Der verkannte Riese auf dem Arbeitsmarkt

von Britta Rosbach
Freitag, 03. August 2007
In der Öffentlichkeit ist es mit dem Image des Einzelhandels nach wie vor nicht zum Besten bestellt. Doch die wenigsten wissen: Die Branche hat als stationärer Arbeitgeber in Deutschland enorme Bedeutung.



Mehr als 2,7 Mio. Menschen verdienen dort ihren Lebensunterhalt. Im vergangenen Jahr erzielten die Handelsbeschäftigten einen Umsatz von 565,4 Mrd. Euro - ein knappes Viertel des Bruttoinlandsprodukts.

Wegen der Zersplitterung in zahllose Märkte und Standorte quer über die Republik kann man sich die dahinterstehende Wirtschaftskraft kaum vorstellen. Doch die Zahlen zeigen es: Der Einzelhandel ist für Deutschland einer der wichtigsten Jobanbieter. Nach Berechnungen des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels beschäftigt die Branche insgesamt über 2,7 Mio. Menschen.

Zieht man Daten des Statistischen Bundesamtes über ausgewählte Wirtschaftsbereiche hinzu, bieten die Retailer - nach dem Gesundheits- und Sozialwesen - die meisten Arbeitsplätze. Erst dahinter folgen Maschinenbau, Banken und Versicherungen sowie die Automobilindustrie.

Leider beruht das etwas sperrige Unternehmensregister aus Wiesbaden noch immer auf Angaben von 2004. Zudem stimmen die Einzelhandelsdefinitionen des HDE und des Statistischen Bundesamts nicht überein. Von daher ist ein direkter Vergleich nur bedingt möglich.

Doch Tatsache bleibt: Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist der stationäre Einzelhandel eine zentrale Größe. Allein für die Edeka-Gruppe arbeiten hierzulande 253.000 Beschäftigte, bei der Rewe Group sind es 183.600, bei der Metro Group 130.000. Damit können die üblichen Verdächtigen unter den führenden deutschen Unternehmen nicht mehr mithalten.

So arbeiten in Deutschland für Siemens etwa 161.000 (weltweit: 475.000), für VW 94.000 (weltweit: 324.000) oder für BMW rund 76.000 (global: 106.575) Menschen. Infolge des hohen Rationalisierungsdrucks ist die Tendenz weiter fallend. Künftig wird das verarbeitende Gewerbe noch mehr Arbeitsplätze abbauen oder in Billigproduktionsländer verlagern.

Der stationäre Einzelhandel hat diese Möglichkeiten nicht. Glücklicherweise lassen sich Verkäufer wohl kaum flächendeckend durch Serviceroboter ersetzen. Insbesondere bei jungen Jobsuchern sind diese Berufsperspektiven wenig bekannt. Obwohl viele Retailer in Sachen Employer Branding an Unis oder auf Messen verstärkt für sich trommeln, gehören die Retailer bei den meisten Absolventen nicht zu den Wunscharbeitgebern. Das sind wie gehabt BMW, Porsche, Siemens & Co. (br)

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