Top-Gehälter für Einkäufer

von Redaktion LZ
Freitag, 30. Juni 2006
LZ|NET. Deutschlands Einkäufer verdienen gut, vor allem, wenn sie für Discounter arbeiten. Das ergaben LZ-Recherchen rund um die Zentralen des Lebensmitteleinzelhandels.



Aufschluss über die Einkommen der Einkäufer im Handel gibt der kürzlich veröffentlichte Jahresabschluss 2004 der Aldi Süd Einkaufs GmbH & Co. OHG, Mülheim. Dort werden für Löhne und Gehälter, ohne Sozialabgaben des Arbeitgebers, 17,7 Mio. Euro ausgewiesen. Beschäftigt werden 173 Personen, im Schnitt sind das pro Kopf mehr als 100.000 Euro.

Bezogen auf die von Unternehmenskennern auf rund 40 geschätzte Zahl "echter" Einkäufer in drei Hierarchieebenen erhöht sich dieser Wert auf gut das Doppelte. Darin eingeschlossen sind "sehr ordentliche" Dienstfahrzeuge, wie Besucher der Aldi-Zentrale zu berichten wissen.

Damit dürfte Aldi Süd, was die Gehälter der Einkaufsmanager angeht, in Deutschland an der Spitze liegen. Knapp dahinter liegen Aldi Nord und Lidl. Es folgen nach Einschätzungen von Brancheninsidern die Discounter Plus, Netto, Norma und Penny.

Prämien und Pkw gehören dazu

LZ-Recherchen zufolge kann ein Einkaufsassistent oder Junioreinkäufer in den Einstiegsjahren bereits mit 40.000 bis 70.000 Euro Jahresverdienst rechnen.

Als Verantwortliche für eine Warengruppe können professionelle Einkäufer dann schon mit 80.000 bis 150.000 Euro Salär kalkulieren, Prämien und Pkw inklusive.

Und auf der Stufe der Bereichsleiter für Frische, Trockensortiment oder Nonfood zahlen die Händler je nach Zuschnitt und Bedeutung 175.000 bis 250.000 Euro.

Deutlich darüber liegen die Einkaufschefs, die je nach Unternehmensorganisation schon auf der Ebene Spartenchef, Geschäftsführung oder Vorstand agieren. Hier wird in so manchen Großorganisationen die Millionengrenze erreicht.

Auch innerhalb des Discounts finden sich Ausreißer, die sich mit ihrem Know-how gut am Markt positioniert haben. Besonders der Wechsel von discountorientierten Unternehmen zu Vollsortimentern ist diesen oft einen Bonus wert, bekommen sie doch so entsprechendes Wissen ins Haus. Auch dies ein Grund für die gute Entlohnung im Discount, sie soll ein massenhaftes Abwerben verhindern.

Hinter den Discountern rangieren in Gehaltsfragen die SB-Warenhaus-Unternehmen/-Sparten. Erst danach kommen die traditionellen Supermarktbetreiber, die den unteren Rand des Spektrums beschreiben. Die Unternehmensgröße an sich ist dabei kein wesentlicher Faktor. Gehälter spiegeln Marktverhältnisse wider #/ZT#Die Gehälter spiegeln nicht nur die dynamischen Marktverhältnisse wider, sondern auch die Anforderungen, die in den Unternehmen gestellt werden.

Trotz der höheren Zahl an Artikeln, die im Vollsortimentsbereich verhandelt werden müssen, sehen Personalberater diese Tätigkeit als weniger herausfordernd an. Viele seien dort nur als "Ordersatzlisten-Abhaker" eingesetzt, die für jeden Haken hinter einem Artikel einen Werbekostenzuschuss einbringen.

Demgegenüber seien im Discount echte Produktprofis am Werk, die sich bis ins letzte Detail bezogen auf Qualität und Packaging mit dem Produkt befassen. Hinter weniger Artikeln steht ein gleichwohl höherer Umsatz, die Verantwortung, hier richtig zu entscheiden, ist essentiell.

Ausnahmen machen die Vollsortimenter in den für sie so wichtigen Frischebereichen.

Unterschiede bleiben

Hier werden höhere Gehälter gezahlt, was von Branchenkennern zum einen mit dem Hinweis auf die höhere Komplexität des Tagesgeschäftes erklärt wird. Zum anderen seien dort aber eigenwillige und unternehmensschädigende Manipulationen eher möglich, heißt es. Die Anfälligkeit dafür werde durch entsprechende Gehälter bewusst minimiert.

Unterschiedlich halten es die Handelsunternehmen mit den Prämien. Bei Lidl, Kaufland und Plus gibt es nach Brancheninformationen angeblich keine. Die zu erbringende Leistung wird erwartet und zu festen Sätzen honoriert. Gleichwohl zeigt man sich bei Kaufland für innovative und finanziell erfolgreiche Verbesserungsvorschläge der Einkäufer erkenntlich.

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