Gehaltserhöhungen sind derzeit moderat

von Redaktion LZ
Freitag, 13. August 2004
LZ|NET. Nach wie vor vergütet die Konsumgüterbranche im Vergleich zu anderen überdurchschnittlich gut. Doch der Split zwischen einer fixen und variablen Vergütung nimmt tendenziell zu. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Towers Perrin in ihrer aktuellen Analyse.



Eine unternehmensinterne Vergütungsgerechtigkeit innerhalb der Konsumgüterbranche ist vielen Unternehmen ein Anliegen, sagt Carsten Arns, Senior Consultant bei der Unternehmensberatung Towers Perrin in Frankfurt.

Ausgewogene Gehälter seien ein "hehres Ziel", das bei tarifnahen Funktionen durchaus zu realisieren sei.

Doch sobald Funktionen den Charakter von "Alleinstellungsmerkmalen" besitzen - und dies sei neben Funktionen der ersten und zweiten Hierarchieebene sowie im Vertrieb und Marketing der Fall - sei dies nicht mehr möglich.

Funktionen und Aufgaben

Funktionen wie die eines "Product Managers" oder "Key Account Managers" gelten in Konsumgüterunternehmen als erfolgsentscheidend. Sie seien oftmals unternehmensintern höher angesehen und werden somit höher vergütet als Funktionen aus den Bereichen Finanzen, Personal und Logistik.

Erfolgskritische Funktionen sind bei Wettbewerbsunternehmen in sehr ähnlicher Ausprägung vorhanden und dadurch über Unternehmensgrenzen hinweg vergleichbar.

Die "Austauschbarkeit" bestimme letztendlich auch den Marktpreis der Einzelfunktion. Je leichter eine bestimmte Position zu besetzen ist, desto niedriger wird sie vergütet im Vergleich zu Positionen, die schwer zu besetzen sind.

Der Split zwischen fixer und variabler Vergütung nimmt tendenziell zu - ohne, dass sich dies bislang auf die Gesamtvergütung auswirke. Diese wurde in den letzten Jahren nur moderat angepasst, so Arns.

Nach wie vor bewege sich die Vergütungshöhe innerhalb der Konsumgüterindustrie in der oberen Hälfte im Vergleich zu anderen Branchen.

Unterschiede ergeben sich aber bei genauerer Betrachtung zwischen Töchtern internationaler Konzerne und deutschen Unternehmen, sagt Thomas Müller, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei Towers Perrin in Frankfurt.

Vergleichbare Positionen

So bezahlten ausländische Unternehmen ihre Mitarbeiter im Schnitt besser als deutsche. Kaum ein Unterschied sei zwischen großen und kleinen Unternehmen festzustellen - solange vergleichbare Positionen betrachtet werden.

Untersucht wurden insgesamt vier Arbeitsbereiche: Support, Corporate und Engineering, Sales und Account Management und Supervisory/Management. Untereinander verglichen wurden dreißig außertarifliche Funktionen à drei bis vier verschiedenen Levels.

Diese "Consumer Goods Datenbank" erstellte das amerikanische Beratungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt Mitte dieses Jahres. Der Vergütungsvergleich von insgesamt vierzehn Unternehmen aus der Nahrungs- und Getränkeindustrie sowie von Genussmittel-, Tiernahrungs- und Hygieneartikelherstellern wurde von den Teilnehmern initiiert.

Darunter sind beispielsweise Bahlsen, Campbells, Nestlé und Wrigley. Unter den Befragten waren sechs deutsche und acht Töchter ausländischer Firmen. Vier davon beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter, fünf zwischen 500 und 2 000 und weitere fünf Unternehmen mehr als 2 000 Angestellte.

Die Initiatoren der Untersuchung verfolgen mit dem "Gehaltsindikator" zwei Strategien: Bei Neueinstellungen das vorhandene Gehaltsniveau zu wahren oder deutlich mehr zu zahlen als der Wettbewerb.

Dienstwagen ist wichtig

Nach wie vor gelte der Dienstwagen als Statussymbol Nummer eins. Aufgrund des höheren Wiederverkaufswertes und günstigerer Kraftstoffpreise werden, speziell bei so genannten Funktionsfahrzeugen, vor allem Dieselfahrzeuge eingesetzt.

Der Kauf von Dienstwagen nehme gegenüber dem Leasing zunehmend ab. Nur noch sehr wenige Unternehmen kaufen die Autos. Die traditionelle Beschränkung auf bestimmte festgelegte Referenzfahrzeuge und Modelle mit vier Türen, in gedeckten Farben, keine Gelände- oder Sportwagen, wird nur von wenigen Unternehmen aufgeweicht.

Noch immer wird der Dienstwagen eher als Nutzfahrzeug im Sinne der Firma und weniger als Mitarbeiterbindungs- und Rekrutierungsinstrument eingesetzt.

Es dürfte kaum überraschen, dass deutlich mehr Männer Führungsfunktionen besetzen. Der weibliche Anteil sei nur im Marketing erwähnenswert hoch, dies ist aber in anderen Branchen ebenso.

Die Studie von Towers Perrin unterscheide sich von anderen Methoden der Stellenbewertung darin, dass ausschließlich die Funktion betrachtet wurde, betonen Müller und Arns.

Die einzelnen Karrierestufen wurden durch folgende Kompetenzen für die Erfüllung einer Funktion beschrieben: Fachkenntnisse, Businessorientierung, Erarbeitung und Präsentation von Lösungen und Arbeitsbeziehungen.

Moderate Gehaltssteigerungen

In ihrer Prognose für das Jahr 2005 glauben die Analysten der Unternehmensberatung, dass die Grundgehaltserhöhungen "erneut sehr moderat bei zirka 3 Prozent" liegen werden.

Bei einigen Unternehmen werde diese Marke "definitiv nicht erreicht", denn insgesamt könne sich die Branche dem allgemeinen wirtschaftlichen Trend nicht entziehen.

Im Vergleich zu anderen Branchen bestehe aber für einen Großteil der Mitarbeiter die Chance, das Einkommen über den variablen Anteil der Vergütung durch die eigene Leistung zu optimieren.

Einen Ausbau der vorliegenden Datenbasis mit weiteren Teilnehmern plant Towers Perrin für Herbst diesen Jahres. Vorgesehen ist die Auswertung zusätzlicher Funktionen aus Vertrieb und Marketing wie beispielsweise Head of Trade Marketing und Head of Category Management.

Im aktuellen Stadium umfasst der Vergütungsvergleich mehr als 2 500 Datensätze. Die exakten Studienergebnisse sind nur den teilnehmenden Firmen zugänglich.

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