Transfergesellschaft gibt Starthilfe

von Redaktion LZ
Freitag, 25. Februar 2005
Das Handels-Colleg gilt als "Mutmacher" für entlassene Mitarbeiter. Seit über drei Jahren bietet das Team Qualifizierung, Transfer und Jobvermittlung aus einer Hand. Arbeitsmarkt-Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt.



Die Berichterstattung über Transfergesellschaften ist Petra Ehrlicher, Leiterin des Handels-Collegs, zu einseitig. "Darüber wird pauschal negativ berichtet, ohne die positiven Ergebnisse zu berücksichtigen." Seit dem Jahr 2002 arbeitet der Bildungsträger mit externen Partnern bei Qualifizierungen zusammen.

Diese Kooperationen waren, auch bezogen auf die Eingliederungsraten in den ersten Arbeitsmarkt, so erfolgreich, dass die Bildungsangebote durch die Dienstleistung "Transfergesellschaften" ergänzt wurde.

Für Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen müssen, beispielsweise durch Abteilungs- oder Standortschließungen, bietet das Handels-Colleg-Team die laut aktueller Gesetzgebung möglichen Übernahmen in Profiling und Transfer an.

Die Gehälter für die Teilnehmer setzen sich ab diesem Zeitpunkt für die Betroffenen folgendermaßen zusammen: 60 bis 68 Prozent des letzten Einkommens übernimmt das Arbeitsamt, den Rest stockt der abgebende Betrieb nach Vereinbarung auf. Schwerpunkt aller Maßnahmen ist vor allem die unbedingte Praxisorientierung.

In allen Qualifizierungs- und Transfermaßnahmen übernimmt das HandelsColleg die Verantwortung, mindestens 70 Prozent der Teilnehmer in spätestens einem halben Jahr nach Ablauf in den Arbeitsmarkt vermittelt zu haben - eine große Aufgabe.

Alle Team-Mitglieder fühlen sich der Philosophie "aus der Praxis für die Praxis" verpflichtet. "Es reicht nicht aus, jeden Zweiten in einen Job zu vermitteln", so eine Kursleiterin. "Wir haben es uns zum Ziel gemacht, die 70-Prozent-Hürde unbedingt zu schaffen."

Das Angebot der Qualifizierungen richtet sich an Zielgruppen aller Bereiche des Handels - von der Erstausbildung/Umschulung mit IHK-Prüfung über Trainings für Kaufleute bis zu Management-Seminaren für Führungskräfte.

Das Team bietet "gezielte Hilfe zur Selbsthilfe". "In erster Linie geht es beim Transfer um die mentale Betreuung," beschreibt Susanne Brandau, selbst Teilnehmerin in einer Transfermaßnahme im Handels-Colleg, den Nutzen.

Wenn man die Kündigung erhalte, im Anschluss persönliche Dinge aus dem Büro zusammenpacken und gleichzeitig den Schlüssel für das Dienstfahrzeug und das Firmen-Handy abgeben muss, dann sei es wichtig zu wissen, "da ist ein Platz für mich, ich werde nicht in die Isolation geschickt". Das sei für die Betroffenen das Allerschlimmste.

Während für Transfer-Teilnehmer zunächst das gute Gefühl des Aufgehobenseins zählt, ist es die Aufgabe des Teams in Qualifizierungsmaßnahmen, die Arbeitslosen möglichst zeitnah in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln und gleichzeitig zu qualifizieren - bis hin zu anerkannten Prüfungsabschlüssen.

In den Transfermaßnahmen ergeben sich mögliche individuelle Qualifizierungen aus den vorgeschriebenen Profiling-Einzelgesprächen: von EDV-Seminaren bis hin zur Typ- und Stilberatung für den neuen Job. Bei der aktuellen Transfermaßnahme, an der auch Susanne Brandau teilnimmt, liegt die Vermittlungsquote nach der Hälfte der Laufzeit bereits bei 54 Prozent.

Das Angebot von Unternehmen, gekündigten Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, kann mehrere Gründe haben. So ist es beispielsweise eine Frage des Images und der sozialen Verantwortung - ein verantwortungsvoller Arbeitgeber kümmert sich um seine Mitarbeiter, gerade auch, wenn sie entlassen werden müssen.

Das sorgt für sozialen Frieden. Der Verbleib jedes Einzelnen in der Transfermaßnahme kann doppelt so lang sein wie seine Kündigungsfrist. Also "Starthilfe" statt nur "Abfindung", was finanziell für das Unternehmen nicht teurer sein muss.

Wie wichtig die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die Mitarbeiter sein kann, beschreibt Susanne Brandau: "Ich bin überzeugt, dass zwei Drittel der Teilnehmer es nicht so schnell, nicht so erfolgreich, vielleicht sogar überhaupt nicht geschafft hätten, wieder Perspektiven am Arbeitsmarkt für sich zu sehen."

Die Betroffenen erkennen schnell, dass sie diese Zeit nutzen müssen, weil sie sonst keine vergleichbare Begleitung erhalten: von der Jobrecherche über die perfekte Bewerbungsunterlage bis zum individuellen Bewerbermanagement.

Auch das Üben von Vorstellungsgesprächen gehört zum Programm des Handels-Collegs - sowohl bei den Qualifizierungen als auch im Transfer.

Klassisch "arbeiten" dürfen die Handels-Colleg-Absolventen während ihrer Zeit im Colleg natürlich nicht, aber Praktika sind erwünscht, werden erwartet und sind oftmals der schnellste Weg, woanders wieder Fuß zu fassen. (ba)

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