Partnerwahl auf hohem Niveau

von Judit Hillemeyer
Freitag, 31. März 2006
Verkaufsgespräch bei Fressnapf, Foto: Fressnapf
Verkaufsgespräch bei Fressnapf, Foto: Fressnapf
Fressnapf expandiert. Allein 80 neue Läden sind im vergangenen Jahr in Europa an den Start gegangen, davon 57 in Deutschland. Die unternehmerischen Wachstumspläne brauchen eine ebensolche Personalstrategie.



Das Expansionstempo will Fressnapf in diesem Jahr halten. Rund 50 weitere Märkte sind in Deutschland geplant. Zehn neue Läden haben seit Jahresbeginn ihre Pforten geöffnet.

Steigende Marktzahlen gehen mit einem steigenden Mitarbeiterbedarf einher. Allein hierzulande sind 2005 mehr als 400 neue Arbeitsplätze entstanden, in den Läden, der Zentrale und Logistik.

180 Menschen sind für das Nachschubwesen zuständig. Die Personalverantwortung trägt die Fressnapf Logistik GmbH. 170 Angestellte beschäftigt die Krefelder Zentrale. Mittels Franchisesystem betreiben in Deutschland 250 Partner 575 Märkte (Stand: Ende 2005). Zehn neue Partner kamen hinzu. Eine ähnliche Zahl wird 2006 erwartet.

Drum prüfe, wer sich bindet

Das Auswahlverfahren ist gestaffelt. Voraussetzung sind Startkapital und mehrjährige Einzelhandelserfahrung. Bei einer Gesamtfinanzierung von 200.000 Euro pro Markt sollten die Kandidaten 35.000 bis 40.000 Euro als Eigenkapital mitbringen, so Stefan Schropp, Ressortleiter Vertrieb Deutschland. Er ist zuständig für die Bewerberwahl.

Initiativbewerbungen bilden das Gros. Über einen Online-Bewerbungsbogen wird eine Vorauswahl getroffen. Die Region, in der der Kandidat tätig werden möchte, muss mit der Unternehmensstrategie übereinstimmen. Im Wesentlichen lautet die Philosophie "erst das Wer und dann das Was und Wie", sagt Michael Zirbes, Ressortleitung Personal/Administration.

Zwischen 20 und 25 Kandidaten werden zu "Franchise-Interessenten-Veranstaltungen" (FI) eingeladen. Sie finden vier Mal im Jahr statt. Dort "kristallisieren sich die entsprechenden Kandidaten heraus", weiß Schropp. Mit ihnen wird ein Bewerbungsgespräch in Krefeld geführt.

Lernen und einarbeiten

Das Spektrum der Franchisenehmer reicht vom Zahnarzt bis zum Industriearbeiter. Die Auserwählten werden vorab erfahrenen Fressnapf-Einzelhändlern an die Seite gestellt. Bei ihnen lernen sie künftige Arbeitsanforderungen im Markt kennen. Zunächst geschieht das parallel zum bisherigen Job und zieht sich über mehrere Monate.

Bei dem Tempo, das Fressnapf vorlegt, übernehmen häufig bewährte Franchisenehmer zusätzliche Märkte. Hier wird vor allem deren Liquidität und Profitabilität geprüft. Der Größte unter ihnen nennt 20 Märkte sein eigen. Je größer und je mehr Läden, desto eher sind die Partner mit Unternehmens- und Personalführung beschäftigt. Die Ladengröße reicht von 400 bis über 1.200 qm.

Zentrale Hilfe aus Krefeld

In Fragen rund um die Mitarbeiter wirkt die zentrale Personalabteilung unterstützend. Sie bietet Musterarbeitsverträge. Zudem gibt es ein Kompendium zu Regelungen wie Arbeitszeiten, Urlaub, Krankheitsfälle und Kündigung.

Den Wissenstransfer will Zirbes sukzessive ausbauen. Alle Basisanforderungen sollen Ende 2006 vorliegen. "Wir erarbeiten standardisierte Instrumente für unsere Partner", sagt Zirbes. So soll 2007 ein Konzept zur Personalrekrutierung vorliegen. In Sach-, Fach- und Führungsfragen bildet die neue Fressnapf-Akademie Partner und Mitarbeiter weiter.

Auf der Agenda des Fachdiscounters steht auch das Thema Personaleinsatzplanung. Im April startet das Projekt. Dabei geht es um die klassische Fragestellung, den Personaleinsatz und die -kosten zu optimieren.

Betreuen und beraten

Trotz des umfangreichen Betreuungsangebotes können Franchisenehmer scheitern, was allerdings laut Schropp "nur sehr selten" geschehe. Und im ersten Jahre komme es schon gar nicht zu Problemen. "Die Ursache liegt dann in einer privaten Überschuldung".

Das passiere, wenn ein Partner erst die Luxuskarosse kauft und ihn dann die Steuernachzahlung kalt erwischt. Darauf versucht der Außendienst, die Unternehmer systematisch hinzuweisen. Vorsorge heißt die Devise. Neun Betreuer sind hier die Ansprechpartner der deutschen Franchisenehmer.

Aktivitäten im Ausland

Fressnapf expandiert auch im europäischen Ausland. "Pro Jahr wollen wir in zwei neuen Ländern aktiv werden", so Martin Luntscher, Fressnapf-Geschäftsführer Finanzen, Personal, IT. Für Mai ist der erste Markt in Irland geplant. Ende des Jahres folgt Spanien.

In den Ländern werden in der Regel mit einem Master-Franchisepartner Landesgesellschaften gegründet, an der Fressnapf Mehrheitsanteile hält. Über diesen Weg werden nationale Filialen eröffnet.

"Die Expansion ist so leichter zu steuern", sagt der Geschäftsführer. Die Partner sind für die Besetzung der Leitungsfunktion in den Regiemärkten sowie für die operative Expansion zuständig. Sie müssen neben Englisch die Landessprache sprechen und mit der nationalen Kultur und Mentalität vertraut sein. "Wir prüfen sie auf hohem Niveau", sagt Luntscher.

(juh)

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