Führungskräfte gesucht Personalberater in Hochstimmung

von Julia Wittenhagen
Donnerstag, 04. Mai 2017
Input für Recruiter: Die Personalberater Regina Ruppert und Wolfram Tröger führten durch den Kongress des BDU.
Input für Recruiter: Die Personalberater Regina Ruppert und Wolfram Tröger führten durch den Kongress des BDU.
Der Fachkräftemangel ist bei Personalberatern gut fürs Geschäft. Die Besetzung von hoch dotierten Fach- und Führungspositionen mit Digital-Know-how spülte fast zwei Milliarden Umsatz in ihre Kassen.

Deutlich mehr Mandate und besser bezahlte Positionen haben Unternehmen im letzten Jahr in die Hände von Personalberatern gegeben. Diese besetzten 62 500 Stellen (plus 9 Prozent) mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 150 000 Euro. Trotz gleich bleibendem Honoraranteil von 25,6 Prozent des Jahreseinkommens klingelten daher die Kassen. Das zeigt die Marktstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen (BDU).

Wichtiger Treiber ist die Suche nach Führungskräften und Experten mit digitalem Know-how. Für mehr als elf Prozent Mandatszuwachs sorgte die Konsumgüterindustrie. Bis eine Position besetzt ist, vergehen im Schnitt zwölf Wochen, "teilweise dauert es aber auch dramatisch länger", hieß es bei der Präsentation. BDU-Vizepräsidentin Regina Ruppert empfahl ausdrücklich ihren Berufsstand, um bei der Diversität im Unternehmen Fortschritte zu machen. Denn sowohl beim Anteil platzierter weiblicher Kandidaten (plus 25 Prozent), Kandidaten über 50 Jahre (plus 34 Prozent) sowie Mitarbeitern mit Migrationshintergrund (plus 8 Prozent) hätten Personalberater Fortschritte erzielt.

Deutlich erkennbar ist für sie und den Vorsitzenden des BDU-Fachverbands Personalberatung, Wolfram Tröger, dass Unternehmen eigene Recruiting-Teams ausbauen für die Besetzung von Stellen unterhalb von 100 000 Euro Jahresgehalt. "Sie werben teilweise gezielt Mitarbeiter aus Personalberatungen ab, um selbst professioneller im Active Sourcing zu werden", sagte Tröger. Dabei haben Beratungen bei guter Prognose für 2017 selbst einen wachsenden Personalbedarf - derzeit vor allem mittelgroße Anbieter.

"Unsere Klienten müssen sich um Kandidaten noch stärker bemühen", ist Regina Ruppert überzeugt. "Wenn ein Bewerber heute zum Gespräch kommt, hat er sich noch längst nicht für das Unternehmen entschieden." Es gehe vielmehr darum, sich auf Augenhöhe umeinander zu bemühen. "Früher habe ich im Gespräch mit Kandidaten 60 bis 70 Prozent meiner Zeit damit verbracht, sie kennenzulernen. Heute wende ich diese Zeit auf, um ihm oder ihr den Arbeitgeber näher zu bringen", beschreibt Tröger die veränderten Vorzeichen.

Auf dem Personalberatertag war die Digitalisierung der Beratungstätigkeit selbst großes Thema. "Hätten wir Big-Data-Analysten im Research-Team, würde uns das sicher gut tun, um Potenziale zu heben", zeigte sich Fabian Kienbaum offen für Veränderung. Christina Langen von Dr. Heimeier und Partner findet neue Organisationsformen und New-Leadership-Unternehmenskulturen herausfordernd. Nur wenige Personalberatungen seien in der Digitalwirtschaft aktiv.

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