Rohdiamanten unter den Mitarbeitern

von Judit Hillemeyer
Freitag, 25. Juli 2008
Die Wirtschaft hat Bedarf an Fach- und Führungskräften. Während Arbeitnehmer die Qual der Wahl haben, ist bei den Arbeitgebern die Sorge groß, dem konjunkturellen Aufschwung mit nicht ausreichend qualifizierten Mitarbeitern entsprechen zu können.



Über alle Wirtschaftszweige hinweg konzentrieren sich viele Unternehmen in Deutschland und Österreich darauf, verstärkt Potenziale aus den eigenen Reihen zu fördern, um dem zunehmenden Fachkräftemangel Paroli zu bieten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Personalsoftwareherstellers Atoss und der Dekra Akademie.

Fast alle Führungskräfte sind demnach der Meinung, dass noch etliche "Rohdiamanten" unter den Mitarbeitern im eigenen Haus sind: 89 Prozent der deutschen und 92 Prozent der österreichischen Unternehmen sehen einen Bedarf, ungenutzte Potenziale bei ihren Mitarbeitern zu entdecken und zu fördern. Wie die Untersuchung zeigt, bereitet die Umsetzung dieser Erkenntnis in Konzepte und Maßnahmen jedoch Probleme.

Insgesamt scheint es definierte Strukturen und Prozesse, mit denen mögliche Potenziale identifiziert werden können, in vielen Unternehmen nicht zu geben. Wo solche Strategien existieren, dominieren nach wie vor subjektive Verfahren wie Personalgespräche oder die Beurteilung der Führungskräfte. Objektive bereichsübergreifende Prüfungsverfahren, zum Beispiel anhand von Kennzahlen oder einem Mitarbeiterprofil zur Entdeckung und Förderung von Talenten, setzen hingegen weniger als die Hälfte der befragten Personalmanager ein.

Unabhängig von der Unternehmensgröße sind nach wie vor Personalgespräche die gängigste Vorgehensweise, um verborgene Potenziale bei den Mitarbeitern zu ermitteln. Sie kommen in fast jedem großen Unternehmen zum Einsatz (97 Prozent). Die Beurteilung von Führungskräften ist ein beliebtes Mittel, um Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar zu machen (88 Prozent). Vor allem große Produktionsfirmen schreiben mit 91 Prozent dem Feedback des Vorgesetzten eine Schlüsselrolle zu.

Neben Instrumenten wie dem Personalgespräch und der Beurteilung durch Vorgesetzte setzen die Unternehmen Strategien aus dem organisationstheoretischen Bereich um. Über die Hälfte der HR- und Linienmanager (58 Prozent) gibt an, bereichsübergreifend Unternehmensprozesse zu optimieren. Diese Vorgehensweise wird insbesondere von Produktionsunternehmen eingesetzt, um versteckte Ressourcen und Störfaktoren aufzudecken. Der Mittelstand arbeitet hier häufig mit institutionalisierten Verbesserungsprozessen.

Insgesamt 40 Prozent der Unternehmen nutzen Assessment-Center, um mehr über die Stärken ihrer Mitarbeiter zu erfahren. Sie sind in großen Unternehmen beliebt (49 Prozent) - in kleineren nur zu einem Viertel. Im Branchenvergleich liegen hier vor allem große Dienstleister und Produktionsbetriebe vorn.

Die Mehrheit bewertet klassische Personal-Instrumente wie Weiterbildung oder Personalplanung als sehr wichtig, um die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu fördern. Lösungen, insbesondere Systeme für Qualifikationsmanagement und Personaleinsatzplanung, sollen dabei unterstützen.

Innovative Arbeitszeitkonzepte für spezielle Mitarbeitergruppen, zum Beispiel für ältere Mitarbeiter oder berufstätige Eltern, finden bisher wenig Beachtung. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die demografischen Entwicklungen besteht aber genau hier Handlungsbedarf, betonen die Analysten. (juh)

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