Generation Z Realismus ersetzt Karriere-Illusionen

von Silke Biester
Freitag, 13. Januar 2017
Eigene Vorstellungen: Berufseinsteiger im Alter zwischen 15 und 25 Jahren erwarten schnelles mobiles Internet am Arbeitsplatz so selbstverständlich wie Wasser und Strom.
VGstockstudio/Shutterstock
Eigene Vorstellungen: Berufseinsteiger im Alter zwischen 15 und 25 Jahren erwarten schnelles mobiles Internet am Arbeitsplatz so selbstverständlich wie Wasser und Strom.
Mit dem Nachwuchs strömt jetzt die Generation Z in die Unternehmen. Personalverantwortliche, Führungskräfte und Kollegen müssen sich auf eine Jugend einstellen, die klare Strukturen sucht – und nicht Flexibilität wie ihre Vorgängergeneration Y. Den Arbeitgebern treten sie mit Selbstbewusstsein und Pragmatismus entgegen.

Als Auszubildende oder Absolventen mit Studienabschluss werden zunehmend Nachwuchskräfte eingestellt, die einem Arbeitgeber mit gänzlich anderen Erwartungen begegnen, als es bei jungen Erwachsenen gerade noch üblich war. Sie glauben nicht an das Karrieremodell früherer Generationen und lassen sich nicht durch die gleichen Anreize motivieren, die sich die Personalabteilungen über viele Jahre hart erarbeitet haben. Das erfordert erneut ein Umdenken in Unternehmen, die als Arbeitgeber für die aktuell 15- bis 25-Jährigen attraktiv sein wollen.

Die auch als Millenials bezeichneten sind nicht nur mit dem Computer, sondern vielmehr mit dem Smartphone aufgewachsen, das sie ohne triftigen Grund niemals aus der Hand legen würden. Eine schnelle, möglichst mobile Internetverbindung ist für sie ebenso selbstverständlich wie Strom und fließend Wasser. Smarte Kommunikation wollen sie nicht nur privat pflegen, sondern auch während der Arbeit – in vielen Unternehmen ist das bisher aber nicht unbedingt gern gesehen. Wer jedoch Talente anlocken und binden will, muss sich künftig umstellen.

Christian Scholz, Professor an der Universität des Saarlandes und Experte für Personalmanagement, hat die Merkmale der Z-ler als erster genauer beschrieben und die Unterschiede zu den Y-ern herausgearbeitet: Das Thema Work-Life-Balance beispielsweise – das in manchen Unternehmen gerade erst Einzug hält – ist den zwischen 1980 und 1995 Geborenen wichtig, die an Karriere und Selbstverwirklichung im Beruf glauben.

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Die Jüngeren begegnen der Arbeit mit ausgeprägtem Realismus und suchen nach Sicherheit, Spaß und Sinn. Sie haben erkannt, dass die Träume ihrer Vorgänger nicht aufgegangen sind. Vorbilder bezüglich Erfolg, Karriere und gleichzeitige Vereinbarkeit mit privatem Glück sind nicht vorhanden.

Statt nach Flexibilität streben sie deshalb nach klaren Strukturen – für sich erkennend, dass feste Arbeitszeiten und -orte zugleich auch sicherstellen, wann der geregelte Feierabend beginnt. Ständige Erreichbarkeit kann dem erfüllten Privatleben im Wege stehen, deshalb bevorzugen sie die Abgrenzung. Auch ziehen sie ein klar definiertes Gehalt der variablen Vergütung vor, die von den vorangegangenen Nachwuchstalenten noch gern gesehen war.

Längst gibt es verschiedene Studien zur aktuellen Jugend mit ähnlichen Ergebnissen. Sowohl das Sinus-Institut als auch die Shell-Studie belegen, dass die steigende Komplexität der Welt den Drang nach Sicherheit verstärkt. Pragmatismus ersetzt Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Man schaut sich ganz genau an, was ein Unternehmen bietet. Warum auch sollte man dem Arbeitgeber treu bleiben, wenn beispielsweise unbefristete Verträge den Älteren vorbehalten bleiben?

Konstruktives Feedback gewünscht

Spaß bei der Arbeit sowie Anerkennung und Freude werden immer wichtiger, zeigt die Generationenstudie 2016 von K&A Brand Research. Leistungsbereitschaft – aber nicht um jeden Preis, so lautet ein Fazit. Die Generation Z erwartet konstruktives Feedback von den Vorgesetzten. Sie geht davon aus, dass der Chef sich um sie kümmert – und nicht umgekehrt.

Grundsätzlich gilt die Gruppe als weniger wettbewerbsorientiert. Doch als Teamspieler tun sich ihre Vertreter auch nicht wirklich hervor. Sie haben vor allem sich selbst im Fokus. Für die eigenen Ziele sind sie bereit, hart zu arbeiten – aber nicht unbedingt am Wochenende.

Christian Scholz plädiert für eine neue Perspektive im Umgang mit den ganz jungen Mitarbeitern: Während Personalentwickler die Generation Y fragen "Wie sehen Sie sich selber auf ihrer Karriereleiter? Welche Schritte sollten die nächsten sein?" sei es ratsam, bei Z die Frage zu stellen: "Wie sehen Sie ihre generelle Entwicklung? Was brauchen Sie an Hilfe?"

Statt die Erfolgserlebnisse im Job herauszufiltern, gelte es eher zu ergründen, was am meisten Spaß gemacht hat. Für die Bindung und Zufriedenheit rückt stärker in den Fokus, 0b der junge Beschäftigte sich wohl fühlt, als ob er ausreichend gefordert wird.

Aufgezogen von der Generation X

Die veränderten Einstellungen der Generation Z werden unter anderem darauf zurück geführt, dass sie von der Generation X erzogen wurden – und nicht von den Babyboomern, wie die Generation Y. Die Babyboomer haben, der eigenen Erfahrung kontinuierlichen Wirtschaftswachstums folgend, ihren Kindern das Motto "alles ist möglich" mitgegeben.

Dagegen haben X-Eltern ihrem Nachwuchs dazu geraten, im Job das zu tun, was sie gut können – wohl wissend, dass nicht ganze Kohorten, sondern nur die Besten unter ihnen wirklich erfolgreich sind. Insbesondere bei der Generation Z haben die Eltern einen großen Einfluss auch auf Entscheidungen wie die Auswahl des Arbeitgebers.

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