Handel stellt hohe Anforderungen

von Redaktion LZ
Freitag, 29. April 2011
Vielfältig: Vorgesetzte müssen im Handel auch die Handgriffe der Mitarbeiter beherrschen. Auf der Karriereleiter wachsen die Anforderungen. Eine Spezialisierung findet kaum statt.
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Vielfältig: Vorgesetzte müssen im Handel auch die Handgriffe der Mitarbeiter beherrschen. Auf der Karriereleiter wachsen die Anforderungen. Eine Spezialisierung findet kaum statt.
LZnet. Der Handel reagiert auf veränderte Rahmenbedingungen mit neuen Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten. Die Anforderungen an Mitarbeiter wachsen.
"Hat der Handel künftig noch genügend Auswahl an potenziellen Nachwuchsführungskräften?" Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Workshops mit Personal- und Bildungsverantwortlichen des Handels, zu dem das Institut für Arbeit und Organisation (IAQ) der Universität Essen/Duisburg eingeladen hat.

Im Zentrum der Diskussion standen aktuelle Studienergebnisse, die Dorothea Voss-Dahm und Christine Franz in Zusammenarbeit mit acht namhaften Branchenvertretern wie Edeka, Globus, Expert und Intersport sowie Verbänden und Bildungseinrichtungen erarbeitet haben.

Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte ähneln sich
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Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte ähneln sich

Demnach ist im Handel eine Abflachung der Hierarchien zu beobachten. Infolgedessen tragen nicht nur Führungskräfte immer mehr Verantwortung. Auch die Anforderungen an andere fest angestellte Mitarbeiter steigen.

Gefragte Allrounder

Das Gehalt jedoch entwickle sich oft nicht in gleichem Maße. Unterhalb der klassischen Angestelltenebene weite sich zudem das Segment der Minijobs und Niedriglohnarbeiter aus.

Insbesondere auf den ersten Stufen der Karriereleiter seien Allrounder gefragt, die in jeder Hinsicht immer mehr zu bewältigen haben: Fachwissen, berufliche Fertigkeiten, soziale Kompetenz, Denk- und Organisationsfähigkeit sowie Kenntisse in der Mitarbeiterführung werden erwartet. Hinzu kommen körperliche Anforderungen.

Azubis werden knapp

Diese multiple Belastung lasse den Handel im Vergleich zu anderen Branchen für potenzielle Nachwuchsführungskräfte weniger attraktiv erscheinen. Bei den Mitarbeitern führe sie zu Überforderung. Spezialisierung gebe es bei Retailern erst in echten Top-Positionen.

Als Grund für die Veränderung machen die Forscherinnen den Wettbewerb, Kostendruck sowie den demografischen Wandel aus. Der Handel müsse sich darauf einstellen, dass künftig weniger Bewerbungen für Ausbildungsplätze eingehen, denn es werde immer weniger Haupt- und Realschüler geben, aber mehr Abiturienten.

Lebenslanges Lernen

In Vorbereitung darauf sei bereits zu beobachten, dass die Branche zunehmend Einstiegspositionen für Mitarbeiter mit höherer Schulbildung schafft und an Weiterbildungskonzepten feilt. Voss-Dahm und Franz stellen jedoch in Frage, ob die Maßnahmen ausreichen werden, um den Führungsnachwuchs zu sichern. Denn das Image des Handels sei bezüglich der Gehälter, Arbeitszeiten und hohen Anforderungen eher schlecht.

Eine weitere Möglichkeit sehen sie darin, gezielt ältere Mitarbeiter weiterzubilden – Stichwort "lebenslanges Lernen". Großes Potenzial gebe es insbesondere bei Frauen, deren Kinder bereits größer sind. Bei der Mitarbeiterentwicklung werde in manchen Unternehmen schon nicht mehr von "Nachwuchs" , sondern nur von "Führungskräften" gesprochen.

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