Besser für den Handelsalltag gewappnet

von Redaktion LZ
Mittwoch, 05. Mai 2004
LZ|NET. Nach gut einem Jahrzehnt der Bemühungen um eine Neuordnung der Einzelhandelsberufe haben nun der HDE, Rewe, Metro und Douglas zusammen mit der BAG einen Entwurf vorgelegt, der zum großen Wurf werden soll. Ziel ist es, den Berufsbildern zu mehr Attraktivität zu verhelfen und gleichzeitig den Bedürfnissen der Ausbildungsbetriebe gerecht zu werden.



Die klassischen Ausbildungsberufe Verkäufer und Einzelhandelskaufmann werden modernisiert. Der vorliegende Entwurf setzt auf Flexibilität und Gestaltungsfreiheit der ausbildenden Handelsunternehmen.

Insgesamt elf Jahre hat der Gestaltungsprozess gedauert, der nun unter dem Druck der Bundesregierung Form angenommen hat. Entstanden ist das vorliegende Konzept unter Federführung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Zusammenarbeit mit Handelsunternehmen, Verbänden und der Gewerkschaft Verdi.

Ersetzt werden damit Berufsverordnungen, die aus den Jahren 1987 (Einzelhandelskaufmann) und 1968 (Verkäufer) stammen. Der vorliegende Entwurf wurde vergangenen Montag rund 80 Vertretern des Einzelhandels und der Handelsverbände in Berlin vorgestellt.

Noch ist er nicht rechtskräftig. Bis Ende Mai soll die vorliegende Fassung alle weiteren Gremien durchlaufen und mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres Rechtsgültigkeit erlangen.

Zwei qualifizierte Abschlüsse

Grundsätzlich bleiben die zwei berufsqualifizierenden Abschlüsse Verkäufer und Einzelhandelskaufmann erhalten. Auch an der Ausbildungsdauer von zwei beziehungsweise drei Jahren wurde nichts geändert.

Inhaltlich wurden Mindestanforderungen festgeschrieben, die dem Handel mit seinen unterschiedlichen Vertriebsformen gerecht werden sollen, so Wilfried Malcher, Geschäftsführer der Bereiche Arbeit, Tarif, Bildung und Soziales beim HDE.

In der praktischen Ausbildung rücken beide Ausbildungsberufe stärker als bisher zusammen. Wesentliche Elemente der neuen Verordnung sind so genannte Pflicht- und Wahlpflichtbausteine, deren Kombination das auszubildende Unternehmen bestimmt.

Die Wahlpflichtbausteine werden so gewählt, dass sie den inhaltlichen Anforderungen der einzelnen Vertriebsformen entsprechen. Sie müssen in den neuen Ausbildungsverträgen festgeschrieben werden. Dementsprechend richten die Industrie und Handelskammern die Abschlussprüfungen aus.

Die Festschreibung der Wahlpflichtqualifikationen erfolgt in Abstimmung mit dem Betriebsrat - vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres, rät Horst Zöller, Leiter der zentralen Personalentwicklung bei der Rewe Zentral AG.

Die Pflichtqualifikationseinheiten sind für beide Ausbildungsberufe klar geregelt: Der Ausbildungsbetrieb vermittelt den Umgang mit Information und Kommunikation sowie die Grundlagen in Beratung und Verkauf, Marketing und Rechnungswesen, Warenwirtschaft, Warensortiment und die Anforderungen für den Servicebereich Kasse.

Zum Pflichtprogramm addieren sich Wahlpflichtqualifikationen. Vorgesehen sind beim Einzelhandelskaufmann acht Module. Der Ausbildungsbetrieb legt hier drei pro Quartal fest.

Schwerpunkte bestimmen

Zur Auswahl stehen Beratung und Verkauf, beschaffungsorientierte Warenwirtschaft, warenwirtschaftliche Analyse, kaufmännische Steuerung und Kontrolle, Marketing, IT-Anwendungen, Personal und Grundlagen unternehmerischer Selbstständigkeit.

Bei den auszubildenden Verkäufern stehen vier Wahlqualifikationen zur Verfügung: Warenannahme und Lagerung, Beratung und Verkauf, Kasse sowie Marketing. Festgeschrieben wird ein Baustein pro Quartal.

Diese Module stehen auch bei der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann zur Verfügung.

Nicht nur bei der Festlegung der Wahlpflichtbausteine ist der Händler gefragt. Auch bei der Warenkunde werden neue Akzente gesetzt. Damit will man Unternehmen mit stark wechselndem oder eingeschränktem Sortiment bei der Ausbildung gerecht werden.

Differenziert wird zwischen Warengruppen und -bereichen, erklärt Eva Strube (BAG). Der Bereich Tiefkühlkost setzt sich beispielsweise aus den Warengruppen Speiseeis und Fertiggerichte zusammen; Tabakwaren beinhalten Zigarren, Pfeifen, Rauchtabak und Zubehör.

Warenbereiche definieren

Der Warenbereich Kaffe, Tee und Kakao kann sich in die gleichnamigen Warengruppen gliedern. Die geforderten zwei (Verkäufer) beziehungsweise vier Warengruppen (Einzelhandelskaufmann) werden vom Ausbildungsbetrieb individuell zusammengestellt und im betrieblichen Ausbildungsplan dokumentiert.

An der vorgelegten Neuordnung der Einzelhandelsberufe hat sich Douglas bereits orientiert. Waren- und Produktkunde sowie Verkauf und Beratung werden auch künftig im Mittelpunkt der Ausbildung stehen, erläutert Friderike Luft, Personalentwicklung bei Douglas.

Rewe hat bereits für alle Vertriebsformen eine Gestaltung der beiden Ausbildungsberufe anhand der Neuordnung vorgenommen. Für alle, die noch Orientierung brauchen, will der HDE Modell-Variationen entwickeln.

Insgesamt erhoffen sich alle von der Neuordnung eine Imageverbesserung der beiden Berufsbilder. Gerade vor dem Hintergrund des demoskopischen Wandels in Deutschland, so Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer der HDE, sei es heute wichtiger denn je, leistungsfähige Schüler und Schülerinnen für den Einzelhandel zu gewinnen.

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