die Metapher wesentlich besser. Vorurteilsfrei könnten Situationen wahrgenommen und Fehlfunktionen von Prozessen erkannt werden.

Bei dem Theaterstück mischt sich eine Gruppe von Schauspielern unter die Ferrero-Chefs und involviert so das Publikum in die Geschichte: Ein übergewichtiger, stark rauchender Patient bekommt nachts plötzlich heftige Schmerzen. Der Mittfünfziger kann sich schlecht artikulieren und ist über das Gesundheitswesen generell und Vorsorge im Speziellen nur sehr schlecht informiert.

Improvisierte Rollenspiele

Er trifft auf einen völlig überlasteten, frustrierten Arzt, eine eifrige, aber unglückliche Krankenschwester, einen jungen unerfahrenen sowie einen alten arroganten Kardiologen. Daraus entwickelt sich eine Komödie, in der sich herauskristallisiert, was für einen erfolgreichen Genesungsprozess und vor allem für die Vermeidung von Krankheiten notwendig ist: Kommunikation, Bewusstsein, gemeinsame Visionen, Integration und Flexibilität.

"Das alles kann man auf Ferrero übertragen", sagt Agostinelli. Um die Inhalte jeder Jahrestagung kümmert sich ein Team von acht bis zehn Personen. Die Eigentümer selbst sowie Direktoren gehören dazu.

Auf der zweitägigen Veranstaltung spielt auch das Alltagsgeschäft eine Rolle. So wird mit "Case-Studies" gearbeitet, die die Probleme detailliert behandeln. Im Vordergrund steht dabei immer: Hier ist der Markt, das die Herausforderung, wie reagieren wir? Mit der Veranstaltung, so Cristina Agostinelli, "wollen wir den Managern die Gelegenheit bieten, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, was Veränderung bedeutet und wie man darauf reagiert".

Das sei gerade bei ständig neuen Marktbedingungen und im internen Veränderungsprozess zum multinationalen Unternehmen wichtig. Zudem haben Michele Ferrero und seine Söhne, die CEO´s Pietro und Giovanni, den einzelnen regionalen Managern mehr Autonomie und Verantwortung übertragen. Das müsse man als Vertrauensbeweis bewerten. (ba)

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