Debatte um Frauenquote lebt neu auf

von Redaktion LZ
Freitag, 28. Januar 2011
Prof. Dr. Ulrike Detmers
Agentur Baganz
Prof. Dr. Ulrike Detmers
LZnet. Frankreichs Entscheidung für einen verbindlichen Frauenanteil in Spitzengremien der Wirtschaft löst erneut Diskussionen aus. Aktuelle Zahlen des DIW geben Zunder.
Frauen in Führungspositionen halten in der Regel nichts von verordneten Quoten. So zum Beispiel Sabine Ment, Personalleiterin bei Globus, oder Petra Schäfer, Geschäftsleitungsmitglied bei dm.

Sie selbst wollen keine Quotenfrauen sein. Darunter stellen sie sich Kolleginnen vor, die nicht wegen ihrer Kompetenz, sondern qua Geschlecht eine bestimmte Stellung erreicht haben. Männer wie Real-Arbeitsdirektor Andreas Schrödinger sind ohnehin mehrheitlich gegen eine Vorschrift.

Mitinhaberin von Mestemacher ist anderer Ansicht

Anderer Meinung ist Prof. Dr. Ulrike Detmers. Die Mitinhaberin von Mestemacher beschäftigt sich seit Jahren mit der Frauenfrage – auf Topebene. Dabei ist sie immer rigoroser geworden.

"Frauen mit Fähigkeiten zum Spitzenmanagement sind es leid mitzuerleben, wie schlechter qualifizierte Männer an ihnen vorbeiziehen, nur weil diese zum Führungskader der Entscheider gehören.

"Noch dürfen sich die deutschen Männerbünde sicher fühlen beim Konservieren ihrer Macht", regt sie sich auf. Frankreich dagegen hat es geschafft, "den Schwestern Simone de Beauvoirs den Weg nach oben zu ebnen", kommentiert sie die Entscheidung im Nachbarland.

Dort beschloss die Nationalversammlung vor wenigen Tagen einen gesetzlich verankerten Frauenanteil in den Kontrollgremien der Wirtschaft.

Frische Nahrung erhält die Debatte auch vom aktuellen DIW-Managerinnen-Barometer. Es zieht für 2010 eine magere Bilanz: Aufsichtsräte und Vorstände befinden sich weiterhin fest in Männerhand, der Frauenanteil ist nur marginal angestiegen. Nach einer aktuellen Untersuchung liegt er in den Vorständen der Top-200-Unternehmen bei 3,2 Prozent, in den größten Dax-30-Unternehmen sogar bei 2,2 Prozent.

Frauenanteil nur marginal gestiegen

Ein deutliches Zeichen, dass freiwillige Selbstverpflichtung nicht reicht, interpretiert Elke Holst vom DIW. Und dass der Medienwirbel im Frühjahr um das Thema wenig bewirkt hat. Den hatte die Telekom ausgelöst mit ihrem Beschluss, den Frauenanteil im Vorstand zu erhöhen.

Auf dieser Ebene steht Deutschland besonders schlecht da. In Schweden, Frankreich und USA, aber auch in China, Brasilien und Russland gibt es mehr weibliche Vorstände als hierzulande.

Angesichts des "nur mit der Lupe erkennbaren Fortschritts schließe ich eine gesetzliche Regelung nicht mehr aus", meldete sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen im "Manager Magazin" zu Wort.

Die Firmen sind also gut beraten, wenn sie entsprechende Konzepte in der Tasche haben. Denn die Frist läuft. EU-Kommissarin Viviane Reding hat sie kürzlich auf Ende des Jahres datiert.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats