Frauen sind benachteiligt

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Januar 2006
Deutsche Frauen haben die Männer im Bereich der schulischen Bildung überholt. Das geht aus dem "Frauen-Daten-Report 2005" des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.



Demnach beenden mehr als 40 Prozent der jungen Frauen ihre Schulausbildung mit dem Abitur. Bei ihren männlichen Altersgenossen sind es 37,8 Prozent. Zum Studienanfang und auch beim Hochschulabschluß sind Frauen und Männer gleich stark vertreten.

Und doch halten sich gravierende geschlechtsspezifische Unterschiede. Es gebe "eklatante Einkommensdifferenzen". Das Durchschnittseinkommen der Frauen, die Vollzeit arbeiten, ist in Westdeutschland 23 Prozent niedriger als das der Männer. In Ostdeutschland beträgt der Unterschied zehn Prozent.

Damit gehört Deutschland in der Europäischen Union zu den Schlußlichtern. Nur in Estland und der Slowakei ist die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern größer.

Stagnierende Angleichung

Zwar habe es in den vergangenen Jahrzehnten durchaus eine Angleichung der Einkommen gegeben, doch in den vergangenen Jahren habe sich das Tempo deutlich verlangsamt. Und im Osten öffne sich die Kluft gar wieder.

Frauen erreichten selten das Einkommen von Männern. Das unterschiedliche Lohnniveau lasse sich aber nur zum Teil durch strukturelle Differenzen wie Unterschiede in Qualifikation, Beruf oder Branchenzugehörigkeit erklären.

Der WSI-Report führt in seinen Berechnungen 32 Prozent der Einkommensunterschiede im Westen und 24 Prozent im Osten auf geschlechtsspezifische Diskriminierung zurück.

Der "Frauen-Daten-Report" liefert neben rund 60.000 aktuellen Daten und Fakten auch Analysen zu sieben zentralen Themenfeldern. Dazu gehören neben Bildung und Einkommen auch demographische Entwicklung, Arbeitsmarkt, Arbeitszeiten, soziale Sicherung sowie Politik und Gesellschaft.

Schlecht bezahlte Berufe

Frauen konzentrieren sich demnach nach wie vor auf Sozial- und Dienstleistungsberufe, die ein geringeres Ansehen haben und auch schlechter bezahlt werden.

Typische Männerbranchen wie Chemie, Bau und Druck sind dagegen relativ gut bezahlt. Zu den schlechter bezahlten Frauenbranchen gehören Hotel und Gaststätten, Bekleidung und Nahrungsmittel.

Niedriglohntätigkeiten wie im Friseur- und Floristenhandwerk sowie im Verkauf werden meist von Frauen ausgeführt. Bei Technikern und Ingenieuren dagegen dominieren Männer.

Seit der Vorlage des ersten WSI-Reports vor fünf Jahren stagniert die Frauenerwerbsquote. Sie liegt in Westdeutschland bei 66 Prozent. Der Beschäftigungszuwachs in den neunziger Jahren sei allein auf die Zunahme der Teilzeitarbeit zurückzuführen.

Zwischen 1991 und 2004 sank die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen um 1,6 Millionen. Die Zahl der Frauen mit Teilzeitarbeit nahm dagegen um 1,8 Millionen zu.

Drastisch gestiegen ist dabei der Anteil von Teilzeitjobs mit unter 15 Stunden die Woche. Rund 80 Prozent der kinderlosen Frauen in Deutschland sind erwerbstätig. Aber nur jede fünfte Frau mit Kindern unter 18 Jahren arbeitet Vollzeit. (juh)

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