Globus im Clinch mit Verdi

von Mathias Vogel
Freitag, 25. März 2011
Der Großfächen-Spezialist Globus sorgt derzeit für Ärger bei der Belegschaft des Hockenheimer Real-Hauses. Globus wird die Fläche Anfang April übernehmen, will die tarifliche Zusagen, die der Vorbesitzer macht, aber nicht erfüllen.
Die Situation ist verzwickt: Globus wird zum 1. April ein weiteres Haus aus dem Bestand der Metro-Tochter Real übernehmen und will sich im Zuge dieser Übernahme von der Tarifbindung auf dieser Fläche abkoppeln, zumindest in der Anlaufphase, in der das Haus noch Verluste zu verkraften hat.

Insgesamt wurde die Übertragung von 14 Real-Häusern vereinbart, deren Immobilien sich im Besitz des ehemaligen Massa-Gründers Karl-Heinz Kipp befinden. Zwei davon, das Haus in Kaiserslautern und das in Bobenheim-Roxheim wurden bereits 2008 übergeben. Beide wurden damals aus der Tarifbindung gelöst. Allerdings enthält die Erklärung von Real zum Betriebsübergang in Hockenheim nach § 613a an die 150 Mitarbeiter eine Klausel, dass genau das dort nicht passieren wird.

Intensive Verhandlungen

Unternehmensführung und Betriebsrat befinden sich daher nun gemeinsam mit Verdi in intensiven Verhandlungen um eine Einigung zu finden. Wie die aussehen kann, ist aber noch völlig offen, weil noch nicht alle rechtlichen Grundlagen geklärt sind.

Grundsätzlich haben Unternehmen des Einzelhandels die Wahl, ihre Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband mit oder ohne Tarifbindung zu gestalten. Im Falle Globus gibt es beide Modelle. Wie das Unternehmen einräumt, werden aktuell zehn der insgesamt 40 SB-Warenhäuser ohne Tarifbindung geführt. Auch die von Distributa übernommenen Hela-Baumärkte wurden Anfang des Jahres aus der Tarifbindung genommen.

Ob eine Zweiteilung in einem Unternehmensbereich überhaupt möglich ist, noch dazu in dem gleichen Bundesland, gilt es nun zu klären. Verdi-Tarifexperte Rüdiger Wolff rechnet bis Ende des Monats mit einer Lösung. "Wir bei Verdi vertreten die Auffassung, dass das nicht möglich ist. Globus würde damit einen Präzedenzfall schaffen."

Bezahlung nach dem Flächentarif

Was die Bezahlung betrifft, richtet sich Globus bis jetzt in allen Häusern nach dem Tarif. "Eine Abkehr vom Tarifvertrag ist für uns nur die Ultima Ratio", versichert Globus-Geschäftsführer Johannes Scupin auf Anfrage der LZ. Laut Beschluss der Geschäftsführung bleibe Globus jedenfalls bei seinen Zahlungen im Flächentarif.

Allerdings bewegt sich Globus hinsichtlich der Arbeitszeiten teilweise bereits außerhalb der tariflichen Vorgaben. So wurde die wöchentliche Arbeitszeit in den Häusern ohne Tarifbindung teilweise schon auf 40 Stunden hochgeschraubt. (mv)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats