Handel entdeckt Networking für HR

von Redaktion LZ
Freitag, 28. September 2012
Fachkräftepool: 2 500 Mitglieder zählt die Gruppe „Karriere im Handel“.
Fachkräftepool: 2 500 Mitglieder zählt die Gruppe „Karriere im Handel“.
LZnet. Penny und Kaufhof haben Xing als Talent-Pool entdeckt. Networking-Profis zeigen ihnen den Weg vom Personaler zum Beziehungsmanager auf.
Soziale Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin sind schon seit längerem eine Spielwiese für Headhunter. Die Personalabteilungen vieler Unternehmen dagegen sind noch immer zurückhaltend. Der Discounter Penny und der Warenhausbetreiber Kaufhof treiben das Thema nun voran.

Unterstützt werden sie von den Netzwerk-Profis Felicitas Stegemann-Jäger und Gerd Zerwas, deren Beratungsunternehmen "Fe Stegemann Business Relations Marketing" und "The Matchmaker" auf den Aufbau umfangreicher Fachkräfte-Pools spezialisiert sind.

Fokus auf Handel und IT

Auf der Kundenliste finden sich einige weitere Händler, denn durch den Fokus auf diese Branche einerseits und auf den IT-Bereich andererseits erreichen sie einen Personenkreis, der am Arbeitsmarkt besonders begehrt ist.

Handelserfahrung: Fe Stegemann-Jäger
Anders als klassischen Headhuntern geht es Stegemann und Zerwas nicht nur kurzfristig um die Besetzung einer freien Stelle, sondern um die langfristige Kontaktpflege mit potenziellen Kandidaten. Sie befähigen zudem die Personalleiter dazu, das Business-Networking für ihr Unternehmen selbst zu betreiben.

Ein Workshop macht mit den Gepflogenheiten im Netz vertraut

Am Anfang eines gemeinsamen Projekts steht in der Regel ein Workshop, bei dem die Beteiligten sich mit den Anforderungen, Möglichkeiten und Gepflogenheiten virtueller Netzwerke vertraut machen. Nur wenn die Mitarbeiter aus dem HR-Team aktiv dabei sind, geht die Netzwerk-Strategie auf. "Die handelnden Personen müssen beziehungsbereit sein", stellt Stegemann-Jäger klar.

IT-Background
Die Kandidaten schauen ihrerseits sehr genau hin, wie sich andere Mitarbeiter ihres potenziellen nächsten Arbeitgebers im Social-Web präsentieren. Christopher Ranft, Leiter Human Resources beim zur Rewe Group gehörenden Discounter Penny, macht deshalb auf seinem persönlichen Xing-Profil deutlich, wen er für sein "Team in Aufbruchstimmung" im Auge hat: "Ich suche motivierte Gestalter, die mit uns gemeinsam den erfolgreichen Penny-Markt von morgen entwickeln wollen."

1.700 Bezirksleiter haben ein Xing-Profil

Besonders gut tauge die Herangehensweise für Positionen, die von einem Arbeitgeber häufig besetzt werden müssen, so die Berater. Beispielsweise stehe die Suche nach Bezirksleitern für manches Handelsunternehmen permanent auf der Tagesordnung.

Wer sich bei Xing auskennt und über eine "Recruiter-Mitgliedschaft" verfügt, die dem Nutzer der Plattform spezielle Suchfunktionen bereithält, der findet rund 1.700 Menschen, die als Bezirksleiter im Handel tätig sind. Knapp 600 von ihnen geben in ihrem Xing-Profil an, dass sie "an Karrierechancen interessiert sind".

Sofern im Kundenkreis der Networking-Spezialisten ganz konkret eine solche Stelle offen ist, wird dieser Personenkreis direkt angeschrieben und auf die Vakanz aufmerksam gemacht. Rund zehn Prozent reagieren. Davon sind wiederum zehn Prozent auch aus Unternehmenssicht passend, so die Erfahrung der Experten.

Dienstleister bahnen die Kontakte an

Bei einer solchen Kampagne übernehmen die Dienstleister die zeitraubende Aufgabe, die Kontakte anzubahnen und die Profile zu sichten. Wenn das Interesse geweckt ist, klopfen sie weitere Details in einem persönlichen Telefonat ab, bevor dann die direkte Empfehlung an den Personalverantwortlichen eines Unternehmens erfolgt.

"Networking muss man mit Feingefühl betreiben", sagt Zerwas. "Deshalb sprechen wir immer nur die Personen gezielt an, die uns ein Signal gegeben haben, dass sie dafür aufgeschlossen sind."

Über das kurzfristige Recruiting hinaus streben sie den dauerhaften Aufbau eines Fachkräfte-Pools an. Dazu gehört unter anderem die Einladung in die Gruppe "Karriere im Handel", "Karriere in der IT" oder "Karriere für Frauen", die von Stegemann-Jäger und Zerwas moderiert werden.

Als Co-Moderatoren ist neben anderen Personalern auch Moritz Gamon von Galeria Kaufhof dabei, der für sein Unternehmen so die Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe weckt.

Kaufhof nutzt die Gruppe "Karriere im Handel"

In der Gruppe "Karriere im Handel" tummeln sich immerhin mehr als 2.500 potenzielle Kandidaten. Der Kaufhof-Rekruter stellt sein Xing-Profil in den Dienst des Warenhauses. Wenn er die Xing-Felder "Ich suche" oder "Ich biete" mit aktuellen Vakanzen bestückt, kann dies seine mehrere hundert Personen lange Kontaktliste erreichen und darüber hinaus Unbekannte, die auf sein Profil aufmerksam werden. Sein aktuelles Angebot: Eine Position als Abteilungsleiter oder Stellvertreter im Lebensmittel-Gourmetbereich.

"Die Personalgewinnung über Netzwerke ist eine ergänzende Maßnahme zu konventionellen Wegen", erklärt Stegemann-Jäger. Und weil es im Berufsleben immer Bewegung gibt, zahle sich das Networking oftmals erst viel später aus: "Jemand, der heute in seinem Job zufrieden ist, will sich vielleicht in ein oder zwei Jahren doch verändern", gibt Zerwas zu bedenken.

Deshalb sei strategisches Networking auch in puncto Mitarbeiterbindung interessant. Schließlich weisen unzählige Xing-Mitglieder mit der Angabe "Suche neue Herausforderung" offen darauf hin, dass sie auf dem Absprung sind. Unternehmen, die dies im Blick haben, könnten auf den drohenden Personalverlust vorbeugend reagieren.

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