Förderung von Hauptschülern

von Judit Hillemeyer
Freitag, 28. Januar 2005
Unter dem Motto "Neue Chancen für Hamburger Hauptschüler" warb gestern das Hamburger Netzwerk der Initiative für Beschäftigung um mehr Engagement bei der Wirtschaft für das Hauptschul-Modell.



Ziel der Initiative ist es, Hauptschüler gezielt in die Berufswelt zu integrieren, um einem vorhersehbaren Mangel an Fachkräften vorzubeugen. Damit wird aufgrund der demographischen Entwicklung 2010 gerechnet. Das Hamburger Modell basiert auf einer gemeinsamen Beratung und Begleitung der Schulabgänger durch Lehrer, Berufsberater der Arbeitsagentur und Personalfachleute aus den Unternehmen.

Durch die enge Zusammenarbeit ist es innerhalb von zwei Jahren gelungen, "den Anteil der in eine ungeförderte duale Ausbildung vermittelten Hauptschulabgänger auf 20 Prozent zu verdoppeln", so Dr. Michael Otto, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Otto Group und Gastgeber der Konferenz. 400 Hauptschulabgänger des Jahres 2004 erhielten so einen Lehrvertrag.

Vermittlungsquote steigern

An erster Stelle steht die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel. Otto zeigte sich zuversichtlich, bei passenden Rahmenbedingungen mittelfristig sogar eine Vermittlungsquote von 50 Prozent erreichen zu können.

Alle 109 Schulen der Hansestadt mit Hauptschulabsolventen sind inzwischen dem Netzwerk angeschlossen. Nun gilt es, die Zahl der eingebundenen Unternehmen ebenfalls auf 109 zu steigern, lud Michael Behrendt, Vorstandsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG, die rund 150 Teilnehmer der Ausbildungskonferenz zur Teilnahme ein. Derzeit engagieren sich 50 Firmen - darunter Otto, Rossmann, Budnikowsky, Fielmann, Unilever, Beiersdorf und die Holsten Brauerei.

Ab Sommer 2005 plant das Hamburger Netzwerk zusätzlich zu den dann etwa 500 direkt in die duale Ausbildung übergehenden Hauptschulabgängern erstmals auch ausbildungsvorbereitende Praktika von einjähriger Dauer anzubieten.

Zum Programm gehören Selbstlern-Module für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch, die aktuell entwickelt werden. Erste Erfahrungen aus Vorbereitungskursen ließen erwarten, dass etwa 80 Prozent der Teilnehmer dieses Programms im Anschluss einen Lehrvertrag im Praktikumsbetrieb erhalten können.

Otto bedauerte, dass das Engagement durch die "spezielle Bilanzierungsmethodik des nationalen Ausbildungspakts kaum als Leistung der Wirtschaft gewürdigt" wird. Dies sei unverständlich, zumal der Übergang in die betriebliche Ausbildung gerade der Hauptschüler, die in Hamburg ein Drittel aller Schulabgänger eines Jahrgangs ausmachten, als schwierig gilt. (juh)

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