Freundliches Team aus lauter Unternehmern

von Horst Wenzel
Freitag, 14. Mai 2010
Der 2009 gestartete Einpack-Dienstleister Friendly Service operiert jetzt als eingetragene Genossenschaft. Die Oberbayern reagieren damit auf Kritik, die ihrem Geschäftsmodell den rechtlich ungeklärten Einsatz von "Null-Euro-Jobbern" vorwarf.
"Die Genossenschaft behält das bisherige Verdienstkonzept bei", stellt Unternehmensgründer Martin Lettenmeier gegenüber der LZ klar. Will heißen: Die aktuell 300 für Friendly Service aktiven Schüler und Studenten erhalten als Entgelt nach wie vor ausschließlich Trinkgelder, die ihnen von Kunden des LEH beim Checkout an der Kasse freiwillig gegeben werden. Wie bisher wird jede Einpack-Kraft in jedem Monat nur so oft eingesetzt, dass das erzielte Trinkgeld – pro Stunde zwischen 7 und 13 Euro – unter dem sozialversicherungsfreien Betrag von 340 Euro bleibt.

Dennoch glaubt Lettenmeier, die Ende 2009 aufgekommene Kritik (lz 51-09), "Null Euro-Jobber" auszubeuten, entkräftet zu haben. Argument: Als Genossen seien die Einpackhelfer nicht etwa nur lose an Friendly Service gebundene Jobber, sondern selbstständige "Mini-Unternehmer" die zudem am Unternehmensgewinn beteiligt sind.

Am Gewinn beteiligt


Der gelernte Theologe Lettenmeier gründet seine Unternehmensphilosophie stark auf pädagogische und soziale Motive. Das Einpacken an Kassen des LEH ist für ihn eine Art Traineeprogramm, das wichtige persönliche Kompetenzen für den späteren Berufsstart vermittelt. Die Schüler- und Studententeams würden mittels intensiver Schulungen auf den Kundenkontakt am Einsatzort LEH-Kasse vorbereitet, heißt es in Ingolstadt.

Nach dem Verlust der beiden ursprünglichen Partner Budnikowsky und Edeka Nordbayern Thüringen Sachsen ist Friendly Service aktuell
noch in 20 Märkten der Edeka Südbayern aktiv. Bei den ebenfalls in Ingolstadt ansässigen Handels-Genossen stehen die Einpack-Genossen in recht gutem Ruf. "Wichtig ist, dass ein Angebot aus Kundensicht ein Service-Plus bringt. Eben dies ist bei Friendly Service der Fall", bekundet Alexander Hippach auf Anfrage der LZ.

Service-Plus aus Kundensicht


Laut dem Unternehmenssprecher erhält Edeka Südbayern aus allen mit Einpackteams besetzten Märkten "nur positives Feedback". Friendly Service sei ein "absolut innovatives und zudem bahnbrechendes" Angebot, heißt es. Auch persönlich erntet Martin Lettenmeier reichlich Lob. Hippach beschreibt ihn anerkennend als kreativen, dynamischen und selbstbewussten Unternehmer, der sich, mit Widerständen gegen sein Geschäftsmodell konfrontiert, "nicht so leicht unterkriegen lässt".

Hippach zufolge war der jetzt vollzogene Wandel von Friendly Service zur Genossenschaft keine von Edeka hinsichtlich einer weiteren Kooperation gestellte Bedingung. Der Unternehmenssprecher lässt aber durchblicken, dass Edeka Optimierungen des "einzigartigen Service-Angebots", die kritischen Einwänden wirksam begegnen, wohlwollend begrüßt.

Den Einpackdienst weiter auszurollen, sei grundsätzlich möglich, ist in Ingolstadt zu hören. Laut Hippach hängt die Entscheidung im Einzelfall jedoch von Faktoren wie der persönlichen Einstellung von Regiemarktleitern und selbstständigen Kaufleuten sowie der Marktgröße und dem Standort ab.
(hdw)

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