Konzepte für ältere Mitarbeiter

von Redaktion LZ
Freitag, 29. September 2006
LZ|NET. Große Unternehmen bemühen sich angesichts des demographischen Wandels vermehrt um ältere Mitarbeiter und investieren. Erhaltung der Leistungsfähigkeit.



Fitness, Meditation und Schulungen - um ihre Mitarbeiter auch im Alter körperlich und geistig fit zu halten, lassen sich vor allem große Unternehmen viel einfallen.

Nach Aussage von Experten gehört die Integration der über 50-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt zu den wichtigsten Aufgaben, um die Folgen des demographischen Wandels aufzufangen.

Schon in wenigen Jahren werde es nicht mehr genug Nachwuchskräfte für bestimmte Jobs geben. Gleichzeitig wird der Anteil der Alten weiter deutlich steigen.

Die Alten und der Wettbewerb

"Die Wettbewerbsfähigkeit hängt im steigenden Maße von älteren Arbeitnehmern ab", sagt der Personalchef der Metro AG, Jürgen Pfister. Deshalb habe sich der Düsseldorfer Handelskonzern bereits vor mehreren Jahren von allen Altersteilzeit- und Vorruhestandsregeln verabschiedet.

Um die Leistungsfähigkeit der bundesweit rund 100.000 Mitarbeiter auf lange Sicht zu fördern, wurden 200 Führungskräfte mit der Umsetzung eines Gesundheitsprogramms beauftragt.

Ähnliche Maßnahmen hat auch der Autohersteller BMW getroffen. "Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter wird in den nächsten zehn Jahren um etwa fünf Jahre steigen", sagt Sprecherin Micaela Sieks. Firmeneigene Fitness-Center, Gesundheits- und Ernährungsberater oder ergonomische Arbeitsplätze sorgten schon jetzt für die entsprechende körperliche Leistungsfähigkeit.

Zudem investiert BMW 200 Millionen Euro jährlich in Aus- und Weiterbildung, um die Bereitschaft der Mitarbeiter für stete Veränderungen und lebenslanges Lernen aufrecht zu erhalten.

"Das Wissen muss alle fünf bis zehn Jahre neu aufgebaut werden", so Sieks. Nachdem viele Unternehmen über Jahre auf junge Mitarbeiter gesetzt haben und Personalchefs die Herausforderungen des demographischen Wandels gerne verdrängten, scheint sich der Trend allmählich umzukehren.

In Weiterbildung investieren

Während 2002 nur 49 Prozent der Betriebe in Westdeutschland und 51 Prozent der Unternehmen in den neuen Bundesländern über 50-Jährige beschäftigten, erhöhte sich dieser Anteil laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) innerhalb von zwei Jahren im Westen auf 51 Prozent, im Osten sogar auf 58 Prozent - Tendenz steigend.

"Inzwischen ist ein vorzeitiger Berufsausstieg für Arbeitnehmer viel teurer als noch vor fünf Jahren. Vor allem in Ostdeutschland können sich das viele Menschen nicht leisten", sagt IAB-Experte Lutz Bellmann.

Hinzu kommt schon jetzt der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs, der vor allem kleine und mittelständige Unternehmen trifft. "Die renommierten Konzerne schöpfen die guten Absolventen ab, der Rest geht zum Mittelstand", so Arbeitsmarktexperte Thomas Zwick vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Verantwortung wahrnehmen

Das Image, sie seien weniger attraktiv, könnten diese Firmen nur durch höhere Gehälter ausgleichen, was sich allerdings die wenigsten leisten könnten.

Doch selbst BMW hat unlängst verkündet: "Der Kampf um die Talente ist längst entbrannt." Auch im Ingenieursbereich, der besonders unter Nachwuchsmangel leidet, ist nach Angaben des Vereins Deutsche Ingenieure (VDI) die Zahl älterer Arbeitsloser zurückgegangen.

"Arbeitgeber schätzen das hohe Verantwortungsbewusstsein und die guten Fachkenntnisse der langjährig Berufserfahrenen", sagt VDI-Sprecher Sven Renkel. Er rät den Unternehmen, ältere Arbeitnehmer kontinuierlich weiterzubilden, neue Motivationsreize zu schaffen und Arbeitsbereiche altersgerecht anzupassen.

Die Lufthansa beispielsweise berät und schult in "Pro 40 Seminaren" speziell ältere Mitarbeiter. "Bei uns gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich innerhalb des Konzerns beruflich zu verändern und neue Herausforderungen zu suchen", so Sprecherin Karin Weber.

Trotz guter Ansätze: International liegt Deutschland nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung bei der Integration Älterer auf dem Arbeitsmarkt weit unter dem EU-Durchschnitt. Besonders in skandinavischen Ländern seien Personalchefs viel innovativer, was Weiterbildung oder präventive Gesundheitspolitik betrifft.

So wurde Finnland, dessen Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen in einem Jahrzehnt um ein Drittel gestiegen ist, Mitte September mit dem Carl Bertelsmann-Preis ausgezeichnet.

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