Bonus ohne Nebenkosten

von Redaktion LZ
Freitag, 15. Juli 2011
Sachleistung: Eine Vielzahl von Gutscheinangeboten kann sehr flexibel eingesetzt werden. Der Umtausch in Bargeld ist aber ausgeschlossen.
LZ Screenshot
Sachleistung: Eine Vielzahl von Gutscheinangeboten kann sehr flexibel eingesetzt werden. Der Umtausch in Bargeld ist aber ausgeschlossen.
LZnet. Der Bundesfinanzhof vereinfacht die Belohnung von Beschäftigten durch Gutscheine. Arbeitnehmer und Arbeitgeber begrüßen die neuen Möglichkeiten.
Seit der Bundesfinanzhof (BFH) die Vergabe von Gutscheinen vor einiger Zeit abschließend bewertet hat, ergeben sich neue Möglichkeiten, das Personal mit einem kleinen Bonus zu belohnen: Bis zu einer Grenze von 44 Euro pro Monat kann das Gehalt steuer- und nebenkostenfrei mit flexibel einsetzbaren Wertmarken aufgebessert werden.

Zuvor konnten Gutscheine nur als Sachleistungen kostenneutral eingesetzt werden. Sobald ein Euro-Wert genannt war, wurde die zusätzliche Gabe als "geldwerter Vorteil" eingestuft. Die Folge: Nur ein Teil des vom Arbeitgeber ausgegebenen Geldes kam beim Mitarbeiter an.

"Bereits in der Vergangenheit haben wir Wertgutscheine zum Beispiel zu besonderen Anlässen wie einer Hochzeit vergeben", berichtet ein Sprecher der Metro AG von einer branchenweit üblichen Praxis. "Diese galten aber lohnsteuerlich als Barlohn."

Sachbezug statt Barlohn

In Zukunft sind sie bis zur genannten Grenze ein "Sachbezug". Denn der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass dieser Fall immer dann vorliegt, wenn der Gutschein nicht direkt in Bargeld umgewandelt werden kann. Wo und gegen welche Ware genau der Wert eingelöst wird, spielt dagegen keine Rolle mehr.

Benzin ist kein Barlohn

Benzin ist kein Barlohn

In der Vergangenheit landeten Missverständnisse bei der Einstufung eines an Mitarbeiter ausgegebenen Gutscheins als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Barlohn oder aber als kostenneutraler Sachbezug regelmäßig vor Gericht.

Die folgenden Fälle haben zu einer Neubewertung durch den Bundesfinanzhof geführt.

Ein Arbeitgeber hatte seinen Mitarbeitern eine Tankkarte überlassen und das Recht eingeräumt, bis zu 44 Euro auf Kosten des Unternehmens zu tanken. Für diesen Sachlohn wurden keine Steuern und Nebenkosten abgeführt. Das Finanzamt beurteilte die Zuwendung jedoch als Lohn und stellte Nachforderungen.

In einem anderen Fall hatte ein Unternehmen seinen Mitarbeitern erlaubt, 30 Liter Benzin zu tanken, und erstattete die Kosten. Auch dies bewertete das Finanzamt anders als der Arbeitgeber.

Aufgrund dieser und anderer ähnlich gelagerter Fälle hat der Bundesfinanzhof die Urteile der Vorinstanzen jüngst aufgehoben. Er stellte abschließend klar, dass von einem Barlohn nur dann auszugehen sei, wenn der Angestellte anstelle des Benzins oder einer anderen Ware auch den Gegenwert in bar wählen könnte.



Einige Anbieter flexibel einsetzbarer Gutscheinmodelle freuen sich bereits auf einen neuen Markt, den sie erschließen wollen. Jürgen Eylert, Vorstand des Geschenkkarten-Spezialisten Retailo AG, rechnet vor, dass ein Unternehmen durch die systematische Integration im Entlohnungssystem eine Menge Geld sparen kann: Damit ein Angestellter, der beispielsweise einen Bruttolohn von 3000 Euro bekommt, monatlich 44 Euro mehr Netto erhält, müsste sein Gehalt auf 3088 Euro angehoben werden.

Dem Arbeitgeber würden durch Steuer und Sozialversicherungsleistungen Kosten von insgesamt 105 Euro entstehen. Demgegenüber stehen Gutscheinkosten von 44 Euro, die der Arbeitnehmer in vollem Umfang ausgeben kann.

Dienstleister verbessern Angebote

Dieser Betrag kann bei Unternehmen wie Aral, Amazon, Ikea, Douglas, Otto, Toom und vielen mehr eingelöst werden. Vergleichbare Konzepte werden auch von anderen Anbietern wie zum Beispiel Maxchoice und Bonago angeboten, die ebenfalls jüngst beim DGFP-Kongress versuchten, den Personalverantwortlichen ihr jeweiliges System schmackhaft zu machen.

Eylert weist darauf hin, dass die 44-Euro-Grenze unabhängig von Rabatten gilt, die etwa steuerneutral bis zu einem Freibetrag von 1080 Euro beim Personaleinkauf gewährt werden.

Regelmäßige Gutscheingaben dürfen als Ergänzung zum Gehalt allerdings erst im Zusammenhang mit einer Lohnerhöhung festgeschrieben werden. Keineswegs sollten Arbeitgeber das bestehende Gehalt zugunsten der neuen Variante verringern.

Die Gewerkschaft Verdi weist zudem darauf hin, dass eine solche Entlohnung nur als übertariflicher Gehaltsbaustein in Frage kommt und empfiehlt zudem eine Abstimmug mit dem Betriebsrat. Sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, steht die Gewerkschaft den neuen Möglichkeiten aber sehr aufgeschlossen gegenüber: "Das ist ein Sahnehäubchen aufs Gehalt."

Verdi und HDE begrüßen Entscheidung

Der Handelsverband Deutschland (HDE) als Interessenvertretung der Arbeitgeberseite teilt diese Einschätzung: "Die neue Rechtsprechung vereinfacht den Einsatz von Gutscheinen", bestätigt ein Sprecher. "Das erhöht die Attraktivität dieses Instruments."

Die Gefahr einer gerichtlichen Auseinandersetzung, die es in der Vergangenheit aufgrund des Interpretationsspielraums der vorherigen Regelung häufiger gegeben hatte ( s. Kasten), dürfte durch die neue Auslegung des Bundesfinanzhofs deutlich reduziert sein.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats