In die Unternehmen kommt Bewegung

von Redaktion LZ
Freitag, 16. März 2012
Kathrin Menges, Henkel
LZ-Archiv
Kathrin Menges, Henkel
LZnet. Vier von fünf deutschen Unternehmen investieren in Programme zur Frauenförderung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Insgesamt betrachtet die Neuauflage der McKinsey-Studie "Women Matter" 235 große Unternehmen in acht europäischen Ländern.
Es geht voran. Zwar ist die Zahl der Frauen in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten im internationalen Vergleich nach wie vor gering, aber: "Die Unternehmen reden nicht nur über eine Erhöhung ihres Anteils, sie handeln auch", konstatiert Bettina Orlopp, Partnerin bei McKinsey und Leiterin der Woman-Matter-Studie.

Demnach engagieren sich vier Fünftel der hiesigen Großunternehmen inzwischen weitreichend in Sachen Frauenförderung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Damit liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt", so Orlopp.

Flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuung

Anke Giesen, Douglas
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Vor allem bei Infrastruktur und organisatorischer Unterstützung weiblicher Karrieren punkten sie im internationalen Vergleich: So gibt es bei 98 Prozent der größeren Unternehmen flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Möglichkeiten, 96 Prozent bieten Karriereflexibilität wie den reibungslosen Wechsel von Voll- in Teilzeit, 89 Prozent machen Kinderbetreuungsangebote.

Da die meisten dieser Maßnahmen allerdings erst seit 2010 eingeführt wurden, ist es kein Wunder, dass die Defizite der Vergangenheit sich nicht so schnell beseitigen lassen. Aber der Einsatz beginnt sich auszuzahlen, heißt es in der Studie. So waren immerhin 16 Prozent der im vergangenen Jahr neu besetzten DAX-Vorstände weiblich.

Für den Erfolg von Frauenförderung sei nicht die Anzahl der Programme entscheidend, sondern "die richtige Auswahl und die Qualität der Umsetzung", so Orlopp weiter.

Auf die Umsetzung kommt es an

Europäische Vorzeigeunternehmen mit einem hohen Anteil weiblicher Führungskräfte setzten mindestens 40 Prozent der Maßnahmen sehr effektiv ein, während diejenigen, die keine Fortschritte verzeichnen, nur 17 Prozent der Maßnahmen stringent umsetzten.

Frauenanteile auf verschiedenen Hierarchiestufen
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Ohne die Unterstützung des Managements geht es nicht: "Die sehr guten Unternehmen haben eine gelebte Kultur der Vielfalt, die vom Vorstand ausgeht." Zwar engagieren sich nach eigenen Angaben 80 Prozent der CEOs für die Erhöhung des Frauenanteils.

Auf der zweiten und dritten Hierarchieebene steht das Thema aber nur zu 34 beziehungsweise knapp 50 Prozent auf der Agenda. "Die besten Unternehmen geben dem Management klare Ziele vor", sagt Orlopp. Inzwischen rangiert Gender Diversity bei 41 Prozent der Befragten unter den Top 10 ihrer strategischen Ziele, bei weiteren 12 Prozent sogar unter den Top 3.

Das Management muss mitziehen

Gender-Diversity als Thema auf der Vorstands-Agenda
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Auch "transparente Bewertungs- und Beförderungsprozesse" seien geeignet, um weibliche Karrieren zu fördern. Deutsche Unternehmen hätten zwar etliche Richtlinien eingeführt, etwa Zielvorgaben für Frauenanteile auf bestimmten Positionen oder Bewertungssysteme, die unterschiedliche Führungsstile berücksichtigen.

Doch nur ein Viertel setze diese konsequent um. Am Controlling hapert es ebenfalls. Zwei Drittel der hiesigen Teilnehmer nutzen "nur wenige Indikatoren, um die Erfolge ihrer Maßnahmen zu messen", kritisiert Orlopp. Die Besten dagegen analysieren Gehaltsentwicklung, Beförderungsmuster oder die Teilnahme an Trainings – "und handeln entsprechend".

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