Unternehmenslenker unter Druck

von Redaktion LZ
Freitag, 04. Juni 2004
Jeder zweite CEO in Europa wird wegen mangelhafter Leistung ausgetauscht. Die Fluktuation hat in Deutschland inzwischen Rekordhöhe erreicht.



Im vergangenen Jahr wurde in jedem zehnten großen Unternehmen im deutschsprachigen Raum der CEO (Geschäftsführer/Vorstand) ausgetauscht, global lag die Rate mit 9,5 Prozent erstmals etwas niedriger.

Das belegt die Untersuchung der 2 500 weltweit größten Unternehmen durch die internationale Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Analysiert wurden die Zusammenhänge zwischen Unternehmensentwicklung sowie Art und Zeitpunkt des Ausscheidens der Chefs.

Besonders schlecht schnitten extern rekrutierte CEOs ab: 28 Prozent der weltweit abgelösten Topmanager und gar 58 Prozent im deutschsprachigen Raum kamen von außen. Mangelhafte Leistung eines Unternehmenslenkers verursachte global jeden dritten Wechsel - in Europa war dies der Grund für jeden zweiten Austausch des Geschäftsführers.

Zwar belegt die Studie weltweit ein verlangsamtes Fluktuationstempo. Es gilt jedoch weiterhin, dass Manager, welche die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, auf einem "Schleudersitz" sitzen. Europa und speziell Deutschland zeigen sich hier rigoros: Nahezu jeder zweite CEO-Wechsel 2003 erfolgte wegen mangelhafter Leistung.

Damit lag die Entlassungsrate von Spitzenkräften in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Weltweit ist die Rate unfreiwilliger Wechsel seit 1998 erstmals rückläufig, seit 1995 ist allerdings die Fluktuation von Spitzenmanagern um 170 Prozent gestiegen.

Gravierende Unterschiede zeigen sich zwischen den einzelnen Ländern: Während Spitzenreiter Japan eine CEO-Fluktuationsrate von 13,8 Prozent aufweist, liegt sie im deutschsprachigen Raum bei 10,2 Prozent, in Europa konstant bei 9,7 Prozent und in Nordamerika bei 9,6 Prozent.

Spitzenreiter ist Japan

Ein weiteres Ergebnis: Je verantwortungsvoller die Position, desto kürzer die Verweildauer an der Unternehmensspitze. Danach liegt die durchschnittliche Verweildauer 2003 weltweit bei 7,6 Jahren. Nordamerika hält seine CEOs mit 8,4 Jahren am längsten.

Europa bringt es auf nur rund 6,6 Jahre - ausgenommen der deutschsprachige Raum, wo Manager durchschnittlich 7,9 Jahre ihren Posten bekleiden. Unternehmenslenker, die zum Abdanken bewogen werden, waren bei ihrem Amtsantritt im Schnitt 49 Jahre alt.

CEOs, die dagegen auf "normalem Weg" in Rente gingen, waren bei ihrem Start durchschnittlich fünf Jahre älter. (ba)

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