Fit für die Zukunft HR-Trends im Food-Business

von Julia Wittenhagen
Freitag, 20. Januar 2017
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Mehr als 430 Personalmanager aus Ernährungswirtschaft, Lebensmittelhandel und landwirtschaftlichen Betrieben haben der Personalberatung AFC verraten, wie sie sich drängenden Themen wie Arbeit 4.0 oder Mitarbeiterbindung stellen. Auf den Weg gemacht haben sich alle.

Die Ernährungsindustrie hat in puncto Digitalisierung aus Sicht der Personalberatung AFC zwei Gesichter: Brot, Fleischwaren und Getränke seien "ur-analoge" Produkte. Gleichzeitig sei der mit der Herstellung verbundene Maschinen- und Anlagenbau technologisch führend. Privat wie beruflich erlebten Mitarbeiter der Branche, dass immer schneller und dynamischer interagiert wird. Die Personalverantwortlichen leiten daraus positive Effekte ab: 73 Prozent erhoffen sich von digitalerem, flexiblerem und vernetzerem Arbeiten eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. 55 Prozent der Befragten sehen diese Steigerung vor allem auch für die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Agrar- und Ernährungsindustrie.

Keine Angst vor Robotern

Ängste, dass Industrie oder Arbeit 4.0 Fach- und Führungskräfte verdrängen könnte, erscheinen den Befragten unbegründet. Im Gegenteil: 46 Prozent sehen eine "Steigerung des Bedarfs an sehr gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften", denn diese Gruppe wird durch die sich stetig wandelnde Arbeitswelt mit technologischen Entwicklungen immer wieder vor enorme Herausforderungen gestellt.

Als wichtigste Maßnahme zur Umsetzung von Arbeit 4.0 gilt die "Erhöhung der Digitalisierung und Automatisierung" (64 Prozent). Mitarbeitern in Vertrieb, Marketing, Verwaltung und dem Außendienst wird somit zumindest technisch ermöglicht, von überall und zu jeder Zeit arbeiten zu können. Auf diese Weise wird eine "flexiblere Planung von Arbeitsalltag und Arbeitszeit" (46 Prozent) ermöglicht.
Dadurch könnte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. Insbesondere wenn, wie von 32 Prozent der Befragten angegeben, die Bereitstellung von "Kinderbetreuungsangeboten" gegeben ist. Die flexible Planung von Arbeitsalltag und Arbeitszeit soll die Work-Life-Balance verbessern, was die Generation Y besonders schätze.

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Der stetige Wettbewerb um die besten Kandidaten gilt als zweite große Herausforderung. Als wichtigste Maßnahme zur Stärkung der Mitarbeiterbindung nennen die Personalentscheider mit großer Übereinstimmung die "eindeutige Vereinbarung von Entwicklungszielen". Mehr denn je sei ein eindeutiges Commitment zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer förderlich, um die Bindung zu stärken. "Zu Recht", glaubt AFC-Personalberaterin Anna Fieth. Denn schon bei studentischen Jobbörsen seien die Teilnehmer heute sehr viel klarer auf Work-Life-Balance, Entwicklungsmöglichkeiten und Jobinhalte fokussiert als auf das Gehalt. Ihre Ansprüche an den Arbeitgeber wachsen, gleichzeitig dauert es zunehmend länger, eine vakante Stelle mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Am stärksten von Personalmangel betroffen sind derzeit Technik und Produktion, gefolgt vom Vertrieb. Für Positionen in Verwaltung, Einkauf oder Logistik werden verstärkt Rekrutierungsmöglichkeiten in vor- und nachgelagerten Branchen erkannt.

Mitarbeiterbindung läuft

Ihre eigenen Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung und -bindung bewerten die meisten Personalmanager schon als gut. Reintegration nach Krankheit und Elternzeit sowie Weiterbildung sind dabei am beliebtesten. Zwar bekennen viele Unternehmen der Ernährungsindustrie, dass es bei ihnen für Frauen immer noch schwierig ist, Führungsposition mit Familie zu vereinbaren. Gleichzeitig waren familienfreundliche Arbeitszeitmodelle wie Arbeitszeitkonten und individuell gestaltete Elternzeit 2016 viel stärker verbreitet als noch 2015. Defizite in der Personalentwicklung macht AFC noch in puncto Wissensmanagement und Potenzialanalyse aus. Dies vor allem im Hinblick darauf, dass immer mehr Fachkräfte in solche Aufgaben eingebunden werden, die bislang Führungskräften vorbehalten waren.

Beim Employer Branding geben sich die befragten Personaler selbst keine guten Noten. "Die Ernüchterung, dass nicht alle Employer-Branding-Projekte automatisch zum Erfolg führen, hat eindeutig eingesetzt", heißt es in der Studie. Die nachwachsenden Talente erwarteten heutzutage über eine gute und gelebte Unternehmenskultur hinaus klar aufgezeigte Perspektiven, die realistisch sind und gelebt werden.

Die Lebensmittelindustrie und insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel haben hier in den vergangenen Jahren in der Kommunikation und Präsentation aufgeholt. Der eher bodenständig geprägte Agrarsektor hat in diesem Bereich jedoch weiterhin erheblichen Nachholbedarf. "Als branchenübergreifend aktive Personalberatung, die sowohl im Agribusiness als auch in der Lebensmittelwirtschaft und im Einzelhandel erfolgreich rekrutiert, empfehlen wir, durchaus auch die regionale Prägung und den mittelständischen Charakter der Agrar- und Ernährungswirtschaft als USP herauszustellen", schreibt AFC.

Homepage Hauptmedium für Recruiting

Beliebtestes Tool für die Personalgewinnung ist für 91 Prozent der Personalverantwortlichen die "unternehmenseigene Homepage". Als erstaunlich gering bewertet AFC dagegen mit 34 Prozent die gezielte Ansprache durch soziale Netzwerke. Dies mag darin begründet sein, dass 65 Prozent der Befragten in ihnen zwar einen weiteren Rekrutierungskanal sehen, aber nur 35 Prozent glauben, auch tatsächlich mehr Bewerbungen zu bekommen. Für AFC spiegeln diese Ergebnisse die Schwierigkeit der befragten Personaler wider, die Effektivität der durchgeführten Social Media-Maßnahmen empirisch nachzuweisen. Dabei könne die Fähigkeit zur schnellen Nachjustierung den Arbeitgebern klare Wettbewerbsvorteile in der Ansprache verschaffen. Interessant: Xing nutzen 83 Prozent. Damit hat diese Plattform innerhalb des letzten Jahres Facebook (67 Prozent) in seiner Bedeutung überholt.

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