Führungspositionen Teilzeit als lebenslange Babypause

von Roswitha Wesp
Donnerstag, 14. Januar 2016
Wenn Frauen führen, kommen sie meist nicht über das mittlere Management hinaus. Wie eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt, ist die Luft für Frauen in Führungsetagen dünn.

Hätten Frauen die gleichen Aufstiegschancen wie Männer, müssten sie um 40 Prozent mehr im Spitzenmanagement vertreten sein, heißt es in der Studie. Selbst in weiblich dominierten Branchen wie Gesundheit, Erziehung und Unterricht (76 Prozent Frauenanteil) ist weniger als die Hälfte der Positionen im Spitzenmanagement von Frauen besetzt.

Besonders gering ist der Anteil von weiblichen Top-Führungskräften in der Finanzbranche. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten sind dort Frauen, aber nur ein Viertel der mittleren Führungsetage ist weiblich besetzt. An der absoluten Spitze der Finanzbranche finden sich nur 11 Prozent.

Zwar stieg der Anteil weiblicher Hochschulabsolventen von 1994 bis 2014 signifikant auf 51 Prozent an, der Anteil der Frauen in Führungspositionen aber nahm kaum zu, so die BCG. "Die Wertschöpfung könnte bis zu 8 Prozent steigen, wenn die Potenziale der Frauen auf dem Arbeitsmarkt aktiviert würden, auch die Arbeitskräftelücke könnte um 35 Prozent verringert werden", so die Studienmacher.

Frauen ohne Kinder dominieren in Top-Positionen

Faktisch hat Deutschland demnach kaum Fortschritte gemacht. Noch bis 2001 sei das Gegenteil zu beobachten gewesen. Doch Frauen ohne Kinder schaffen es heute dreimal häufiger in die Topmanagement-Positionen.

Frauen übernehmen in Deutschland laut Studie nach wie vor mehrheitlich die Familienarbeit und sind deutlich häufiger in Teilzeit beschäftigt – "ohne jemals wieder in die Vollzeitbeschäftigung einzusteigen".

Daran änderten auch flexible Arbeitszeitmodelle nichts. Vor allem in der karriererelevanten Altersphase zwischen 30 und 40 Jahren steige der Anteil von Frauen in Teilzeit massiv an und ende in einer "lebenslangen Babypause".

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