Privatisierung der Qualifizierung

von Redaktion LZ
Freitag, 19. Februar 2010
Forschung rund um das Thema Konsumgüter (Foto: WHU)
Forschung rund um das Thema Konsumgüter (Foto: WHU)
Henkel und die WHU - Otto Beisheim School of Management haben das Henkel Center for Consumer Goods aus der Taufe gehoben. Konzipiert ist es als interdisziplinäres Forschungszentrum für Konsumgüter.

"Das Henkel Center for Consumer Goods ist das erste fächerübergreifende Forschungszentrum dieser Art im deutschsprachigen Raum", erklärt Carsten Knobel, Corporate Senior Vice President bei Henkel und Beiratsmitglied des HCCG, anlässlich der Eröffnungsveranstaltung. Junior-Professor Tim Oliver Brexendorf leitet das Forschungszentrum. Er wird zusammen mit einem assoziierten Junior-Professor, Doktoranden und Studierenden Forschungsfragen rund um das Thema Konsumgüter bearbeiten. An den Start geht das Zentrum am 1. März auf dem Campus der WHU in Vallendar.

Henkel finanziert die leitende Juniorprofessur. Den zweiten Lehrstuhl unterhalten der Konzern und die WHU je zur Hälfte. Die beiden Doktorandenstellen fördert Henkel. Konkrete Forschungsaufgaben liegen noch nicht vor. Brexendorf und der Beirat diskutieren Themenfelder der Bereiche Marketing, Einkauf, Markenbewertung, Beschaffung und Controlling aus verschiedenen Perspektiven. Ziel ist es, Theorie und Praxis besser zu verzahnen, erläutert Martin Fassnacht, Lehrstuhlinhaber für BWL, mit dem Schwerpunkt Marketing und Handel an der WHU und Vorsitzender des Zentrumsbeirats.

Die Praxis des Sponsorings ist an deutschen Hochschulen keine Ausnahme mehr. Klamme Kassen machen es möglich. Insbesondere die Konsumgüterbranche sieht darin auch eine Chance, ihre in der Forschung unterrepräsentierte Branche wissenschaftlich stärker zu profilieren.

Die Dieter Schwarz Stiftung, Neckarsulm, unterstützt seit mehr als zehn Jahren Forschungseinrichtungen. Zusätzlich fördert die Schwarz-Stiftung Forschungsstipendien. Aktuell werden sieben Professuren finanziert. Dazu gehören beispielsweise die Stiftungsprofessuren für International Retail-Management sowie E-Business und E-Government an der Universität Mannheim. Die Förderung der Lehrstühle ist über mehrere Jahre zeitlich begrenzt. Anschließend erfolgt in der Regel die Übernahme des Lehrstuhls durch das Bundesland.

Lekkerland sponsert seit 2007 die Professorenstelle für Convenience an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. Den Lehrstuhl für "Distanzhandel und Marketing" an der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen richtete im vergangenen Jahr die Otto Group ein. Studienstart ist im September.

Aldi Süd zahlte die Sanierung beziehungsweise Ausstattung je eines Hörsaals an den Fachhochschulen Würzburg und Wiesbaden. Nicht nur Unternehmen auch Interessensgruppen sind aktiv. Der Markenverband gründete 2009 die Markenakademie an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. An der Uni Erlangen-Nürnberg hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen Hörsaal finanziert.

Henkel und die WHU kooperieren seit vielen Jahren. Sponsor und Adressat haben gleichermaßen Vorteile von der Studienförderung: Henkel profitiert von den Forschungsergebnissen und unterstützt das Zentrum mit Daten und Anregungen für Diplom- und Dissertationsthemen.

Auf dieser Basis wird es der Hochschule ermöglicht, den Studierenden über die Forschungstätigkeit "noch tiefere praxisbezogene Einblicke in die Konsumgüterindustrie zu vermitteln", heißt es. Zudem hat Henkel als Arbeitgeber Gelegenheit, frühzeitig "talentierte Hochschulabsolventen kennenzulernen".

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